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Die Wahrheit · 1928-01-13 · Heft 2 (13.1.1928) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 2 (13.1.1928)
Date
1928-01-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT üinfujmnmnn Seite b ujid/ teilte! zur aufrichtigsten Freude aller Anwesenden mit, daß König Alexander I. dem Oberrabbiner und dem Präsidenten der Kultusgemeinde den Heiligen Sava-Ordeh IV. Klasse verliehen hatte und ihn mit der Uebergabe betraute. Zum Schlüsse hielten die Vertreter der auswärtigen Kultusgemeinden und Chewras ihre Begrüßungsansprachen, wobei jene der verdienstvollen Präsidenten der Großgemeinde Zagreb, sowie die der Delegierten der Kultusgemeinden Vukovar, Beograd und Cakovec besonders beifällig aufgenommen wurden. Die Funktionen des Landesrabbiners waren im wahren Sinne des Wortes ein „Kiddusch Haschern", was Schreiber dieser Zeilen, mit herzlichster Genungtuung empfand, da er die Gründung eines Rabbinerverbandes seinerzeit vornehmlich aus dem Grunde für wünschenswert erachtete, um dadurch die Institution des Landesrabbinats ins Leben zu rufen. Jetzt bezeugen Tatsachen den gewaltigen moralischen Vorteil, den das Landesrabbinat unserer Gemeinschaft brachte. Es war schon 2 Uhr nachmittags, als sich die auswärtigen Deputationen mit den Spitzen der Kultusgemeinde in das schöne Heim des Oberrabbiners begaben, wo erstere während der Dauer ihres Aufenthaltes Gäste der generösen Gemeinde waren. Die ganz besondere Liebenswürdigkeit der Oberräbbinerin als Hausfrau sorgte dafür, daß sich die zahlreichen Gäste immer vorzüglich fühlten. Nach einem Bankett begaben sich die Gäste zur Einweihungsfeier des neuerbauten Cidduk-Hadin-Hauses. Ein seltenes Jubiläum bot in Vukovar den vielen Freunden und Verehrern des allgemein geschätzten Stadtphysikus i. R. Dr. Albert G o 111 i e b Anlaß, um dem auf dem Gebiete der ärzlichen Tätigkeit sehr verdienten Manne, der vor 60 Jahren an der berühmten Wiener Fakultät sein Diplom erhielt, ihre innigsten Glückwünsche auszudrücken. Möge sich der stets hilfsbereite Greis noch viele Jahre einer ungetrübten körperlichen und geistigen Frische erfreuen! Am 25. Dezember 1927 fand in Beograd die Generalversammlung des Gemeindeverbandes unter Vorsitz des bekannten Präsidenten der dortigen Aschkenazine- Gemeinde Dr. Friedrich Pops statt. Als Gäste erschienen der Ünterrichtsminister, der Vizebürgermeister der Stadt und ein Sektionschef des Kultusministeriums. Die wichtigste Aufgabe der neuen Leitung wäre die Erwirkung einer halbwegs günstigen Erledigung der akuten Staatsbürgerfrage, welche für viele Hunderte von Glaubensbrüdern eine Lebensfrage bildet. Dadurch könnte der Verband die Notwendigkeit seiner Qründung und seines beträchtliche materielle Opfer erheischenden Bestandes rechtfertigen. Das dritte, 216 Seiten umfassende Jahrbuch des Rabbinerverbandes enthält außer dem vom Landesrabbiner redigierten kalendarischen Teil folgende Aufsätze: Dr. I. Alkalay, Beograd: „Archivalisches über die Juden Serbiens"; Dr. L. Schick, Zagreb: „Ueber die Familie Schick": . Dr. S. Guttmann, Sombor: „Der erste jüdische Kulturverein": Dr. H. Urbach, Zemun: „Die Stellung der jüdischen Frau": Dr. M. Niedermann, Veliki Beckerek: „Die alten Bibelübersetzungen"; Dr. L. Fischer, Vrsac: „Die jüdische Diaspora": Dr. H. Schulsinger, Dukovo: „Der Aberglaube im Juden- " turn"; I. L. Deutsch, Ludlereg: „Ernst und Scherz in den biblischen Erzählungen"; A. KiSitzky, Osijek: „Eine Nacht unter dem Bette" (gelungene Humoreske); Dr. I. Diamant, . Vukovar: „Viktor Baum" (der wohltätige Ehrenpräsident der Kultusgemeinde); U. Schwartz, Osijek: „Beiträge zur Geschichte der Kultusgemeinde Osijek-Oberstadt". Hierauf folgt eine — schreibe und klage — 46 Seiten umfassende, nicht systematische Bücherschau. Den Schluß bildet eine große statistische Tabelle über die Kultusgemeinden. Mit Rücksicht auf die