Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 2 (13.1.1928)
- Date
- 1928-01-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 iHiiiliiiiriiiiiiiiiiimwH^ aiich in der Sprache. Den Hauptbestandteil des Jiddischen bildet das bajuvarische Sprachelement; Plattdeutsch und slawisches Idiom wird auf der Wanderung von West nach Ost und umgekehrt dazugenommen. Schon 1514 war ein Werk in dieser Sprache vorhanden, zahlreiche stammen aus dem 16. Jahrhundert. Sie waren zumeist für Frauen geschrieben. Nach Mendelssohn setzte eine besonders reiche literarische Produktion durch die Haskala-Epoche ein. Lessing und Goethe wurden ins Jiddische übersetzt Als Klassiker desselben gilt Abraham«witsch, Scholem Alecheim, S„ Asch, Puritz. Sie schufen eine Volksliteratur, die im Leben wurzelt. Ihre Nachfolger traten bereits aus dem jüdischen Milieu heraus und haben sich ganz europäisiert. Außerdem hört das Jiddische auch dort, wo es für mehr als eine Million Menschen Umgangssprache geblieben, wie in Amerika, in der kommenden Generation auf, als solche gebraucht zu werden. Es wird durch das Englische verdrängt Die Hauptursache dafür ist außer der ökonomischen Not die bedauerliche Abnahme des religiösen Geistes, welcher das Fundament abgegeben hat So darf man wohl von einer Schicksalsfrage dieser Literatur sprechen, die gegenwärtig nur mehr künstlich bewahrt wird. Es ist ein Trost darin zu erblicken, daß diese Sprachform, durch eine höhere, das Hebräische, verdrängt und abgelöst wird, das eine so mächtige Renaissance zu feiern sich anschickt Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur fn Wien kam am Montag, den 2. Jänner, zur erfreulichen Abwechslung eine junge Dame, Fräulein Lizzi R o b i n s o h n, die Tochter des bekannten Röntgenologen Dr. Robinsohn, zum Worte, welche in höchst anziehender Weise in anmutigem Plauderton aus ihrer Erinnerung über eine im Frühjahr 1927 mit ihrem Vater unternommene Palästina-Reise allerlei interessante Dinge beschrieb. •Wohl haben sie die gleich beim Eintritt ins heilige Land überall neben den englischen und arabischen angebrachten hebräischen Inschriften überrascht, allein der erste Eindruck von der heiligen Stadt war insofern eine Enttäuschung, als er durchaus nicht so überwältigend war. als man ihn in frommer Phantasie sich vorzustellen pflegt. Ihre Schilderungen gaben -besonders von den extremen sozialen Schichten, den reichen und armen Juden und Arabern, von Frauen und Kindern'; recht anschauliche Bilder. Eingehend beschäftigten sie Bucharen, die Kolonie „Ganja" und „Nachlaß Binjamin" mit ihren ertragreichen Mandel- und Orangenbäumen sowie das 'frachtbare Emek. Besonders lebhafte Gestaltung wußte sie - der Schilderung eines Festes der Chassidim zu verleihen, mit seinen Reigentänzen und eine Nacht hindurch unterhaltenen mächtigen Feuerbränden, das in Merom am Grabe des Schimon ben Jochai abgehalten worden, und einem Opferfeste , der Samaritaner. Helle Begeisterung malte sich noch auf dem kameenartig feinen Ansitz der Vortragenden, als sie der . prachtvollen Lage der Universität und der vom Scopus sich ihr darbietenden Aussicht gedachte. Reicher Beifall lohnte die Vortragende sowie einen anderen Teilnehmer der Reise, Herrn Dr. Weiß aus Klosterneuburg, der einige instruktive Ergänzungen zu ihren Ausführungen hinzufügte. Sie klangen in einer wohlmotivierten Anerkennung der bisherigen Leistungen; der am Aufbau in Palästina Werktätigen und in eine günstige Prognose für ihre Arbeit aus. Med.