Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 3 (20.1.1928)
- Date
- 1928-01-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Arierparagraph blüht imd gedeiht weiter, aber damit die österreichischen Skisportler, deren stärkste Vertreter dem „arischen" Oesterreichischen Skiverband angehören, in voller Stärke bei den Olympischen Wintersportkonkurrenzen in St. Moritz aufmarschieren, hat man endlich einen Dachverband gegründet, der unter dem Titel „Oesterreichische Skidelegation" beide Streitteile vereinigt, nämlich den Allgemeinen Oesterreichischen Skiverband, der vom Arierparagraph nichts wissen will, und den Oesterreichischen Ski verband, der diesem famosen Paragraph in den Satzungen seiner Vereine zuläßt. Im A u s 1 a n d e. wo man konfessionellen Sport nicht kennt, sind nämlich, wie hier schon gemeldet, nur die Mitglieder des Allgemeinen Oesterreich isclien Ski verbau des startberechtigt und die Nennungen des Oesterreichischen Skiverbandes zur Olympiade waren durch die Schweizer bereits zurückgewiesen worden, was die Einigungsverhandlungen zwischen den beiden Verbänden sichtlich gefördert hat. Außerhalb Oesterreichs ist man eben der sicherlich nicht ganz unrichtigen Meinung, daß der 50-Meter-Sprung eines jüdischen Skisportlers nicht weniger wert ist als der gleich große Sprung eines reinrassigen Ariers. Dem um den Friedensschluß sehr bemühten österreichischen Unterrichtsministerium ist man aber jedenfalls zu Dank verpflichtet, daß es dem österreichischen Skisport eine Blamage im Auslande erspart und den ..Dachverband" zustande gebracht hat. Es bleibt jetzt abersten Sitzung an konnte man den Mangel an elementarstem Motiven diktiert war und gerade nur über die Olympiade und die übrigen großen Veranstaltungen hinaus bestehen soll, oder ob es wirklich wahre Liebe war. die zur Vereinigung der beiden Verbände. geführt hat. Aktionsunfähigkeit der Gemeinde Warschau. Anläßlich der letzten Tagung des Warschauer Jüdischen Gemeinderates kam es zu heftigen Konflikten zwischen den Vertretern der Agudah. den Zionisten und den sozialistischen Ratmännern. Von der ersten Sitzung an konnte man den Mangel an elementarstem Verständigungssinn, der die Grundlage jeglicher Kollektivarbeit ist, konstatieren. Die geschäftlichen Sitzungen glichen mehr doktrinären, leidenschaftlichen Disputationen von verschiedenen „Parteimachern" als sachlichen Verhandlungen über lebenswichtige Fragen der größten jüdischen Gemeinde Europas. Die ewigen Kämpfe erreichten ihren Höhepunkt bei der Abstimmung über das S c h u 1 b u d g e t, für das die einzelnen Parteigruppen besondere Listen von Institutionen aufgestellt hatten und allen anderen, von ihren Parteigängern nicht anerkannten Institutionen jede Unterstützung verweigerten. Als Folge davon wurden die Positionen für sämtliche jüdischen Schulen Warschaus von agudistischen, zionistischen und jiddischistischen Typen abgelehnt, was zu einer scharfen Obstruktion der linksorientierten Ratmänner führte. Wie verlautet, denkt die Regierung den demokratisch gewählten, aber lebensunfähigen Gemeinde- EINLADUNG zu dem Sonntag, den 5. Februar 1928, präzise 7 Uhr abends im Pazmanitentempel (IL, Pazmanitengasse 6) stattfindenden CIlArllSCIiil-OSOB-FESTE i 8 Zurrf Vortrage gelangen SYNAGOGALE CHÖRE aufgeführt von der „Kunstgesellschaft für synagogale Musik" Mitwirkend die Herren: Balaban, Bohumolni, Einhorn, Frankel, Funke, Groß, Katz, Landerer, Mandel, Margnlies, Möller, Perczig, Posfolow, Redlich, Reich, Reichmann, Schächter, Stift, Trager, Wahrmann, Zeisl unter Leitung des Dirigenten E. Simerofski Karten sind im Sekretariat, II., Pazmanitengasse 6, Tel. Nr. 47-8-63 sowie bei den Mitwirkenden erhältlich Das Festkomitee rat in seiner Tätigkeit einzustellen und dessen Kompetenzen auf einen von der Behörde bestimmten Kommissär zu übertragen.. Ein Bannfluch gegen Dr. Wiener. Rechtsanwalt Max Jacobsohn in Breslau, der Führer der schlesischen Zionisten, widmet in der „Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland" (Nr. 51 vom 23. Dezember 1927) dem Buche Dr. Alfred Wieners, „Kritische Reise durch Palästin a", einen längeren Anisatz: „E i n B u c h des Hasses". Schon diese Ueberschriit zeigt deutlich. dal? keine großzügige Würdigung oder sachliche Widerlegung der Wienerschen Darstellungen gegeben wird, sondern der Zweck des Aufsatzes ist. das Wienersche Buch mit maßlosem Ingrimm aufzunehmen und zu zerfetzen. Darüber hinaus aber enthält der Aufsatz Dr. Jacobsohns persönliche Beleidigungen Dr. Wieners in einer solchen Schärfe und Fülle, daß sie selbst das auf diesem Gebiet bisher gewohnte Maß weit übersteigen. Es genügt, die ^teilen niedriger zu hängen, um darzutun, wie alle Bemühungen der letzten Jahre, zu erreichen, daß in innerjüdischen Auseinandersetzungen Würde und Ritterlichkeit gewahrt werden, in den Wind getan sind. Herr Jacobsohn schreibt: „Hier wird Gift und Galle gespien gegen den Erzfeind. Und das ist das Ueble an diesem Buche. Es sieht im Zionisten nicht den Gegner, den man zwar achtet, aber bekämpft, sondern das Buch ist von Haß diktiert . . . Für Dr. Wiener ist es .zweifellos', daß de Haan von zionistischen Fanatikern ermordet wurde. Ein Jude bezichtigt also skrupellos andere Juden eines feigen gemeinen Meuchelmordes aus politischem Haß. Efn Chillul Haschern, der fast ein Bedauern darüber wecken könnte, daß die Einrichtung des Cherera nicht mehr existiert. Früher dHegte man Menschen, die Ihre iüdischen Brüder ohne ausreichende Unterlagen so schwer verdächtigten, aus der Gemeinschaft auszustoßen." (Von uns fett gesetzt. Die Schriftleitung.") Jedem unserer Leser kann JAC. MAVER Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Eigene NoOaMelliiml zentrale: Wien ll.9 Glockengasse 24 Tel. 4&4-7» Für Kultusbaamt« und V«r«lnsfunktIonMr« a«g«n Loflltlmattoa 10«/. Machla» -