Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 2 (13.1.1928)
- Date
- 1928-01-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 WHiiWlK^ ^fc WAHftHEI] Polnaer Verbrechen von mehreren verübt und Hilsner wegen tätiger Mithilfe an demselben verurteilt worden. Zwischen Geschworenenverdikt und Kassationseatscheidung klaffte ein unlösbarer Widerspruch, der durch die bloße Begnadigung nicht zu beseitigen war. Wenige Tage vor der Begnadigung, am 19. März 1918, hat daher noch unter Führung des bewährten jüdischen Abgeordneten Dr. Julius 0 f n e r eine Deputation der „Union", bestehend aus dem damaligen Vizepräsidenten und nunmehrigen Präsidenten Dr. Jakob 0 niste in und dem Sekretär Siegfried Fleischer, in besonderer Audienz beim Justizminister Dr. v. Schauer vorgesprochen und überreichte demselben eine von Dr. Omer verfaßte Jängere Eingabe, in welcher wie in der ganzen Aktion, die wir 20 Jahre lang führten, neuerlich das Verlangen nach Wiederaufnahme des Prozesses gestellt wurde. Kurz nach dieser Audienz hat sich die Kerkertür für Leopold Hilsner, wohl nur auf Grund des Gnadengesuches, das wir im Namen seiner Mutter bei. Kaiser Karl einreichten, der damals gerade eine allgemeine Amnestie erlassen hatte, geöffnet. Das weiter gesteckte Ziel haben wir also nicht erreicht, nur die Gnade, nicht aber die Gerechtigkeit durfte Triumphe feiern. Es ist ein Irrtum, zu glauben, daß an der Wiederaufnahme des Hilsner-Prozesses nur die Juden interessiert waren. Auch die Christen, soweit sie nicht in geistiger Knechtschaft verstrickt, mußten alles daransetzen, um zu verhindern, daß politische Agitationen und Leidenschaften in den Gerichtssaal getragen werden und die Justiz zur Handlangerin der Machtarisprüche einzelner Parteien gemacht werde Männer wie der jetzige Präsident der tschec ho slowakischen Republik Professor Dr. Thomas Masaryk haben uns deshalb mit Einsetzung ihrer ganzen Persönlichkeit unterstützt. Heute mag sich nach den traurigen Erfahrungen der letzten politischen Prozesse die Erkenntnis von der Notwendigkeit einer wirklich unparteiischen Justiz vielleicht einigermaßen durchgerungen haben, der Pohiaer Prozeß mit seiner schändlichen Blutfceschuldigung wird aber für alle Zeit ein trauriges Fanal bilden. Oskar Hirschfeld. WetbdMciuxMtmfuvTk Wahckrit! Wahrheitm vcmJage Protest der Alliance Israelite gegen Rumänien. Die Leitung der „Alliance Israelite Universelle" hat an den rumänischen Gesandten in Paris, Herrn D i a m a n d y, das folgende Schreiben gerichtet: „Herr Gesandter! In unserem Ihnen am 3. Februar v. J. gesandten Schreiben gaben wir Ihnen Kenntnis von der lebhaften Besorgnis, die im gesamten Judentum . mit Bezug auf die Lage der Juden in Rumänien besteht, und ersuchten Sie, der Regierung ihres Landes wirksame Maßnahmen zur Beendigung der beklagenswerten Situation zu empfehlen. Unsere Befürchtungen haben sich als nur zu begründet herausgestellt. Da seitens der staatlichen Behörden nicht mit der erforderlichen Energie entgegengetreten wurde, ist es dazugekommen, daß aus Anlaß des Studentenkongresses in Großwardein grauenvolle Akte der Mißhandlung, Plünderung, Zerstörung und Schändung religiöser Eiririchtungen sowie Zerstörung von Synagogen sich ereignet haben. Der Regierung mußte der wahre Charakter dieses Studentenkongresses bekannt gewesen sein. Da man wußte, welche Personen an ihm teilnehmen, konnte man daraus schließen, daß er in an ti jüdische Exzesse ausarten werde. Herr Cuza hatte übrigens kein Hehl daraus gemacht, daß die Teilnehmersich an den Juden„räche n" werden. Schon während - der Eisenbahnfahrt wurden die jüdischen Mitreisenden mißhandelt und gefoltert, worüber dem zuständigen Minister Kenntnis gegeben worden ist. Trotzdem wurden keinerlei vorbeugende' Maßnahmen ergriffen. Die passive Haltung der Behörden war dazu angetan, die Elemente der Unruhe zu ermutigen. So mußte es zu den tief beklagenswerten Ereignissen in Großwardein, Klausenburg, Jassy und in mehreren anderen Städten kommen. Soweit wir informiert sind, waren die Juden überall schutzlos; nichts wurde unternommen, um dem Wüten der losgelassenen Jugend Einhalt zu gebieten. Aus allen Teilen der Welt, wo Juden wohnen, kommen Rufe des Entsetzens und der Anklage; wir haben die Pflicht, Dolmetscher dieser anklagenden Stimmen zu sein. Die Regierung hat versichert, daß sie selbst solche Akte der Barbarei verdammt. Was uns aber beunruhigt, ist, daß die Regierung keine Vorbeugungsmaßnahmen getroffen hat. Wir erlauben uns, die Besorgnisse der Judenheit in allen Ländern aufs neue ihrer Regierung zu übermitteln. Die rumänischen Juden müssen die Sicherheit erlangen, daß ihr Leben und ihr Eigentum unter den Schutz und die Verantwortung der Regierung und der Behörden ihr,es Landes gestellt sind." Einem Gerücht zufolge soll der Bischof Zadrawetz, dessen Tun und Lassen in dem Frankfälschungsprozeß in so grelles Licht gerückt worden war, zum Erzbischof ernannt werden. In mformierten Kreisen meint man, es handle sich da um ein Mißverständnis, und das Gerücht sei von einem — Erzlügner ausgesprengt worden. Bitte hier abzutrennen und an dl« Geschäftsstelle der .Union deutschösterreichischer Juden", Wien IX., Bcrpgasse Nr. 4, einsenden. •*m 8 3 & ■3 O) oj -a ~Z 3 S s O je e ° Ä «o s ü ü üi J- T3 £ 3 C < ä X Hiermit erkläre ich meinen Beitritt zur „Union deutschösterreichischer Juden" mit einem Jahresbeitrag von Schilling (Mindestbeitrag S 10.^-) <v <ß -a bC und zeichne für den Vortragsfonds ffi Schilling Name: Stand- Genaue Adresse: