Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 4 (27.1.1928)
- Date
- 1928-01-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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DIE W A HRHC1T HIMMM^ Seite 11 ICakthdim vomUZge Chanukka kontra Purim! Als Vorwort zu der Wcihnachtsbeilage einer allgemein beachteten und wertvollen deutschen literarischen Zeitschritt lasen wir folgenden höchst lehrreichen Sat:<: „Es sei auf die Tatsache hingewiesen, daß fast gleichzeitig mit dem Lichtfest des christlichen Glaubens auch das jüdische Volk sein — äußerlich überaus ähnliches — Lichtfest feiert, die Chanukka. zur Erinnerung an die Königin Esther und ihre Befreiungstat für ihr Volk. Die Schriftleitung.'" Also, was faselt ihr noch vom Makkabäertitm?! Esther ist die Chanukkaparole! Am nächsten Purim aber laßt uns „Moaus Zur" singen! Der alte Satz: „Man soll die Feste feiern, wie sie fallen*' ist modernisiert. Werfet alles durcheinander! Religionsrevolution! Wer das Märchen aber nicht glaubt (es könnte doch solche Leute geben!!), kaufe sich die „Literarische Welt". Nr. 51/52 (vom 22. Dezember). Preis: 60 Pfennig. Das ist sie wert! Erlaubt sei noch eine letzte Feststellung: Die Sciiriftleitung ist — jüdisch! Keine jüdische Universität in Prag. Die Mitteilungen tschechischer Blätter, daß Räume für eine bald zu errichtende jüdische Universität in Prag, für welche unter den Juden der Tschechoslowakei bereits gesammelt werden solle, gemietet seien, entbehren jeder Grundlage. Das Projekt, das von einem in Amerika lebenden christlichen Tschechen stammen soll, hat, wie die „ita" in Prag erfährt, dort nirgendwo Anklang gefunden. Uebrigens handelte es sich bei diesem Projekt um private Hoclischulkurse nach dem Muster der in Prag bestehenden ukrainischen und russischen „Hochschulen". Gegen Jiddisch in Palästina. In einer gemeinsamen Sitzung des palästinensischen Komitees des Judaistischen Institutes der Jerusalemer Universität und des Lehrkörpers dieses Institutes wurde einmütig beschlossen, die Angelegenheit des jiddischen Lehrstuhles vorläufig zu verschieben: es sollen zunächst hebräische Lehrstühle für biblische Wissenschaft, jüdische Geschichte und jüdische Philosophie errichtet und besetzt werden. „Uebermäßig streng." Tut mau den ungarischen Gerichten Unrecht, wenn mar sagt, sie seien willenlose Werkzeuge des antisemitischen Regimes? Da hat ein Mittelschulprofessor ein ..Geschichtsbild1: für die ungarischen Volks- und Mittelschulen" geschrieben, das in der niederträchtigsten und gemeinsten Weise antisemitische Hetze betreibt. Der Journalist Julius A b o n y i hat im Budapester „Magyar H i r 1 a p" auf diese Schande hingewiesen und die Folge war nicht etwa, daß dieses merkwürdige Lehrbuch eingezogen wurde. Nein. Der Autor dieses Lehrbuches, der Mitteischiiiprofessor Andreas J u r a s s a. klagte Abonyi auf Verleumdung und das unabhängige ungarische Gericht verurteilte Abonyi zu 14 Tagen Gefängnis. 400 Pengö Geldstrafe und 3000 Pengö Schadenersatz. In der Urteilsbegründung wird darauf verwiesen, daß das Lehrbuch „zweifellos übermäßig strenge und unv e rdiente Feststellungen gegen die Juden" enthält. Als mildernden Umstand nahm der Gerichtshof bei seinem Urteil, das wohl kaum als „übermäßig streng" angesehen sein will, die Jugend des Angeklagten, ferner seine ..offenkundige konfessionelle Voreingenommenheit" an. Antisemitische Unbescheidenheit. Der Grazer ..Michel" schreibt in seiner Nummer vom 15. Eismonds (Jänner) zum „Umfall Fords", auf den er erst jetzt durch Theodor Fritsch aufmerksam gemacht worden ist — ein Beweis für die guten Informationen des Antisemitenblattes —. folgendes: „Dazu bemerken wir nur, daß wir niemals in die hohen Jubellieder auf Ford eingestimmt haben. Wir sind stets vom Gedanken beherrscht gewesen, daß der PI ■ »Union tieiifscfiösterrtitimcfier Jeden' Miigiieasdiaii ix S EINLADUNG 2 zu der am ■ Montag, den 30. Jänner, halb 8 Uhr ■ abends, Im Festsaale der Bezirks- S Vertretung, IX., WährlngerstraBe 43 ■ stattfindenden I 9SRE1HS-VERS9MMLUN 1 i ■ I a g e s o r d n u n y;: i ■ 1. Universitätsprofessor Dr. Max Eisler: S ■ „Der große holländische Maler Rembrandt S 5 und die jüdische Welt" (Lichtbildervortrag). J J 2. Börserat Ignatz Glück: „Was erwarten ■ ■ wir von der Kultusgemeinde?" S ■ 3. Diskussion.! ■ ■ 2 Von Mitgliedern eingeführte üäste, auch ■ ■ Damen, herzlichst willkommen! ■ S „Union deafscbtteterreldibdier Juden" ■ ■ Der Präsident: Dr. Jakob Omstein 8 S MliaitedsdiQfl IX der „Union g ■ Der Obmann: Mor:? Oesterreieher 5 reichste Mann d e r W e 11, als welcher Ford gilt, im Kampfe gegen das Judentum viel mehr hätte tun können, als er getan ha t." — Gibst du dem teutonischen Teufel den kleinen Fit:g--r. der bei Ford übrigens gar nicht so mager war. will er gleich die ganze Hand. Beschränkung der Palästina-Einwanderung. Die palästinensische Regierung hat mit Rücksicht aut die sich immer mehr verschärfende Wirtschaftskrise des Landes neue Bestimmungen für die jüdische Einwand erune erlassen, die praktisch auf ein völliges Verbot der Emigration von jüdischen Massen hinauslaufen. Nach dieser Verfügung werden bis auf weiteres nur folgende vier Kategorien jüdischer Neuankömmlinge in das Land gelassen: 1. Frauen und minderjährige Kinder von in Palästina wohnenden Personen. 2. Studenten und Schüler, wenn ihr Unterhalt von den Instituten, die sie besuchen, auf drei Jahre gewährleistet wird. 3. Personen mit barem Kapital. deren Betätigung nutzbringend für die palästinensische Wirtschaic ist und 4. politische Flüchtlinge aus Sowietrußland. Die Zulassung der Flüchtlinge ist lediglich eine politische Demonstration gegen die S o w j e t r e g i e r u n g und findet nur auf eine beschränkte Anzahl junger Leute Anwendung, die wegen ihrer zionistischen Betätigung in Rußland verfolgt werden. Es bleibt abzuwarten, ob durch diese Maßnahmen die Gesundung der palästinensischen Wirtschaft herbeigeiührt werden wird und ob die Abwehr der Armen und die Zulassung der Reichen den Aufbau des Landes sehr fördern wird. Sicher ist vorläufig nur. daß mit dieser Verordnung die Hoffnung auf eine jüdische Majorität in P a 1 ä s t i u a vorläufig i n weite Ferne gerückt ist und die Frage der Schaffung einer iüdisch-nationalen Heinistätte im Heiligen Lande für die englische Politik bis auf weiteres abgetan ist. JAC. MAVER Kleideru. 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