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Die Wahrheit · 1928-02-03 · Heft 5 (3.2.1928) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 5 (3.2.1928)
Date
1928-02-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Dffi WAHRHEIT /(HimtuniiinnmfifflimiäifliBi^ Seite 1 Ländern ist. Palästina ist eines der wenigen Länder unter britischer Regierung, das sich bezahlt macht. Ende 1926 hatte das Regierungsbudget einen Ueberschuß von 1,000.000 £, und es ist das einzige Land, welches den englischen Gläubigern seinen Anteil an der früheren türkischen Schuld bezahlt. Palästina hat heute nur eine kleine gemischte Polizeimacht, obgleich im Jahre 1920 die Britische Regierung 15,000.000 bis 20,000.000 $ ausgab, um dort ein Heer zu unterhalten. Dies steht in bemerkenswertem Gegensatz zu dem benachbarten Syrien, wo Frankreich kostspielige Kriege zu führen gehabt hat. Frankreich weiß diese Tatsache zu schätzen, und manche offizielle Persönlichkeiten Frankreichs haben in ihren Reden 2U verstehen gegeben, daß Frankreich eine zionistische Kolonisation begrüßen würde. Teile Syriens sind nur eine natürliche Fortsetzung von Palästina und für moderne Siedlungen wohl geeignet. In biblischen Zeiten waren die Juden in Syrien zahlreicher als in jedem anderen fremden Lande. Aber Syrien ist nicht der einzige Nachbar, der unter zionistischen Einfluß geraten könnte, vorausgesetzt, daß die Bewegung erfolgreich ist. Das anschließende Transiordanien könnte, wenn dicht besiedelt, mit Leichtigkeit eine Million Juden erhalten. „Ist anzunehmen, daß während der nächsten zwanzig oder dreißig Jahre nicht ein Einströmen von Juden nach Transiordanien erfolgen wird, und wie kann der Zustrom verhindert werden?" schreibt J. M. Kenworthy, ein Mitglied des House of Commons. Mit ein paar Millionen Juden in Palästina, Syrien und Transiordanien und mit noch viel mehr Millionen, die von allen Teilen der Welt herbeieilen, könnten die Zionisten sogar noch weiter dringen, und das Königreich Davids, welches sich eine kurze Zeit lang von der Grenze Aegyptens bis zum Euphrat erstreckte, würde aus der biblischen Mythe wieder erstehen. (Schluß folgt.) Unser hebräischer Unterricht. (Ein Vorschlag zur Lösung.) Von L. W i e s n e r. (Fortsetzung.) Als Schreiber vor Jahren mit dem sei. Maler Kohn darüber sprach und sich dessen Unterstützung bei einer eventuellen Verwirklichung dieses Planes erbat, äußerte der Künstler für die Sache überaus lebhaftes Interesse, meinte aber, daß Lilien für eine derartige Aufgabe geeigneter sei, als er, dessen künstlerisches Schaffen in einer anderen Richtung liege. Was den sprachlichen Uebungsstoff der zu schaffenden Fibel betrifft, so soll dieser, abweichend von den modernen hebräischen Lehrbüchern, ein ausgesprochen religiöses Gepräge tragen. Unsere Kinder sollen von allem Anfang an Worte und Begriffe kennen lernen, die sie religiös orientieren. Hingegen machen wir uns das Prinzip der modernen hebräischen Lehrbücher zu eigen, daß die Kinder alles, was sie lesen, auch verstehen. Wir fordern nicht, daß sie alles, was sie lesen, auch behalten und stets präsent haben — das wird sich allmählich von selbst einstellen — wir wollen aber nicht, daß das Hebräische in den Augen der Kinder von allem Anfang an als tote Sprache gelte. Bei unseren Fibeln wird in der Regel auf das Verständnis der Uebungstexte keine Rücksicht genommen. Die Verfasser suchen lediglich den in Behandlung stehenden Laut in mannigfachen Verbindungen in einzelnen Wortbildern vorzuführen, welche aber in keiner logischen Beziehung zueinander stehen. Bei solchen toten Uebungen zwei Jahre und noch länger zu verweilen, hält kein normales Kind aus, ohne des Gegenstandes überdrüssig zu werden. Und wehe, wenn schon der erste Unterricht im Hebräischen beim Kinde Unwillen auslöst. Man beobachte das lebhafte Interesse der Kinder, wenn man ihnen das eine oder andere hebräische Wort ins Deutsche übersetzt. Ein Blick in die von unseren ostjüdischen Kollegen für Kinder verfaßten hebräischen Lehrtexte zeigt uns eine reifere Auffassung des hebräischen Unterrichtes. Dieser beginnt dort nicht erst dann, wenn die Kinder bereits lesen können, sondern zugleich mit dem Leseunterrichte, so daß die Erwerbung sprachlichen Gutes mit dem Lesen Hand in Hand geht. Schon auf die ersten vorbereitenden Uebungsn folgen Begriffswörter und Sätzchen, welche das Kind ansprechen und in ihm ein Lustgefühl erregen. Und gerade auf diese erste Kostprobe kommt es an. Denn nur wenn das Kind etwas von der Sprache verstandien hat, kann in ihm die Lust entstehen, mehr davon zu lernen. Ein noch so einfaches Sätzchen, ein noch so kurzer Dialog zwischen zwei Kindern, nur aus Frage und Antwort bestehend, wird, wenn von den Kindern verstanden, die Kenntnis des Lesens mehr fördern, als die fünf- und sechszeiligen unverstandenen Uebungen in unseren Fibeln. Mit jedem neuen Buchstaben, den