-Rat Dr. H. H a a s e. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Montag. ■. den 16. d. M-, findet im Klubsaal der „Hakoah" (Wien I .Wipplrngerstraße 24—26, Caf6 Altes Rathaus) ein Vortrag des Herrn Medizinalrates Dr. Heiairich Haase, „Christentum und Judentum", statt Beginn halb acht Uhr abends. . Eintritt frei. Gäste willkommen! : ■ ' Konzert Sonntag, den 25. Dezember, fand im Konzertsaal des Hotel „Continental" ein Vokalsymphönischer Münster-Abend unter der Leitung des fljrrn Oberkantor Hermann G will mann und Mitwirkung eines großen Symphonieorchesters und eines gemischten russischen Chores , statt Für diese gelungene.Veranstaltung gilt das Wahrwort ..Wer wagt gewinnt", denn dieser erste Abend des begabten Dirigenten bewies sein ausgesprochenes Talent auch auf diesem Gebiete. Aus der Fülle des Programmes, das mit der Ouvertüre zu Oberqn wirkungsvoll eingeleitet wurde, ist besonders die VI. Symphonie (Pathetique) ^on T s c h a ikowsky hervorzuheben, deren Klangfülle wiederzugeben dem Orchestei unter Leitung seines temperamentv »hen Dirigenten ganz vorzüglich gelang. Von den sonstigen' Darbietungen ist die Bearbeitung Gwillmanns des melodiösen Symphoniestückes „W o 1 g a s c h i f f e r" zu nennen. Alles in allem ein gelungener Abend, auf den der junge Künstler sicher stolz sein darf. /Imtlicke Tirlaidtaruruyen citt/fixieliäs^^ Trauerandacht für den Herrn Oberrabbiner Prof. Dr. H. P. Chajes s. A. Ueber Veranlassung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Wien finden in folgenden Gemeinde- und Vereinssynagogen Samstag, den 14. Jänner 1928, um Vzl Uhr abends, Trauerandachten für den Herrn Oberrabbiner Prof. Dr. H. P. Chajes statt: Gemeindesynagpge. I., Seitenstettengasse 4. „ IL, Tempelgasse 5. Vereinssynagoge. II. Pazmanitengasse 6. III., Untere Viaduktgasse 13. V. , Siebenbrunnerigasse l a. VI. , Schmalzhofgasse 3. VIII., Neudeggergasse 12. IX. , Müllnergasse 21. X. , Humboldtgasse 27. XIII., Penzingerstraße 132. Gemeindesynagoge, XV., Turnergasse 22. XVI., Hubergasse 8. XVIIL, Schopenhauerstraße 39. Vereinssynagoge, XIX., Dollinergasse 3. XX., Kluckygasse 11. Gemeindesynagoge, XXL, Holzmeistergasse 12. Diese Trauerandachten wurden zur Vermeidung eine's übergroßen Andranges in allen Tempeln f ü r d i e g 1 e i c h e S t u n d e a n g e s e t z t, so daß den Gemeindemitgliedern Gelegenheit geboten, ist, nach Maßgabe der Raumverhältnisse in der ihrem Wohnsitze zunächst gelegenen Synagoge der Andacht beizuwohnen. Die Trauerreden werden von den zuständigen Herren Rabbinern gehalten. Im Gemeindetempel „Stadt", I., Seitenstettengasse 4, findet eine Trauerrede nicht statt, so daß sich die Feier auf den liturgischen Teil beschränkt. Der Einlaß in allen Gemeinde- und Vereinssynagogen kann nur nach Maßgabe des behördlich genehmigten Fassungsraumes erfolgen und wird sistiert, sobald dieser zur Gänze in Anspruch genommen wird. FERNSPRECH-NUM MER 45>l-9l MOBEJLFABJ^K SIGM. WIEK 2. BEZ., PRATERSTRASSE NR. 30 Beleb* Auswahl solid gearbeiteter Möbel zu billigsten Preisen PPENHEI