Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 2 (13.1.1928)
- Date
- 1928-01-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Jttnuiiu>oiwuiHumiM^ HOTEL „NATION AL" m Restaurant Wien II., Taborstraße 18 S?.,eÄ£3 1BO Zentrale Lage, 200 Zimmer, fließendes kaltes und warmes Wasser u. Zentralheizung. In allen Zimmern Telephon Unter*de£bewährten~ Leitung des bestbekannten Restaurateurs S. Grüner. VorzUgl. wiener, ungarischeu. orientalische (rumänische) Küche. Wienerbräu u. Pilsner Urquell. idealer, vorbildlicher deutscher Jüngling gefeiert wurde, bereitet seinen Freunden noch immer schwere Sorgen. Es handelt sich um die Existenz dieses, vom Parteistandpunkt aus betrachtet, sehr wertvoller) Menschen. Die Kollekte, zu der, wie man sich erinnert, Herr Dr. Walter Riehl zugunsten seines Klienten, während er noch in Untersuchungshaft saß, in flammenden Worten aufgefordert, scheint nicht das Ergebnis gehabt zu haben, das eines Jünglings würdig war, der — fünf Kugeln bewiesen es — für seihe Ideale auch das Opfer eines Lebens nicht scheute. Die Sammlung sollte nicht, wie mancher vielleicht nach der Lektüre der Rothstock verhimmelnden Artikel vermutete, für die Errichtung seines Monumentes dienen. Selbst die hämischesten Nörgler glaubten nicht einen Moment daran, daß aus den einlaufenden Spenden etwa das Honorar für den Verteidiger bestritten werden sollte, dem auch der politische Gegner nicht das ehrende Zeugnis ver weigern dürfte, daß er sich ebenso hingebungsvoll wie selbstlos für Rothstock einsetzte. Es geht wirklich nur um die Herbeischaffung von Mitteln, um dem jungen Menschen, der aus seiner zahntcchnischtu Karriere hinausgeschleudert worden war, den Kampf ums Dasein zu erleichtern. Von Idealismus allein --. das hat Herr Rothstock wie auch der arme Bettauer erfahren — kann man nicht leben. Man muß daran denken, für Herrn Otto Rothstock, der davor bewahrt wurde, lebenslänglich in stiller Zurückge?ogenfaert auf Staatskosten erhalten zu werden, irgendeinen Lebenslauf zu suchen. Aber welchen? * * * Zurück zur Zahntechnik? Das schien sich nicht als recht aussichtsreich zu empfehlen. Viele Leute sind so zimperlich und hätten vielleicht Scheu davor gehabt, die Hand des Herrn Rothstock im Munde zu fühlen. Von einem Mandat für das Parlament, das einzige Metier, für das kein Befähigungsnachweis gefordert wird, konnte aus verschiedenen Gründen keine Rede sein. Die Ernennung Rothstocks zum Schriftleiter irgendeines hakenkreuzlerischen Blättchens, das von mörderischen Angriffen auf das Judentum sein Dasein fristet, wäre keine schlechte Idee gewesen, wenn die Rücksicht auf die Konkurrenz nicht vielleicht dagegen gesprochen hätte. Da mag schließlich ein Rothstock nahe stehender Kopf den rettenden Einfall gehabt haben, dem jungen Menschen die militärische Karriere zu empfehlen. Mit Schießwaffen versteht Rothstock gut umzugehen, - .das hat er schon bewiesen. Auch den sonstigen, in den gewöhnlichen Formularen gestellten Bedingungen zur Aufnahme in das Bundesheer entspricht er «loch formell auch ganz vorzuglich. Rothstock hätte . sofort schwarz auf weiß den Beweis erbringen können, daß er gegenwärtig vollsinnig ist, sonst wäre er ja nicht aus dem Irrenhaus enltassen worden. Und was seine moralische Integrität anbelangt, so ist diese wieder überzeugend durch den gerichtlichen Freispruch dokumentiert, dessen er sich zu erfreuen hatte. Man sieht, es hat nicht viel gefehlt und der Mann, der so gewandt den ihm zwischen Kerker und Irrenhaus drohenden Gefahren entschlüpfte, hätte die Aufnahme in den Armeeverbaud erreicht und hätte sich dann fleißig im Schießen üben können. * * * Wie man sich doch irren kann! Nachdem die hervorragendsten deutschen Gelehrten (deren arische Abstammung selbst von hakenkreuzlerischen Schnüfflern von Beruf nicht in Zweifel gezogen, wurde) öffentlich bekundeten, die „Protokolle der Weisen von Zion" seien das Produkt eines plumpen Fälschers, konnte man feststellen, daß die führenden Antisemitenblätter, einer Regung begreiflichen Schamgefühles folgend, allmählich die Hinweise auf dieses Schandwerk sistierten. Naive Gemüter fingen bereits an, sich der Illusion hinzugeben, daß schließlich überhaupt kein Trottel denkbar sein würde, der, ohne daß man ihm eine Pistole an die Brust setzt, freiwillig seinen Glauben an dieses geistige Exkrement verkünden werde. Die in Wien erscheinende „Deutsche Arbeiterpresse" belehrt uns eines anderen. Sie versichert, daß „es noch immer Leute gebe, welche die Echtheit dieser Protokolle bezweifeln". Um diese Leute zu bekehren, beleuchtet das Blatt einige Punkte der „Protokolle" in einer Weise, die nur einen Psychiater ernsthaft interessieren könnte. Den erbittertsten Griesgram aber dürfte es heiter stimmen, wenn er hört, wie die „Deutsche Arbeiterpresse" es beweist, daß der Punkt 4 im Protokolle XVI, der es als eines der jüdischen Ziele bezeichnet, „aus dem Gedächtnis der Menschheit alle historischen Begebenheiten, die den Juden unbequem sind, auszulöschen", in der „jüdischen" Presse seine Unterstützung findet. Die „Deutsche Arbeiterpresse" erklärt: „Darum auch verhöhnt das ,Neue Wiener Journal' kürzlich in einem Artikel »Umgestaltung der Anker-Uhr' die historischen Figuren und; die klassischen Tonstücke, macht diese lächerlich und schlägt andere, moderne Figuren, wie B r e i t n e r, S e. v e r und Eldersch mit Gassenhauern vor." Also die „Deutsche Arbeiterpresse" glaubt wirklich, daß das „Neue Wiener Journal", das zü den leidenschaftlichsten Bekämpf ern der Breitner, Sever und Eldersch zählt, auf diese Weise „Judas Ziele" fördert] Ist das nicht herzerfreuend lustig? " ' ' ' ';Ego;