Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 1 (6.1.1928)
- Date
- 1928-01-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 MiiiUiMHMi^ bringen und auf diese Weise ihr jüdisches Bewußtsein erwecken und stärken. Zugleich will sie aber auch alie anderen Interessengebiete der jungen Menschen pflegen, also Naturwissenschaften, Technik, Jugendbewegung, Sport und Spiel. Die vorliegende erste Nummer soll von diesem Streben ein Zeugnis ablegen. Der Text wird durch zahlreiche Illustrationen belebt; die Ausstattung ist gut und geschmackvoll. Es steht zu hoffen, daß die umfangreiche und interessante Zeitschrift von der Jugend wie auch von allen jüdischen Eltern und Erziehern mit Freude begrüßt werden wird. Man abonniert die Zeitschrift bei der Post oder direkt beim Verlag B. Heller. München, Herzog Max-Straße 4. (Preis RM. 1.20 vierteljährlich.) Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Familienforschung (Berlin. Potsd. Str. 5). Heft 11 (1927. Nov.). Diese hochinteressante Veröffentlichung enthält u. a. Dr. L. Schärf (Rom), Jüdischer Adel in Italien, Univ.-Prof. Kisch (Köln). Ueber Nachkommen des hohen Rabbi Low, Rabb. Dr. Max Grunwald (Wien). Familienurkunden und Stammtafelfragmente zur Geschichte der Familien Arnstein-Eskeles-Daniel Itzig, E. Wolff (Berlin), Vom Wesen des Familienarchivs, Dr. A. Posner (Kiel), Kieler Juden 1841, u. a. wertvolle Beiträge. Templer B. Die Entstehungsgeschichte des Opferkultus im Mosaismus, Wien 1926, Hartleben. Wenn auch, wie der Verfasser selbst eingesteht, die Form seiner Polemik etwas derb ausgefallen ist, so erscheint sie doch angesichts der Taktik der von ihm kritisierten Bibelkritiker nicht unangemessen. Es ist fast unglaublich, daß man gefeierten Größen der alttestam. Wissenschaft so auf die Finger klopfen muß. Aber auch Güdeinann und besonders Scheftelowitz werden scharf mitgenommen, letzterem ein Plagiat .zur Last gelegt, was ihn um so schmerzlicher von einem unserer Rabbiner berühren wird, als er diesen einmal den Vorwurf machte, daß sie nicht wissenschaftlich arbeiten. Es ist sehr angebracht, einmal so unverblümte Wahrheit auszusprechen, wie T. es hieT tut. „Der Jude", Jüdischer Verlag. Berlin, im Kriege von Martin B u b e r gegründet, war die Zeitschrift „Der Jude" jahrelang ein Zeichen dafür, daß aus aller Kriegsnot und Umwertung der Werte ein von der jüdischen Renaissance-Bewegung erwecktes Interesse an dem Leben der alten Volksgemeinschaft in all ihren Teilen entstanden war. Und es ist als ein Zeichen des gegenwärtigen Niederganges zu werten, in dem sich weite Schichten des Judentums befinden — und gerade die. von denen das Gegenteil zu erwarten gewesen wäre —, daß diese Zeitschrift ihr Erscheinen einstellen mußte. Dennoch hat der Verlag den Versuch unternommen, brennende Problemkreise in Sonderheften zu behandeln. Es liegen uns drei solcher Hefte vor. die über „Judentum und Deutschtum", „Antisemitismus und jüdisches Volkstum", sowie über „Erziehung" handeln. Ein Stab hervorragender jüdischer und nichtjüdischer Mitarbeiter hat zu den Problemen Stellung genommen. So finden wir im erstgenannten Heft den Soziologen Sulzbach, den Philosophen Theodor Lessing, die Abgeordnete Katharina von Oheimb, den Priester Max Herzog von Sachsen, Freiherrn von Schönaich sich mit der Judenfrage und dem Zionismus befassen, aus dem zweiten Heft sind die Namen Zweig, Stehr, Flake. Schmitz, Michel, Paquet, Wassermann, Leon Blum, Bernard Shaw, Emil Ludwig u. a. bekannte Vertreter der modernen Literatur anzuführen. Das dritte Heft bleibt seinem Wesen nach einem Kreis erster jüdischer Fachleute vorbehalten, die sich mit der so brennenden Problematik der jüdischen Erziehung befassen. Wir behalten uns vor, auf die einzelnen Hefte gelegentlich zurückzukommen, möchten aber die Anschaffung der Hefte unseren Lesern dringend ans Herz legen. Es ist Pflicht des jüdischen Lesers, den opfermutigen Verleger zu unterstützen, diese vornehme jüdische Tribüne wenigstens in der gegenwärtigen Form zu halten. Dr. K. G. VonWockazu UDochc Kultusvorsteher Direktor S.' Epler. Nach langem, schwären Leiden ist am 1. d. M. in einem hiesigen Sanatorium der Direktor der Zentral-Europäischen Länderbank, Herr Sigmund Epler, knapp vor Vollendung seines 69. Lebensjahres gestorben. Der Verblichene war Chei der Koks- und Kohlensektion der Länderbank und hat in Fachkreisen als erfahrener Fachmann gegolten. Durch seine hervorragenden Charaktereigenschaften und durch die große Liebenswürdigkeit seines Wesens hatte er sich eine große Reihe von Freunden erworben. Direktor Epler war zehn Jahre lang Mitglied der zionistischen Fraktion des Kultusvorstandes. Um den Dahingegangenen trauern seine Gattin, vier Söhne und eine Tochter, die mit dem bekannten deutschen Industriellen G o t h a u verheiratet ist. Dienstag, den 3. Jänner, wurde Kultusvorsteher Direktor Sigmund Epler zu Grabe getragen. Das große Ansehen, das der Verstorbene wegen seiner hervorragenden Eigenschaften genoß, kam durch die außerordentlich große Beteiligung beim Leichenbegängnisse zum Ausdrucke. Die große Zeremonienhalle (I. Tor) konnte die unübersehbare Zahl der Trauergäste kaum fassen. Unter den Trauergästen bemerkte man den Gesamtvorstand der israelitischen Kultusgemeinde mit Präsident Prof. Dr. A. Pick unijj den Vizepräsidenten Dr. J. 0 r n s t e i n und Dr. J. Löwenherz an der Spitze, die Amtsdirektoren Reg.-Rat Dr. E. Adler und Reg.-Rat Guido Fuchsgelb, Amtsleiter W. Freistadt, Mitglieder des Bethausvorstandes, die Vorstandsmitglieder der Chewra Kadischa unter Führung des Präsidenten Doktor W. P a p p e n h e i m, die Vorstandsmitglieder des zionistischen Landeskomitees mit Präsident Dr. Goldhammer, Vorstandsmitglieder und Mitglieder der B. B.-Logen, eine große Anzahl Delegierter jüdischer Wohlfahrtsanstalten, die Beamtenschaft der Zentral-Europäischen Länderbank unter Führung der Direktoren u. v. a. — Rabbiner Dr. D. Feuchtwang hob in seiner Rede, die alle Anwesenden zu Tränen rührte, hervor, daß der Hingeschiedene als leuchtendes Beispiel gottgefälligen Lebenswandels gelten könne. Mit beredten Worten schilderte er die Verdienste des Verewigten, -rühmte seine Selbstlosigkeit und Opferwilligkeit, die er als Mensch, als Jude und vor allem als Familienvater bekundete. Sodann sprach Prof. Dr. A. Pick namens der Kultusgemeinde dem Verewigten Worte des Dankes für dessen ersprießliche Tätigkeit im Kultusvorstande und Chewra Kadischa und versicherte, daß das Andenken an diesen so verdienstvollen Mann niemals verlöschen wird. Namens der zionistischen Landesorganisation, deren verdienstvolles Leitungsmitglied der Verstorbene war, sprach Präsident Dr. Gold ha mm er in tiefer Ergriffenheit und schilderte die großen und unvergänglichen Leistungen Direktor Eplers, namentlich als geschäftsführender Präsident der österreichischen Sektion des Keren Hajessod. Wahrhaft rührend sprach Direktor V. B e r g 1 e r im Namen der Direktion und der Beamtenschaft dieir Zentral- Europäischen Länderbank Worte des Abschiedes und des Dankes, Dr. Röder nahm für die Loge „Freundschaft", denen unermüdlich treibende Kraft Direktor Epler war, tiefbewegt Abschied von dem Verblichenen. Die Bahre wurde hierauf von den Familienmitgliedern zur letzten Ruhestätte betragen, wohin sich der endlose Zug bewegte. — Die kpntorale Funktion versah Oberkantor Heinrich Fischer mit großer Assistenz in würdiger Weise. |H| g g LFA B R I K FERNSPRECH-NUM MER 45-1-91 "■"■"^S!^ Oppenheim WIEN, 2. 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