Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 5 (3.2.1928)
- Date
- 1928-02-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 iiiiiiiiHniiiiiniiiiiiiiin« PIE WAHRHEIT Daß der Mittelstand nach Karl Schwarz die 21.000fache Friedenssteuer bezahlt, ist ebenso unrichtig. Schwarz kommt zu diesem Resultate, weil er für das Jahr 1914 die Steuerstuf ein von Goldkronn 72.— bis 160.—, für das Jahr 1928 dfe viel höheren Steuerstufen von S 160— bis S 600.— zur Grundlage seiner Berechnung nimmt. Richtig müßten zum Vergleiche gegenüber den 1914 er Steuerstufen von Goldkronen 72.— bis 160.— die analog gleiGh hohen jetzigen Steuerstufen von S 80.— bis höchstens S 200.— zum Vergleiche herangezogen werden und da dürfte kaum das 8000 fache der Friedensleistung errechnet werden. Natürlich kann man auf die von Herrn Karl Schwarz beliebte Art. nämlich, wenn man für seine Berechnungen von falschen Prämissen ausgeht, alles was einem gerade in den Kram paßt, beweisen, und die Beweisführung des Herrn Schwarz sind ein Schulbeispiel dafür, wie unrichtig unsere Gemeindemitglieder informiert werden und das gilt auch als Erklärung dafür, weshalb in unserer Gemeinde düe konservative Partei ins Hintertreffen kommen mußte, die sich stets und in allen Dingen der größten Aufrichtigkeit und Objektivität bemüht hat _ Adolf Rendi, Graz. Die Krisis im Zionismus. Von Ervin S. Acel, Ph. D. Der nachstehende Aufsatz ist dem November- Heft 1927 der amerikanischen Monatsschrift „Current History" entnommen. Diese Zeitschrift ist weit verbreitet und wird in gebildeten Kreisen der Vereinigten Staaten viel gelesen. Sie bringt allmonatlich Berichte der besten Historiker der Vereinigten Staaten — meist sind es Professoren der angesehensten Universitäten — über die wichtigsten politischen Vorgänge in der ganzen Welt. Die Artikel werden im allgemeinen hoch geschätzt und viel beachtet. Der nachstehend in Uebersetzung wiedergegebene Bericht ist in seiner ruhigen objektiven Darstellung auch für europäische Leser von Interesse. Wir veröffentlichen ihn deshalb, ohne uns jedoch seine Gedankengänge im einzelnen zu eigen zu machen. Die Red. Die Absicht der Zionisten, ein jüdisch-nationales Heim in Palästina zu errichten, hat, wenigstens augenblicklich, einen Dämpfer erhalten. Seit August 1926 verlassen mehr Juden das Heilige Land, als dorthin gehen. Die Einwanderung ist in der Tat praktisch eingestellt, und die Zionisten klagen darüber, daß es für die Juden schwieriger ist. in ihr nationales Heim zu gelangen, als in irgendeinen anderen Teil der Welt, sogar einschließlich der Vereinigten Staaten. Ueber das hinaus, was der einzelne Einwanderer an Kapital aufbringen kann, wird die jüdische Einwanderung nach Palästina zum Teil durch wohltätige Beiträge finanziert. Im letzten Jahr wurde ein. Betrag von zirka 5,000.000 $ gesammelt, von welchem 75 Prozent aus Amerika kamen. Während der letzten vier Jahre betrug die jüdische Einwanderung 52.140. Am 1. September 1926 waren ungefähr 158.000 Juden in Palästina, die zu vergleichen sind mit nur 84.000 vor dem Kriege und mit ungefähr 15,000.000 über die Welt zerstreuten Juden. Die Araber in Palästina zählen zirka 540.000; die Christen 75.000. Der Stillstand der Einwanderung ist durch eine zur Zeit in Palästina herrschende ökonomische Krisis verursacht worden. Im ersten Teil des Jahres 1925 entstand ein großer Aufschwung in der Bautätigkeit, um Wohnungsgelegenheit für die große Anzahl der Einwanderer zu schaffen, die während dieses . Jahres hineinkamen. Als jedoch der Bedarf an Wohnungen befriedigt war, konnte nicht für jeden Eingewanderten Arbeit gefunden werden. Augenblicklich sind im ganzen Lande 8000 Arbeitlose, und unter diesen zirka 2500 Arbeitsunfähige, die dauernd auf Wohltätigkeit angewiesen sind. Diese ungünstige Entwicklung ist leicht verständlich, wenn wir die Handelsbilanz Palästinas für 1926 prüfen: Import $ 32,146.000 Export $ 6,488.000 Reiseverkehr „ 1,125.000 Verschiedenes „ 1,000.000 _ Defizit .. 