Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 2 (13.1.1928)
- Date
- 1928-01-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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ftlfe WAHRHEIT Äliiiinram^^ Seite n TümH und Literatur Julius Schwarz, Glimpses of Palestine. New York 1927. 66 White Street. Diese mit sehr gelungenen, meist vom Verfasser selbst aufgenommenen Ansichten aus Erez Israel ausgestatteten, vom Keren Kajemeth herausgegebeneu Skizzen verdanken wir einem Kaufmann, in dem sich mit einem für das Judentum warmfühlenden und opferwilligen Herzen ein kühl prüfender Verstand vereint. Um so überzeugender wirken der Enthusiasmus für das, was an positiver Arbeit für den Wiederaufbau in Palästina geleistet worden ist und wozu der Autor selbst einen rühmlichen Beitrag geleistet hat. Er beschönigt auch nicht gewisse Schattenseiten, die dem Besucher des heiligen Landes sich unangenehm darbieten, und übersieht nicht die Schwierigkeiten, die das große Unternehmen zu überwinden hat. Tief einprägsam lautet sein Schlußsatz, der sich wie eine brüderlich wohlgemeinte Mahnung an die gesamte Judenheit wendet: ..Nur eine ohne Rücksicht auf religiöse Divergenzen geeinte Judenhcit kann, mit größtmöglichster Anstrengung aus Palästina ein wirkliches jüdisches Zentrum machen." Dr. G r u n w a 1 d. M. A. Wiesen, Chochmo un4 Charifus, Wien 1927, Selbstverlag (IX., Porzellangasse 13). Die 150 Nummern dieser Sammlung von Momentaufnahmen aus dem Leben im Beth- Hamidrasch Galiziens und seiner Atmosphäre sind nicht alle an Inhalt gleichwertig, zum Teil auch schon allgemein bekannt. Hier ist aber ein jedes Stück an seinem rechten Platz: gilt es doch, diese Seite des jüdischen Volkslebens möglichst ausgiebig zu beleuchten. Manches, wie Nr. 210. wo der Lügner, der stets das Gegenteil der Wahrheit sagt, vor allen anderen Arten seiner Zunft bevorzugt wird, Nr. 223, „Dem Rebbens Lilke" u. a. überzeugen durch ihre zwingende Logik. Die meisten bieten Stoff zu harmloser Heiterkeit, doch fehlt es auch nicht an beißender Satire, besonders in der Kritik der Chassidim und der Rebbes. Auch Wiener Verhältnisse, so weit sie in diesen Rahmen gehören, werden gestreift. Im ganzen ist das Buch, abgesehen davon, daß es eine unterhaltende Lektüre bietet, ein beachtens- und dankenswerter Beitrag zur Psychologie der Ostjuden mit zahlreichen Proben spezifisch jüdischen Humors. L. Taubes, Talmudische Elemente im jüdischen Sprichwort, Wien 1927, Selbstverlag (IX., Liechtensteinstraße 60). Dieses Büchlein, das sich bescheiden nur als Nachweis der talrhudischen und midraschischen Quellen der Bernsteinschen Sammlung ostjüdischer Sprichwörter bezeichnet, bietet zunächst als solches mehr als man nach dieser Ankündigung erwarten darf. Es geht, zum Teil kritisch, auf diese Stellen im älteren jüdischen Schrifttum ein und gewinnt dadurch allein schon die Bedeutung einer an sich vollwertigen und selbständigen Leistung. Ganz besonders zu begrüßen ist am Schluß des Heftes eine Zusammenstellung von talmudischen Zitaten, die, mitunter vom überlieferten Text abweichend, zu geflügelten Worten geworden sind. Auch auf die gründliche und lehrreiche Einleitung ist mit Nachdruck hinzuweisen. Das neueste Heft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums enthält außer Besprechungen und Mitteilungen folgende wissenschaftliche Aufsätze: Rabbiner Dr. Dienemann (Offenbach), Judentum und Urchristentum im Spiegel der neuesten Literatur; Rabbiner Dr. Grunwald (Wien), Aus Böhmen; E. Baneth (Berlin), R. Sahlal Gaon: M. Markreich (Berlin), Die Juden in Bremen; E. Loevinson (Parma), Die Juden in Badia Palestine. , «Das neue Europa" (Zürich—Wien—Berlin). In den vierzehn Jahren ihres Bestehens hat diese von Dr. Paul Hohenau herausgegebene Revue sich durch unentwegtes Eintreten für Völkerversöhnung und Friedenskonsolidierung in der internationalen politischen Welt als ernstes und wertvolles Kampforgan bewährt und eine achtunggebietende Stellung errungen. Ihre Arbeit findet ersichtlich volles Verständnis in den führenden Kreisen der Politik und Wirtschaft beider Kontinente, weshalb wir aach> den bedeutendsten und einflußreichsten