Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 4 (27.1.1928)
- Date
- 1928-01-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite h H!!i!!<H|i,i!fiwiiiii!iiiiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiw pjE WAHRHEIT jede der ragenden Gestalten hat der Verfasser in entsprechender Perspektive die Figuren von kleinerem Höhenniaße gruppiert, die mit jener verwandt oder einigermaßen von ihr abhängig waren. Beinahe schon der Vergessenheit entrissen sind Salomon Löwisohn und Salomon Cohen, deren Werke noch vor wenigen Jahrzehnten viel gelesen wurden. Am Ausgange des vorliegenden Bandes ragen die Standbilder zweier Männer, die, ganz in ihrer Zeit wurzelnd, in eine neue Epoohe hinüberweisen und sie vorbereiten helfen: Isaak Samuel Reggio und Samuel David Luzzato. An Schicksal und Wirksamkeit von einander verschieden, sind sie doch untereinander tief verwandt, und beide, jeder in seiner Art, muten sie uns an wie Menschen unserer Zeit. Reggio und Luzzato waren Söhne der unter habsburgischer Herrschaft stehenden norditalienischeu Provinzen. Daß ein Teil Polens (unter dem Namen Ostgalizien) der Habsburger Monarchie angeliedert wurde, bewirkte, daß zwischen den Juden dieser beiden an den entgegengesetzten Enden des Reiches liegenden Provinzen ein reger kultureller Verkshr angebahnt wurde. Der deutsche Einfluß reichte, wie wir sahen, schon zu Mendelssohns Zeit über Litauen nach Polen und jetzt auch südwärts nach Norditalien einerseits und nach Gaiizien anderseits hinaus. Dieser Einfluß schuf eine die Elite der Judenheit dieser Länder umfassende eigenartige Kulturbewegung, deren Wirkungen bis auf den heutigen Tag sichtbar sind und weit hinaus nacii dem Abendland und später sogar nach Amerika hinüberreichten. Eine der herrlichsten Früchte dieser Kulturbewegung war die Wissenschaft des Judentums, als deren Schöpfer Leopold Zunz in Berlin, Nachman Krochmal in Zolkiew. Salomon Jehudah Rapop o r t in Lemberg, und Samuel David Luzzato in Padua anzusprechen sind. Diese Männer hatten zahlreiche eifrige Jünger und Mitarbeiter. Namentlich in einigen Städten Ostgaliziens wirkten und kämpften mehrere bedeutende Forscher, Dichter und Schriftsteller, die eine tiefe Wirkung auf die Glaubensgenossen der Nachbarländer ausübten. Reggio und Luzzato veröffentlichten ihre epochemachenden Studien in den in Gaiizien herausgegebenen Zeitschriften. Leopold Zunz in Berlin gab nach dem Tode seines Freundes. Nachman Krochmal, seine gesammelten tiefschürfenden geschichtsphilosophischen Essays heraus und nannte sie im Anklänge an das Hauptwerk Maimunis „Moreh Nebuche ha Zeman". Isak Ber Levinsohn, den sie den „russischen Mendelssohn" nannten, pilgerte von Krzemjenjetz in Podolien nach Brody, wo er im Umgang mit den dortigen Gelehrten die Ideen und Anregungen zu seiner tief einschneidenden literarischen und kulturellen Tätigkeit gewann. Abraham Geiger stand bis an sein Lebensende in lebhaftem Briefwechsel mit seinem intimen Freund. Jösua H. Schorr in Brody. Abraham Mapu lauschte gespannt auf das Urteil der Brodyer und Lemberger Nestoren über seinen entzückenden Roman „Ahabath Zion", der in dem Briefwechsel zwischen Geiger und Schorr einen Gegenstand regen Meinungsaustauschs bildete ... Graetz hat dieser Epoche ein schönes, aber wenig erschöpfendes Kapitel in elften Bande seiner Geschichte der Juden unter dem Titel „Die galizische Schule" gewidmet. Diese ganze Periode und ihre Träger wird uns im umfassenden Bilde der nächste Band der Landauschen Literaturgeschichte vorführen. S i g m a. Deutschvölkischer Glaubenswechsel und — wir. Von A. Mannheimer in Dettelbach. Seitdem Ludendorff den Degen mit der blauen Brille und diese wiederum mit Politik und Feder vertauschte, hat er Pech, entschieden Pech. In München wollte er 1923 mit den Novemberverbrechern Generalabrechnung halten und wird selbst zum Novemberling. In Bayern, ausgerechnet in Bayern, wettert er gegen Rom und den Klerikalismus und verdirbt es mit dem Lande, in dessen Hochgebirgen er sich während der Aera Hitler-Kahr in Gebirgstracht als Urbayer gerierte und den ..reinen Sauerstoff der Alpen" als Symptom von Deutschlands Gesundung pries. Kurze Zeit, bevor Benjamin Segel die Protokolle der Weisen von Zion gründlich und schonungslos als gemeinen, aufgelegten Schwindel erledigte, hatte sich der General schützend mit breitem Rücken vor dieses Machwerk gestellt. Er schreibt ein Werk über Freimaurerei und wie ein Sturm braust die scharfe Kritik durch den deutschen Blätterwald, sogar in Kreisen, die dem Autor sonst nicht ferne stehen. An der Feldherrnhallc in München sieht sein Bileamsaugc deutlich, wie der jüdische Kubus den deutschen Stahlhelm erdrückt. Das gleiche Bild in Tannenberg, wo der Reichspräsident ein „jüdisch-freimaurerisches" Denkmal feierlich enthüllt. Aerger und Verdruß und Enttäuschung überall. Juden und jüdischer Geist und Einfluß überall. Was tun? Rom und Juda gilt sein hundertprozentiger Haß. Sollte nicht auch der evangelische Glaube jüdisch verseucht sein? Er hat ja schon seit Jahrzehnten gesehen und gehört, wie man tobt und rasselt an den Ketten, durch die das Christentum unlösbar an das Judentum gebunden ist. Und er zieht die Konsequenz: Heraus auch aus dem Protestantismus! Hin zur deutsch-völkischen Religion, zur alten Wotanverehrung! Was wir Juden dazu zu sagen haben? Wir könnten es uns auch so leicht machen wie manch kirchlich-konservatives Blatt: Ludendorffs Geist zeige Spuren der Zermürbung infolge der übermenschlichen vierjährigen Anstrengung und Aufreibung im Weltkriege. Das erkläre den letzten Schritt des Generals und so manches andere, das vorausging. Nun. es mag ja sonst menschlich schön sein, den Mantel der Liebe über Fehltritte und Irrgänge zu breiten. Im Falle Ludendorff ist die nüchterne, nackte Wahrheit die einzig mögliche Betrachtungsweise. Eine Kette von Vorgängen, die Jahrzehnte zurückliegen, führt zu der heutigen Verfassung des Mannes, dem im Weltkriege zehn Millionen deutscher Soldaten anvertraut gewesen. Ludendorif haßt blind Juden und Judentum und mußte so mit der Tochterreligion brechen. Schon vor 30 Jahren wurden vereinzelt Wotanfeiern abgehalten und der deutschvölkische Glaube fortwährend propagiert. Das jüngere Geschlecht kennt jene grotesken Dinge, geboren aus dem Judennasse, viel zu wenig. Man braucht nur ein paar Beispiele anzuführen, um in die Ideologie jener Wirrköpfe Einblick zu erlangen, der aueih Ludendorff erlag. So schrieb der „Hammer" 1911, S. 72: „Wotan auf den Thron! Um ihn sich scharend hat die arische Rasse endlich zurückgefunden von der in fremden Köpfen ausgedachten Religion, die die germanische Rasse sich zur ewigen Schmach und Schande aufnötigen ließ." Derselbe „Hammer" schrieb schon Oktober 1908: „Was tun wir mit einem Christus, dessen Reich nicht von dieser Welt ist? Einen Blücher, einen Gneisenau, einen Körner und Arndt kann Deutschland allezeit brauchen, keinen Christus. Gebt die Bibel den Elenden und Kranken, den Stubenhockern und Gelehrten." In der Staatsbürgerzeitung vom 1. Dezember 1910 war gegen die Päpste zu lesen: „Die Unfehlbarkeitsanmaßung der Judenabkömmlinge in Rom ist nichts als ein ultramontanes Feuerwerk, welches die Augen der germanischen Welt abzieht von der drohenden Gefahr usw. Was glauben die Katholiken noch? Sie glauben an die Unfehlbarkeit des Papstes Pius aus dem jüdischen Hause Feretti." (O. Beta.) Wotans Mondesauge, schwebe Ueber meiner Seele Nacht! Löse meine Zweifel, hebe Mich empor mit sanfter Macht! Und Artur v. Wallpach schreibt in der Zeitschrift „Deutscher Glaube" wie folgt: „Moses und den Papst zu Rom, überwinde beide. Bahne dir den Weg zu Gott als ein deutscher Heide." Braucht man sich da zu wundern, daß Ludendorff endgültig dem verjudeten Christentum den Rücken kehrte? Jakobs schlichte Gottesidee und Esaus Schwertüdeal können nie neben- und miteinander wirken und walten. Sie sind von Mutterleib an verschieden und getrennt. Amaleks Hand ist stets und in letzter Linie gegen Gottes Thron gerichtet. Göttiiches und Esau-Amalekitisches befinden sich in ewigem Widerstreit, Ludendorff nebst seinem ganzen Geisterstab gehören zu den entschiedenen Militaristen, den unentwegten Schwertmenschen. Auch wenn Deutschland territorial wieder das alte wäre, müßte die Schwerthegemonie wiederum aufgerichtet sein. Völkerverständigung und Völkerversöhnung ist ihnen jüdischer Geist, Genf eine jüdische Sache, der Völkerbund eine jüdische Mache. Sie zeterten gegen Locarno und beschworen Hindenburg, nicht in die jüdische Falle zu gehen. Sie pöbelten den Reichspräsidenten an, weil er die von dem Juden Hugo Preuß entworfene Reichsverfassung nicht nur unterschrieb, sondern auch hielt. Ueberall jüdischer Geist und Einfluß. So ist kaum zu verwundern, daß Ludendorif und seine Getreuen den Skandal bei Tannenberg aufführten und das Denkmal selbst als jüdisch-freimaurerisch schmähten. Nun hat Ludendorff tabula rasa gemacht; er ist aus der evangelischen Kirche ausgetreten, um möglichst ferne zu sein allen Beziehungen zum jüdischen Geist und Gott. Wir haben eine zwangsläufige Entwicklung der Dinge hier vor uns. Schwertverhimmelung und jüdische Weltanschauung stehen sich wie Feuer und Wasser gegen-