Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 3 (20.1.1928)
- Date
- 1928-01-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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vt*i te i 0 'MiHiiHMiiiii^^^ [)}£ W A HRHE11 sondern auch mit verschiedenen Geschäften und Geschäftchen, bei denen er die „ekelhaften Sonnenfische'4 nicht ungern mitschwimmen sah, nach wie vor die Oeffentlichk'eit. Und nun hat das Blatt aus seinein „Tagebuche" seine wahre Gesinnung, richtiger die Gesinnungslosigkeit gezeigt, deren er sich bisher beflissen. Als im Jahre 1923 Leopoldstädter freiheitliche Organisationen den Herrn Nationalrat Ottokar Czernin fragten: „Wie nrazisieren Sie ihre Stellung in der Judenfrage?", da antwortete er recht ausweichend, wie es schon seine blaublütige Art. war: „Die unausgesetzte Beschäftigung mit den Redeexzessen politische r Wirrköpfe ist nicht unsere Aufgabe." Mutatis mutandis können auch wir das gleiche behaupten und damit für heute diesem „politischen Wirrkopf" Valet sagen. Oskar Hirschfeld. Ein anderer Graf. Der Zufall will es, daß der gleiche Tag, an dein wir uns notgedrungen mit Herrn Grafen Ottokar Czernin beschäftigen mußten, uns die Kunde vom sechzigsten Geburtstage des Grafen Adalbert Sternberg bringt, der übrigens mit -dem hochgeborenen Ritter vom Goldenen Vließ, schon manchen Strauß in Ehren ausgefochten hat. Hier interessiert uns jedoch nur die Einstellung des populären gräflichen Jubilars zur Judenfrage und da muß gesagt werden, daß der streitbare Graf Adalbert Sternberg auch für die Juden stets unentwegt wirkte. Er ist in Wort und Schrift für sie eingetreten, hat sich neben Professor Masarj'k als einer der wenigen Nichtjuden des eben verstorbenen unschuldigen Opfers der Polnaer Ritualmordhetze Leopold H i 1 s n e r s angenommen, und vor allem im Jahre 1911 in den Wiener Sofiensälen einen Vortrag über den Antisemitismus gehalten, der eine vernichtende Kritik dieser Geistesseuche enthielt. Wir hatten Jüngst erst Gelegenheit, Einblick in die Abschrift eines aus diesem Anlasse entstandenen überschwänglichen und herzlichen Dankschreiben des „Vereines zur Abwehr des Antisemitismus" vom 29. Oktober 1911 zu bekommen. Einen gleich judenfreundlichen Standpunkt nimmt Graf Adalbert Sternberg, dem unsere Gratulation zu seinem Jubeltage gilt, auch in seinem letzterschienenen Buche „Päpste, Kaiser, Könige und Juden" ein. Es mag zugegeben werden, daß manches darin grotesk ist aber die Grundtendenz, die Herbeiführung eines konfessionellen Friedens zwischen Katholiken und Juden ist für die letzteren wohl von größter Wichtigkeit. Wir unterlassen hier eine eingehende Würdigung des Buches, die von berufener Seite in diesen Blättern bereits erfolgte, uud wollen nur eine der interessantesten Stellen nochmals anführen: Graf Sternberg geht bei seiner Verteidigung der Juden sogar so weit, daß er gerade als gläubiger Katholik sich mit Stolz daran erinnert, daß unter seinen Ahnen auch jene Fürstin Petrileone war, aus deren Familie die Großmutter Rudolf v. Habsburgs stammte und deren Ahne als Jude Lewy am jüdischen Friedhof von Rom begraben ist. ..Als ich einmal", sagt Sternberg in seinem Buch, „im Parlament, um den Stolz der Habsburger etwas abzukühlen, ausrief, ich hätte nur einen Tropfen Judenblut in meinen Adern, und zwar durch eine Habs— burgerin