Wortführern dieser Bestrebungen in den Spalten der Revue immer häufiger begegnen. Das diesmalige ungemein reichhaltige Jännerheft enthält an erster Stelle unter dem vielsagenden Titel „Die europäische Einheit" Aeußerungen des bekannten Staatsmannes Henri de Jouvenel, der für den politischen Status quo Europas zugleich aber in entschiedenster Weise für eine konstruktive einheitliche europäische Wirtschaftspolitik eintritt. Ueber die Wirren in China und die Pflicht der Großmächte zur Nichteinmischung spricht der ehemalige Minister des Aeußern von Japan. Baron Shidahura. mit der Autorität des erfolgreichen Staatsmannes. Besonders interessant ist der Aufsatz „Quo vadimus?" vom bekannten englischen* Oberhausmitgliede Lord Sydenham o f Combe. aufklärend der Artikel von ,.D a r i u s", einem gründlichen und berühmten Kenner dieser Länder über die Bündnisse und Völkerbundtreue Persiens und die energische Abwehr bolschewistischer Propaganda in Teheran und Angora. Die Aussichten des Pazifismus beleuchtet Auffenbefg* Komarow in klarer und überzeugender Weise. Bedeutsam sind die Feststellungen von „Africanus" über „Englands Oberhoheit über den Suezkanal", gleichfalls jene Sir Henri Deterdings, des einflußgewaltigen Petroleummachthabers, über die „Besitzenteignung in der Sowjetunion": historisch interessant und aufklärend überdies sind auch die Artikel von Karl Friedrich Nowak und Gräfin Treuberg. Eine köstliche, bisher unbekannte historische Reminiszenz von Andrieux über „Gambettas Bündnisplan mit Deutschland" dürfte allgemein Aufmerksamkeit erregen. Auslieferung :- Wien IX., Türkenstraße 9. Ehrende Förderung eines jüdischen Wissenschaftlers. Der preußische Minister für Wissenschaft. Kunst und Volksbildung, im Einvernehmen mit dem Reichsminister für die besetzten Gebiete, hat dem Oberrabbiner von Trier, Doktor Adolf A11 m a n n, für seine „wissenschaftlichen Bestrebungen und Arbeiten zur Erforschung und Abfassung einer Geschichte der Juden in Stadt und Land Trier" als Beihilfe eine anerkennende Förderung angedeihen lassen. Oberrabbiner Doktor. A11 m a n n hat sich in der wissenschaftlichen Welt durch seine historischen und kulturhistorischen Arbeiten, besonders durch seine zweibändige „Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg" — die zu einer anerkannten Quellenschrift bester Art geworden ist — einen Namen gemacht. Eine umfassende, auf gründlicher archivalischer Forschung beruhende jüdische Geschichte des zu den ältesten Siedlungsstätten der Juden in Deutschland gehörenden Trierer Gebietes aus der Feder Dr. Altmanns wird gewiß allseits sehr begrüßt werden. Vorträge. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielten am Montag, den 19. Dezember, die beiden Präsidenten Dr. Krauß und Dr. Rosen mann dem leider so früh verewigten Ehrenpräsidenten des Vereines. Oberrabbiner Dr. Chajes, ebenso warm empfundene, wie die Verdienste des Heimgegangenen würdigende Nachrufe, welche auf die Versammlung tiefen Eindruck machten. Hernach behandelte Herr Dr. Sigismund Finkeistein unter dem Titel: „Schicksalsfrage der jiddischen L i t e r a t u r", die Entstehung, Entwicklung und den gegenwärtigen Stand derselben, welch letzterer in seiner Krisenhaftigkeit besonders eingehend besprochen wurde. Man hat für die einzigartige Erscheinung, daß ein Stamm in der Zerstreuung die Sprache seiner Umgebung durch Abspaltung und Vereinigung mit der seinigen zu einem eigenen Dialekt umformt, den er zur Umgangssprache benützt, sowohl die Rasse wie die wirtschaftlichen Verhältnisse zur Erklärung herangezogen, und es werden wohl beide Momente dabei mitgewirkt haben. Schon im Griechischen, im Altertum wie im Arabischen, im Mittelalter, in Spanien ist eine solche Diälektbildung zu verzeichnen, wie sie später das Jiddische darstellt Mach Matthias Mieses (Geschichte der jüdischen Dialekte) kommt der Religion ein Hauptanteil als ursächliches Moment zu. So dominiert das Eigenleben der Juden eben JAC. MAYER EUene naOaMell Kleideru. Gummimantel-Fabrik Export nach allen Ländern Zentrale: Vflen II., GlOCkengaSSe 24 Tel. 48-4-79 rar Kultuebeanrte und Vereinstunktfon&re sogen Legitimation W„ NachleB