Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 4 (27.1.1928)
- Date
- 1928-01-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064248-3064252--16014-3088740- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 10!'>l!"l'ili!Hllllli!l)!llit!HflllllliilliH DIE YVAHRHEil prallen und blickten unter den faltigen, von Wimpern entblößten Lidern matt und glanzlos. Aber über das von der erbarmungslosen Zeit gefurchte Antlitz hatte sich ein ungetrübter und süßer Frieden ergossen. Mit lächelnder Seelenruhe blickten die kleinen, verblaßten Augen umher: Frejdas Geist schlummerte inmitten der lieblichen, sie ergötzenden Laute. Ein leises Lächeln friedlichen Schlummers umspielte die fahlen Lippen, die, schon längst ans Schweigen gewöhnt, sich immer seltener öffneten, um immer kürzere Worte zu sprechen. Jetzt stand Frejda am Familien tische; sie hatte ihren von einem breiten, weißen Aerme! bedeckten Arm um den Nacken eines frischen jungen Mädchens geschlungen, ein zwinkernder Blick glitt über die Gesichter aller Anwesenden, da sagte sie, laut flüsternd: „Wo is' Meir?" Die Großmutter hatte gesprochen . . . Bei ihren Worten bewegten sich die Versammelten wie Bäume bei einem Windstoß. Männer, Frauen und Kinder blickten einander an. und durch den großen Raum ging ein Flüstern: „Wo is' Meir?" So zahlreich waren die hier versammelten Familienmitglieder, daß die Abwesenheit eines von ihnen nicht bemerkt worden war. Der a3te Saul wiederholte die Frage der Mutter nicht, aber seine Stirne runzelte sich noch mehr, und mit emem strengen und etwas ärgerlichen Ausdruck blickten seine Augen auf die Flurtür. Die Tür ging auf. Ein großer Mann von schönem Wuchs betrat die Stube. Er trug ein langes, am Halse und an der Brust mit kostbarem Pelze verbrämtes Gewand. Wie eingeschüchtert oder verschämt blieb er an der Schwelle stehen. Er wußte, daß er sich verspätet hatte, daß die gemeinsamen Familiengebete ohne ihn verrichtet worden waren, er fühlte, daß die Augen seines Großvaters Saul, seines Oheims und einiger älterer Frauen sich mit Blicken strengen Vorwurfs fragend auf ihn richteten. Nur in den verblaßten Augen der Urgroßmutter leuchtete beim Anblick des Eintretenden weder Zorn noch Unruhe auf. Im Gegenteil: ihre Augen weiteten sich und strahlten vor Freude, die runzeligen Lider zitterten und zwinkerten nicht mehr, und die bleichen, schmalen Lippen bewegten sich und sprachen flüsternd, laut und doch klanglos: „Ejnkelchen! Kindleben! Enkelchen!" Beim Klang dieses Flüstorns voll Freude und Zärtlichkeit schloß sich Sauls Mund, der sich schon aufgetan, um strenge Fragen und Tadel auszusprechen. Auch die fragenden und zornigen Augen seiner zwei Söhne senkten die Blicke auf den Tisch. Allgemeines Schweigen begrüßte den Verspäteten, bis die Großmutter wieder sprach: „Kiiidleben!1' Saul hob die Hände über den Tisch und sprach halblaut das Gebet vor, das vor dem Sabbatmahl gebetet wird. „Gesegnet sei der Herr . . begann er. (Fortsetzung folgt.) Die neuen Banknoten in Erez-lsraeL Zwei Bilder sind es, die wir heute bringen, die Abbildungen palästinensischer Geldscheine. Geldscheine mit hebräischem Text! Es ist das erstemal, seitdem Bauknoten im Umlaufe sind, daß die hebräische Sprache Verwendung findet, noch dazu auf Wertzeichen des Heiligen Landes, die nunmehr nicht allein in Palästina, sondern in der ganzen Welt als Zahlungsmittel Geltung haben werden. Es ist eine Fünfhundert- Mil-Note, deren beide Seiten hier abgebildet sind. Die eine Seite trägt im Schilde die Davidsburg auf dem Berge Zion in Jerusalem, die andere das Grabmal unserer Stamm-Mutter Rachel. Die Note hat den Wert von etwas mehr als sechzehn Schilling. Als Grundlage des Münzsystems in Erez Israel wurde das englische Pfund Sterling angenommen, welches hier in tausend Teile zerfällt (Mil). Die hebräischen Bezeichnungen der neuen Münzen lauten: „Pruta" für ein Mil, „Mea" für fünf Millim, „Meatajim" für zehn Millim, „Chaci- Schekel" für fünfzig Millim, „Schekel" für hundert Millim, „Chaci litra" für fünfhundert Millim und „Litra" für tausend Millim oder ein Pfund Sterling. Ein Mill ist etwas mehr als zweiunddreißig Groschen.