Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 5 (3.2.1928)
- Date
- 1928-02-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 lllllllWlillMIIII :;::*:i>irt<iW;:W*fmH!t«mWSM^ DIE WAHRHEIT -itf s*" HOTEL „NATIONAL Ii im Wien II., Taborstraße 18 i^'&SS Zentrale Lage, 200Zimmer, fließendes kaltes und warmes Wasser u. Zentralheizung. In allen Zimmern Telephon Unter der bewährten Leitung des bestbekannten Restaurateurs S. Grüner. VorzUgl. Wiener, ungarischeu. orientalische (rumänische) KQche. Wienerbräu u. Pilsner Urquell.;/ r «HS "I :•} i* fpt &: Kindern auf dieser Stufe nicht verlangen. Vermag indessen ein Lehrer durch eine geschickte Frage aus dem einen oder anderen Kinde eine richtige hebräische Antwort herauszuholen, so wird man dagegen nichts einwenden können, es zu fordern, wäre zu viel. (Schluß folgt.) Qlcrreix. Blasco Ibanez, der große spanische Dichter, den ein allzu früher Tod hinwegraffte, schreibt in dem Vorwort eines Buches, das demnächst in deutscher Sprache herauskommen soll: „Gegen kein Volk der Erde habe ich jemals Haß empfunden. Alle die Völkergruppen, in welche die Menschheit zerfällt, sind mir in gleicher Weise lieb, haben in gleicher Weise Anspruch auf meine Achtung. Mein Kampf ist nur gegen die schlechten Hirten gerichtet, die die Menschheit auf Abwege führen". Wie seltsam klingen diese Worte in einer Zeit, in der so viele führende Männer ihre Völker zum Haß und zur Verachtung der anderen aufreizen. Und dabei ist zu bedenken, daß die leuchtende Mahnung des Spaniers aus dem Lande kommt, in dem jahrhundertelang die Scheiterhaufen für Andersdenkende brannten. Aber freilich, Blasco Ibanez, der sich mit Stolz daran erinnerte, daß er der Abkömmling einer Marannen-Familie ist, mag gerade in Spanien leichter empfänglich für die Erkenntnis geworden sein, daß das wahre Heil der Menschen nicht im Haß zu suchen ist. * . * * Den hakenkreuzlerischen Jünglingen, genügt es nicht mehr, sich über „Jonny spielt auf" mit den ihrer reinen Gesinnung entsprechenden Stinkbomben, sowie durch unflätige Beschimpfungen der Juden zu äußern. Sie finden, daß der Worte zwischen ihnen und den Polizisten schon genug gewechselt seien, und gehen nun zu Taten über. So haben sie also schon harmlose Passanten, die ebensowenig wie der Komponist Krenek das Judentum in der Musik repräsentieren, auf der Straße mit Gummiknütteln niedergeschlagen und einen Arzt, dessen Nase ihnen nicht gefiel, derart behandelt, daß er sofort die Hilfe eines Kollegen in Anspruch nehmen mußte. Ein wahres Glück, daß die heranwachsende, aber unerzogene hakenkreuzlerische Jugend nichts davon weiß, daß seinerzeit Richard Wagner von echten Deutschen für einen Judenstämmling gehalten wurde und daß seine ersten, fanatischen Apostel unverfälschte — Juden waren. Es kommt nicht zum Prozeß. Professor Barsony, der einstige Rektor der Budapester Universität, mag sich im Grabe so oft als möglich umdrehen, er hat seinen letzten Willen doch nicht durchgesetzt. Seine Tochter Eva kann dank einem außergerichtlichen Ausgleich mit ihren Verwandten, . wenn es sich gerade so fügen sollte, sogar einen vollblütigen Juden heiraten und bleibt doch die Haupterbin des großen Vermögens, das ihr unsterblicher Vater hinterlassen. Die Unsterblichkeit des seligen Rektors bleibt nämlich weiter unbestritten. Er hat sie allerdings nicht durch epochale Werke errungen, wohl aber durch sein in allen Zeitungen besprochenes Testament, das ihn unsterblich — lächerlich machte. Die kluge Eva muß dem getroffenen Ausgleich gemäß bei einer eventuellen Verheiratung mit einem' Juden nur einen bescheidenen Teil der Erbschaft den Wohlfahrtsinstitutionen der Budapester Universität überlassen. Man kann dem Fräulein auf alle Fälle herzlich gratulieren. Durch den Ausgleich haben nur diejenigen einen Verlust erlitten, die sich schon darauf freuten, Herrn Prof. Mehely, dem Dekan der philosophischen Fakultät an der Budapester Universität, dem würdigsten und gediegensten Gesinnungsgenossen des Rektors Barsonyi, in dem Prozeß als Sachverständigen in Fragen über Blutproben zu begegnen. Der Mann hätte im Gerichtssaale sicherlich wunderbare Wirkungen erzielt. Mancher jüdische Student, der dank den Theorien des Herrn Dekans an der Universität krank geschlagen wurde1, hätte sich vielleicht bei Mehelyis Auseinandersetzungen im Gerichtssaale gesund lachen können. * , * * Der Redakteur des in Klausenburg erscheinenden Antisemitenblattes „Die neue Generation" ist verhaftet worden. Er steht unter der Anklage: erstens bei dem Raube einer ungemein kostbaren Thorarolle beteiligt gewesen zu sein und zweitens den Versuch unternommen zu haben, diese Thorarolle der Gemeinde für 60.000 Lei zu verkaufen. Man sieht, der Mann, der mit Recht sich als Führer der neuen studierenden Generation in Rumänien aufspielt, weiß in gewisser Beziehung den Wert der Thora noch zu schätzen. Professor Cuza, der als Verteidiger der neun Studenten, die sogar in Rumänien wegen Diebstahls verurteilt werden mußten, den Mut hatte, den Richtern zuzurufen: „Vergessen Sie nicht, diese Jünglinge repräsentieren das Gewissen Rumäniens", könnte sich als Verteidiger des Redakteurs der „Neuen Generation" die Sache' noch leichter machen. Was kann einen Cuza hindern, den Redakteur, der „Neuen Generation" als den Mann hinzustellen, dem die Juden als ihrem Wohltäter Dank und Anerkennung schulden. Er war es,