horrenden Druckkosten, deren Herbeischaffung nicht geringe Schwierigkeiten bildet, müssen wir nachdrücklichst betonen, daß das bekannte Sprichwort „allzuviel ist ungesund",- auch bei diesem Almanach zum Wahrwort wurde.. Viele Tausende Dinars hätten dem Verein erspart werden können und das Verdienst des Herausgebers Dr. L. Fische r, " Vrsac, wäre entschieden ein größeres. Mit inniger Freude berichten wir noch über die gediegene Dissertation des eifrigen, idealistisch gesinnten Dr. Uri Rothmüller, Zagreb. Seine „Masoretische Eigentümlichkeiten der Schrift, ihre Bedeutung und Behandlung im ' -talmudischen Schriftbau" ist ein sprechender Beweis dafür, daß der junge- Verfasser seine Berliner Studienjahre ganz und voll ausgenützt hat und mit Ernst und Hingabe seinen Studien oblag. Überzeugungstreue. Laut und vernehmlich erhebt das Zionistische Landeskom i tee für Oesterreich seine „Stimme". So heißt nämlich das neue offizielle Blatt des zionistischen Landeskomitees, das Donnerstag, den 5. d. M„ sein wöchentliches Erscheinen begonnen hat. Wir können einleitend bei aller Gegensätzlichkeit der Anschauungen doch der Ansicht Ausdruck geben, daß, nach dieser ersten Nummer zu schließen, die neue Zeitung, gemessen z. B. an der Strickerschen „Neuen Welt", von einer wohltuenden Mäßigung geleitet ist, und wollen nur die Hoffnung aussprechen, daß es bei dieser Richtung bleiben wird. Denn abgesehen von einem deplacierten Angriff gegen die „Agudas J is roe 1" enthält diese erste Nummer nichts, was den Gegner besonders verletzen könnte, im Gegenteil, es wird anscheinend versucht, ihm so weit als möglich Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. So wird bei Besprechung der Frage des Kultuswahlrechtes von der Majorität des Kultus Vorstandes gesagt, daß sie bei Ablehnung des zionistischen Antrages auf Ausdehnung des Wahlrechtes „nach ihrer U e b e r zeugung" gestimmt habe, eine aufrichtige Feststellung, die wir bisher im gegnerischen Lager vermißt haben. Wenn dieser Feststellung der Ueberzeugungstreue des Gegners auch noch ihre Respektierung folgen würde, so könnte dies zu einer Befriedung des innerjüdischen Parteikampfes führen, deren das österreichische Judentum in den jetzigen, überaus kritischen Zeiten sicherlich dringend bedarf. Weniger beitragen zu einer solchen Beruhigung kann eine Verschleierung der Gegensätze, die nun einmal bestehen. In diesem Sinne können wir es nicht für richtig finden, wenn die neue Zeitung in ihrem „Geleitworte" stolz behauptet, „nicht bloßes Parte i b 1 a 11" sein zu wollen, obwohl im vorausgehendem Sarze gesagt wird, daß „das zionistische Landeskomitee für Oesterreich in diesem Blatte sein offizielles Organ sieht". Ja, ist denn das Landeskomitee keine Partei? Der nächste Satz verneint diese Frage. „Der Zionismus ist nicht Partei-, sondern Volksbewegung." Abgesehen davon, daß Weidas große Ganze (Zionismus) für den kleinen Teil (zionistisches Landeskomitee für Oesterreich) substituiert wird, stimmt auch in dieser allgemeinen Weise die angeführte Behauptung nicht. Denn der heurige politische Zionismus ist innerhalb des jüdischen Volkes, das die zionistische Ideologie bei weitem nicht zur Gänze teilt, nur eine Partei, zumal er sich gewöhnlich mit dem jüdischen Nationalismus paart, den weite Kreise des Judentums entschieder» ablehnen. Dies trifft auch in Oesterreich zu und hier ist die zionistische Organisation bestimmt als Parteiorganisation anzusehen. Müssen wir diesbezüglich an die vergangenen Wahlen erinnern, bei denen die Zionisten selbständig als „Jüdische Partei" auftraten, nachdem der Versuch der Kandidierung als „Jüdische Liste" fehlgeschlagen? Nein, es genügt, auf eine Stelle auf der zweiten Seite der gleichen Nummer der „Stimme" zu verweisen, wo es bei Kritisierung des Austrittes von Stricker und Dr. Plaschkes aus dem Kultusvorstande heißt,

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