in meinem Stammbaum, erhob sich bei Hof allgemeine Entrüstung und man forschte darüber nach. Ich ging auch ins Hofarchiv. und fand diese Steilen, die darüber Auskunft hätten geben können, verklebt Aber zum Glück für mich fand ich einen Brief des Sohnes Rudolf v. Habsburg, Albrecht, an die Römer, einen Aufruf vor seiner Kaiserwahl, wo er sich auf seine Urgroßmutter, eine Römerin, Petrileone, beruft." o. h. Aus dem Zentralvorstand. Montag, den 9. d. M., fand unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Jakob O r n s t e i n eine Sitzung des Zentralvorstandes statt, die mit einer Gedächtnisrede des Präsidenten für den verstorbenen Oberrabbiner von Wien, Professor Dr. H. P. Chajes, eingeleitet wurde. Dr. Ornstein rühmte die große Wissenschaftlichkeit und schöne humanitäre Gesinnung des Dahingeschiedenen, hob seine Verdienste um den Palästinaaufbau hervor und schilderte in ehrender Weise das ersprießliche Wirken des verstorbenen Oberrabbiners, dem auch die „Union" bei aller Gegensätzlichkeit der jüdisch-politischen Ansichten die Anerkennung nie versagte. Dr. Ornstein machte ferner Mitteilung von dem plötzlichen Ableben des Bruders unseres Vorstandsmitgliedes Dr. Josef T i c h o, dem wegen des schweren Verlustes, der ihn und die Seinen durch diesen *" tragischen Tod getroffen, die herzlichste Kondolenz des Zentralvorstandes ausgesprochen wurde. Schließlich gedachte noch der Präsident des am gleichen Tage im Rothschildspitaie erfolgten Ablebens Leopold H i 1 s n e r s, für dessen Rechtfertigung die „Union", wie Dr. Ornstein mit interessanten historischen Reminiszenzen lebhaft ausführte, stets eingetreten ist. Der Bericht über die Tätigkeit der „Union" in den letzten Monaten wurde zur Kenntnis genommen, der Antrag des Kassiers M. Oesterreicher auf Festsetzung des Mitgliedsbeitrages pro 1928 mit S 10.— einstimmig angenommen. Es folgte eine Besprechung der nächsten Vereinsnktionen, als deren wichtigste eine große Versammlung mit prominenten Rednern beschlossen wurde. Die Sitzung fand ihren Abschluß mit einer lebhaften Debatte über inner jüdische Angelegenheiten, an der sich die meisten Herren beteiligten. gHMMKBIIHMHBBHflBflaMHBIIMHBQHHHHHN „UNION DEUTSCHÖSTERREICHISCHER JUDEN" " IX., Berggasse 4 Telephonnummer 19-2-77 — Postsparkassenkonto 9464. An nassere geehrten Nifglieder! Der Zentralvorstand der „Union deutschösterreichischer Juden" hat in seiner letzten Sitzung den Mitgliedsbeitrag für das Jahr 1928 mit 10 SCHILLING festgesetzt Wir hoffen, daß unsere Mitglieder die unermüdlichen Bestrebungen der „Union" um die STAATSBÜRGERLICHE GLEICHBERECHTIGUNG in diesen politisch und wirtschaftlich so schweren Zeiten in erhöhtem Maße fördern werden und ersuchen auch, uns auf dem untenstehenden Abschnitte Adressen zwecks Gewinnung neuer Mitglieder freundlichst bekanntgeben zu wollen. Wir bitten, den Mitgliedsbeitrag zur Ersparung der bedeutenden Inkassospesen tunlichst bald mittels der jetzt ausgesendeten Posterlagscheine zu übersenden: der Abschnitt des Erlagscheines dient als Bestätigung und Mitgliedskarte. Der Zentralvorstand der „Union deutschösterreichischer Juden". Bitte ausschneiden u. au das iiüro der „Union" (IM., Bergg. 4} einsenden! Ich empfehle, an folgende Adressen wegen Beitritt in die „Union" heranzutreten: (Name und Adresse) B B ■ m a a B b 9 a B