Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 4 (27.1.1928)
- Date
- 1928-01-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 «ww»»»««*^^ HOTEL „NATIONAL ii TO Restaurant "USO Wien II., Taborstraße 18 ™e£!*o3 Zentrale Lage, 200 Zimmer, fließendes kaltes und warmes Wasser u. Zentralheizung. In allen Zimmern Telephon Unter^der" bewährten* Leitung des bestbekannten Restaurateurs S. Grüner. VorzUgl. Wiener, ungarischeu. orientalische (rumänische) Küche. Wienerbräu u. Pilsner Urquell. deren stille Betrachtung es sich selbstvergessen versenki. Man denke, ein Kinderbuch ohne Bilder! Vergessen wir doch nicht, daß das Kind noch in einer Welt lachender Träume lebt. Wer weiß es nicht aus eigener Erfahrung, welchen Eindruck auf ihn in seiner Jugend die Bilder der Hagada gemacht haben, wie sie ihn seitdem begleiten und sicherlich Zeit seines Lebens nicht verlassen werden. Bei der hervorragenden Rolle, welche heute die Illustration als Lehrbeheif und auf verschiedenen Gebieten des Lebens spielt, darf sie im ersten Lesebuche des jüdischen Kindes am allerwenigsten fehlen. Der Hlustrierung der Ffbei mit biblischen Gestalten und Handlungen könnten wir allerdings nicht das Wort reden; solche wären gegen alles jüdische Herkommen und könnten Bedenken erregen. Wohl aber könnte die Fibel Bilder aus dem häuslichen religiösen Leben enthalten, wie: das Anzünden der Sabbatlichter durch die Mutter, das Auflegen der Hände auf das Haupt des Kindes bei Erteilung des Segens durch den Vater, der Kiddusch, die Habdala, wie das jüngste Kind die Habdalakerze hochhält, die Besomim-Büchse, der Seder, das Anzünden der Chanukkalichter, ebenso Abbildungen jüdischer Gotteshäuser mit Innen- und Außenansicht, Abbildungen synagogaler Gegenstände, als: Thora, zum Lesen aufgerollt, Thoraschmuck, Chanukkaleuchter, Abbildungen synagogaler Handlungen: Hagbaha und Gelffla, Erteilung des Priestersegens. Schofarblasen, Umzüge mit den Thorarollen in der Synagoge am Stmehas-Thora, Innen- und Außenansicht einer g« schmückten Sukka, die Arba Minim u. dgl. menr. Das wäre eine jüdische Fibel, die dem jüdischen Kinde Freude bereiten und religiöse Belehrung hielten würde. Daß die Illustrationen den Anforderungen der Kunst und des guten Geschmackes entsprechen müßten, ist ebenso selbstverständlich, wie, daß sie Menschen der Gegenwart und nicht Typen und Trachten vergangener Zeiten zu zeigen hätten. Die Schaffung einer solchen Fibel erscheint als eine dringende Aufgabe der Gegenwart und wäre des Fleißes hervorragender jüdischer Künstler und erfahrener Pädagogen würdig. (Fortsetzung folgt) Qflcrr&ix. Einer der ausgezeichnetsten Heerführer im Weltkrieg, der Ritter des Militär-Maria-Theresien- Ordens, General Fischer, mächt in der „Wiener Sonn- und Montagszeitung" die sensationelle Enthüllung, daß die Ignorierung einer von einem kühnen jüdischen Zugsführer gebrachten Meldung die verhängnisvolle Niederlage unserer Hauptarmee bei Lemberg zur Folge hatte. Der General (der nebenbei bezeugt, daß die jüdischen Soldaten „an Todesverachtung und Kaltblütigkeit den anderen nicht das Geringste nachgaben") betont noch besonders, daß dieser jüdische Zugsführer, „ein blutarmer Teufel, sich absolut weigerte, für seine großartige Leistung auch nur die geringste Belohnung anzunehmen.'' Was werden die antisemitischen Schmierfinke. die sich nicht scheuen, selbst die jüdischen Soldaten, die ihr Blut für das Vaterland vergossen, mit ihrem Geifer zu besudeln, zu dieser Feststellung des Generals Fischer sagen? Es geht nicht an, aus dem jüdischen Zugsführer einen hakenkreuzlerischen Helden zu machen. Auch der Versuch, den General Fischer, der bekanntlich einer uralten katholischen Familie entstammt, ausdrücklich zum Juden zu stempeln, erscheint ziemlich aussichtslos. Man wird sich halt wohl begnügen müssen, in Zukunft den Namen des hochherzigen Generals nur mit dem Ausrufungszeichen (!) geschmückt zu nennen. * Fast zu der Stunde, in der der ausgezeichnete Generai den auch die Tapferkeit und patriotische Hingebung der jüdischen Soldaten preisenden Artikel schrieb, fand in der Aula der Wiener Universität eine Gedenkfeier für die Gefallenen des Weltkrieges statt. Der Feier wohnten die Rektoren sämtlicher Wiener Hochschulen, der akademische Senat der Universität, zahlreiche Professoren und Offiziere bei, Reden hielten der Rektor der Wiener Universität, der ehemalige Feldkurat und der — Diplomkaufmann Robert Körber. Dem Führer der hakenkreuzlerischen Studentenschaft, dessen Namen unauslöschlich fast mit allen die Ehre der Universität schändenden antisemitischen Exzessen verknüpft ist, wurde also die hohe Auszeichnung zuteil, bei einer Feier das große Wort führen zu dürfen, die, an dieser Stätte abgehalten, wohl jede Erinnerung an die schmachvollen Judenhetzen hätte ausschließen müssen. Dem Diplomkaufmann Körber konnte diese Ehre sicherlich nur mit Zustimmung des gegenwärtigen Rektors der Wiener Universität zuteil werden, dem doch das Programm der Feier vorgelegt werden mußte. Der ehemalige Rektor der Hochschule für Bodenkultur, der gelegentlich einmal dem Herrn Diplomkaufmann mit der Entfernung durch die Polizei drohte, hätte ihm bei einer Feier zu Ehren von Toten, die sich nicht wehren können, schwerlich das Wort eingeräumt. * Herr Dr. Korngold, der ein vorzügliches, geschmackvolles Deutsch schreibt, und Herr Liebstöckl, der dies auch täte, wenn er nicht aus geheimen Gründen ein geschmackloses Jüdeln vorzöge, die beiden haben dem unverfälscht arischen Schöpfer von „Jonnv spielt auf" scharf zugesetzt. Nun zerbrechen sie sich die Köpfe, weshalb die Juden von den Hakenkreuzlem für diese Oper verantwortlich gemacht werden. In einer sehr alten, daher jetzt fast schon neuen Anekdote fragt eine wirklich ältere Dame einen erfahrenen, klugen Mann: „Glauben Sie wirklich, daß der Freitag kein Glückstag zum Heiraten ist?" „Ja, warum soll der Freitag eine Ausnahme machen?" lautete die artige Antwort. Weshalb soll gerade „Jonny spielt auf4 nicht zu einer Hetze gegen die Juden Anlaß geben?