23,408.000 Gesamtbetrag $ 32,146.000 Gesamtbetrag $ 32,146.000 Die Ziffern für die vorhergehenden vier Jahre zeigen ähnliche Defizits und legen dar, daß Palästina, um die notwendigen Nährstoffe, Rohmaterialien und Maschinen zu kaufen, jedes Jahr den größten Teil des Kapitals verloren hat, das die Judenheit ihm sandte oder die neuen Einwanderer mitbrachten. Wie Professor Roscher, der bekannte deutsche Oekonom, einmal sagte, „muß das Land, welches Kapital verliert, seine Bevölkerung exportieren". Die Zionisten versuchen, diesem Verlust zu steuern, indem sie Landwirtschaft und Industrie entwickeln. Außer dem privaten Grundbesitz hat der Jüdische Nationalfonds Land von den Arabern gekauft: er gibt Pachtgüter auf 49 Jahre an Siedler ab, behält jedoch das Eigentumsrecht für das jüdische Volk. Aber hier liegt ein großes Hindernis in der Tatsache, daß das Land zu sehr hohen Preisen von den Arabern gekauft werden muß und seine Produkte auf dem Weltmarkt mit billiger gewonnenen konkurrieren müssen. Die jüdische Landbevölkerung zählt ungefähr 32.000. Die Industrie befindet sich erst im Anfangsstadium, da das Hauptbestreben dahin ging, das landwirtschaftliche Problem zu lösen. Im Juli 1926 gab es 598 jüdische Fabriken, welche durchschnittlich je zehn Arbeiter beschäftigten. Die meisten dieser „Fabriken" sind nur kleine Werkstätten, und Professor Franz Oppenheimer sagt, daß „es im ganzen Lande vielleicht drei Unternehmungen größeren Stils gibt". Ein anderer Schriftsteller bemerkt, daß „diejenigen Fabriken, die wirklich bereit sind, richtig im europäischen Sinne ... zu arbeiten, an den Fingern einer Hand abgezählt werden können. Den anderen fehlt es an Betriebskapital; sie sind genötigt, entweder sporadisch (und mit zu phantastischen Zinssätzen geliehenen Geldern) und meist mit einem Bruchteil ihrer potentiellen Fähigkeiten zu arbeiten, oder sie hatten nicht einmal genug Investierkapital, um einen vollständigen Maschinenpark zu installieren". Nicht allein Kapital und Erfahrung fehlen, die jüdischen Arbeiter sind zudem zur Erlangung hoher Löhne streng organisiert; sie haben sogar den flüchtigen und billigen Araber gewerkschaftlich organisiert. Die industriellen Möglichkeiten sind natürlich in iedem Lande unbegrenzt, welches auf dem Weltmarkte konkurrieren kann. Für Palästina besteht ein Markt in Beirut, Aleppo, Damaskus und anderen Städten des Libanon und Syriens, welcher ungefähr 4,000.000 Konsumenten umfaßt, wie arm diese auch sein mögen. . < Die Antwort auf diese Frage: „Was ist falsch im Zionismus?" scheint zu sein, daß, obgleich die Juden in der ganzen Welt finanziell und kulturell sehr stark sind, nur der arme Und erfolglose Jude, der eine heroische Fähigkeit zu leiden, aber keine konstruktive Erfahrung besitzt, nach Palästina geht. Wenn sich reiche jüdische Bankleute. Fabrikanten und Kaufleute ständig dort mit ihrem Kapital niederlassen würden, würde der Zionismus zumindesten eine gute Chance haben. Schon allein ihre persönlichen Bedürfnisse, nicht zu erwähnen die Industrie, die sie mit ihrem Geld und ihrer Erfahrung zu schaffen versuchen könnten, würden Zehntausenden Beschäftigung geben. Die Geschichte zeigt manche Beispiele, daß ganze Industrien und Städte in andere Länder ausgewandert sind, entweder um religiöser Verfolgung zu entgehen, oder auf Veranlassung weitsichtiger Staatsmänner. Aber, wie ein Spaßvogel sagt, „der Zionist ist ein reicher Jude, der einem armen Juden das Leben in Palästina bezahlt". Die Lage ist ganz so wie während der Babylonischen Gefangenschaft, als der Tempel zerstört wurde und die meisten jüdischen Vornehmen, Priester und Handwerker nach Babylonien deportiert wurden. Hier kamen die Juden zu Wohlstand, und als ein halbes Jahrhundert später der persische Eroberer Cyrus ihnen erlaubte, nach Jerusalem zurückzukehren, wollten nur wenige das reiche Babylonien verlassen, obgleich diejenigen, die blieben, , weiter üb^er ihr Unglück jammerten. Viele der zionistischen Führer haben Palästina nur als Reisende gesehen; der Zionismus ist für sie nur ein Steckenpferd. Die Bewegung wird vom Zionistischen Kongreß geleitet, der von Mitarbeitern in der ganzen Welt erwählt wird. Zwischen den Sitzungen des Kongresses wird die Exekutivgewalt von durch den Kongreß gewählten Komitees ausgeübt. So werden die Bewohner des Landes verhindert, eine sich selbst verwaltende Gemeinschaft zu werden, die aus ihren eigenen Fehlern lernt und durch den Kampf Führer entwickelt. Lange vor der Balfour-Erklärung schlug die Britische Regierung den Zionisten vor, Kolonien unter ihrer Herrschaft zu gründen. Nach dem siegreichen Frieden von 1918 war es für Großbritannien nur logisch, die jüdische Helmstätte in Palästina zu begünstigen, da dieses Land zusammen mit Aegypten den Suezkanal schützt und ein guter Landungsplatz für Luftverbindungen nach Indien und den dahinter liegenden