wir den Kindern vorführen, steigert sich naturgemäß auch deren Interesse, den Inhalt des sich daran schließenden Uebungsstückes kennen zu lernen, und mit diesem Verlangen nach Verständnis ist auch schon das Spiel gewonnen. „Schafft in dem Kinde das Verlangen . . . und jede Methode wird dann gut sein." (Rosseau a. a. o. S. S3.) Wir wissen sehr wohl, daß die Abfassung eines scheinbar so unscheinbaren Büchleins, wie es die Fibel für den ersten Leseunterricht ist, in Wirklichkeit ein schwieriges Stück pädagogischer Arbeit darstellt und verhehlen uns nicht, daß die Schaffung der von uns ins Auge gefaßten Fibel, vermöge der Anforderungen, die wir an sie stellen, noch an höhere pädagogische und außerdem technische und künstlerische Leistungen gebunden ist, um sie zu einem nach Form und Inhalt zweckentsprechenden Lehrbehelf für unsere Kinder zu gestalten. Das darf uns aber nicht abschrecken, das Werk, das nach unserer Ueberzeugung eine dringende Notwendigkeit ist, in Angriff zu nehmen. Was sollen wir mit den Kindern nach der Fibel beginnen? Die bisherige Praxis antwortet: Lesen und Uebersetzen von Gebeten. Das erscheint uns nach den bisherigen Ausführungen unmöglich. Die Kinder wurden bisher dazu verhalten und daran gewöhnt, alles, was sie lesen, auch zu verstehen. Ist es bei dem Charakter der Texte unseres Gebetbuches denkbar, daß die Uebungen zur Erzielung der so erwünschten größeren Lesefertigkeit mit dem Verständnis des Gelesenen Hand in Hand gehen? Können wir überhaupt bei achtjährigen Kindern, die eben erst das Aleph-Beth erlernt haben und die noch ganz in einer sinnlich greifbaren Welt leben, Verständnis für den ihrer Interessensphäre so fremden und ihnen sprachlich und gedanklich so hoch und fern gelegenen Inhalt unserer Gebete voraussetzen? Der Uebergang von der Fibel zum Gebetbuche ist entschieden zu schwer. Um zu diesem zu gelangen, gibt es unseres Erachtens nur einen Weg, und dieser führt über ein „hebräisches Lesebuch", welches zwischen Fibel und Gebetbuch einzuschalten wäre und den Uebergang von jener zu diesem vermitteln und erleichtern soll. Alles, was in das Leben eines jüdischen Kindes eingreift, sein religiöses Interesse zu wecken, sein religiöses Denken und Fühlen zu beeinflussen geeignet ist, soll in einfacher, kindlicher Sprache in dem hebräischen Lesebuche zur Darstellung kommen. Kleine, aus kurzen Sätzen bestehende Lesestücke sollen den Kindern lebensfrohe und lebenswahre Miniaturbilder der Lebensformen jüdischer Kinder und ihres Interessenkreises vorführen und an ihnen die Erfüllung mannigfacher religiöser Pflichten und Obliegenheiten in der unaufdringlichen Form von Dialogen und Erzählungen aufzeigen. Niederlegen und Aufstehen, Essen und Trinken, Schulbesuch, Gotteshaus, Sabbath-Fest- und Gedenktage, Eltern, Lehrer, Geschwister sind nur einige Motive, welche ebenso dem Interesse der Kinder entgegenkommen, wie sie sich zur Auswertung für religiöse Belehrung eignen. Nichts Triviales, nichts Fremdes in hebräischem Gewände, nichts, wovon das jüdisch-religiöse und sittliche Bewußtsein nicht profitiert, soll dieses Buch enthalten. Als ein Buch, welches wir unseren Kindern nach der Fibel an Stelle des Gebetbuches in die Hand geben, soll es ganz den Charakter eines religiösen Lehrbuches tragen. Es ist selbstverständlich, daß die üblichen leichtfaßlichen kleinen Kindergebete, wie erster Satz von Mode ani, Schema, weahawta, schema beni. lischuoscho hine lo jonum und einige Berachoth weder in der Fibel, noch im hebräischen Lesebuche fehlen dürfen. Auf die methodische Behandlung der hebräischen Lesestücke wollen wir hier nicht eingehen. Versuchen wir es mit der einfachsten Methode. Wir lesen den Kindern vorerst ein kleines Lesestück langsam mit sinngemäßer Betonung vor und lassen auf jeden Satz die möglichst wörtliche Uebersetzung desselben folgen. Nach zwei- bis dreimaliger Wiederholung dieses Vorganges werden wir finden, daß die Kinder, wenn sie zuerst auch nur halbwegs über den Inhalt der Erzählung oder des Dialoges orientiert sind, an einzelnen Wörtern Stützen und Anhaltspunkte gewinnen, um mit Hilfe der Kombination schon nach kurzer Zeit einen großen Teil des Lesestückes, wenn nicht das ganze, sprachlich zu erfassen. Durch das infolge des Verständnisses bedeutend erleichterte zusammenhängende Lesen eines Lesestückes erzielen wir vor allem in lesetechnischer Be» Ziehung, daß Zunge und Lippen der Kinder in der Hervorbringung hebräischen Sprachgebildes eine größere Uebung und Fertigkeit erlangen, indirekt aber, gleichsam automatisch, erwerben die Kinder auch nicht unerhebliches Sprachgut, welches ihnen den späteren Unterricht in Bibel und Gebetbuch wesentlich zu erleichtern geeignet ist. Mit dem Erfolge des zusammenhängenden Lesens und des Verständnisses des Gelesenen geben wir uns zufrieden. Mehr dürfen wir von unseren

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