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Die Wahrheit · 1928-01-06 · Heft 1 (6.1.1928) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 1 (6.1.1928)
Date
1928-01-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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DIE WAHRHEIT iiiiiljiiiiiiiiiiiiiiiiiiiüiiiiiiiiiiiiiiiiiin Seite 11 strafen zu erwarten . . . Gleichzeitig fand in einer östlichen Stadt Europas ein anderer Kongreß statt, und zwar in aller Öffentlichkeit. Die Polizei war schon lange vor seinem Beginn in aller Form verständigt worden. Trotzdem zeigte sie nicht die Macht, vielleicht auch gar nicht den Willen, den Teilnehmern dieses Kongresses Hindernisse in den Weg zu legen, als sie sich anschickten, Geschäfte und Privatwohnungen zu p 1 ü n d e r n, deren Inhaber aufs entsetzlichste zu mißhandeln und schließlich sogar Gotteshäuser zu schänden. Sie konnten diese Taten auch noch auf der Heimreise vom Kongreß in mehreren Orten Wiederhofen. Die Behörden gaben an, daß sie überrascht worden seien, und da es sich um lauter längst vorauszusehende Ereignisse handelte, muß man annehmen, angenehm überrascht . . . Du schüttelst dein weises Haupt, geneigter Leser? Geduld, du wirst sofort alles begreifen! Der streng wissenschaftliche Kongreß in der westlichen Stadt wurde ausgehoben, weil er von Einbrechern zur Vervollkommnung ihres Gewerbes abgehalten worden war. Der andere Kongreß in der östlichen Stadt aber, bei dem es so wüst zuging, erfreute sich solcher Duldung, weil er eine Veranstaltung der studierenden Jugend, der Hoffnung des Staates und der menschlichen Gesellschaft war. / Dr. Hugo S p i e g 1 e r. Warnungszeichen oder — Reklame? Das völkische Judenprogramm, das im Verlaufe der noch immer im Gang befindlichen Untersuchung des Hitler-Putsches ans Licht der Oeffentlichkeit gezogen wurde, enthielt die Anordnung, daß alle Juden, die irgendwie im Dienste der Allgemeinheit stehen, durch den Davidstern gekennzeichnet sein müssen! Da die Ritter vom Hakenkreuz aber nicht in den Besitz der Macht gelangt sind, ihre „Belange" mit Gewalt durchzusetzen, versuchen sie es jetzt mit der Kraft „ideeller1' durchzuheizen, versuchen sie es jetzt mit der Kraft „ideeller" Argumente. So verteilten sie vor Weihnachten Flugblätter, die zum Boykott jüdischer Geschäfte auffordern. Nun ist es gewiü nicht möglich, im einzelnen nachzuprüfen, ob und wie weit der oder jener jüdische Unternehmer durch diese Propaganda geschädigt wurde. Dagegen liegt ein sehr vielsagendes Zeugnis dafür vor, wie sich das deutsche Volk im allgemeinen zu der Boykotthetze gegen die Juden stellt. Im Arensdorf er Prozeß wurde durch Zeugenaussagen erhärtet, daß sich eine ganze Reihe von Völkischen lieber aus dem ihnen sonst sehr sympathischen „Wehrwolf"-Bund ausschließen ließen, als einen Revers zu unterfertigen, mit dem sie sich hätten verpflichten sollen, niemals jüdische Rechtsanwälte zu konsultieren ... Es ist kaum anzunehmen, daß die jüdischen Acrztc weniger Vertrauen genießen als die jüdischen Rechtsanwälte, und die Analogie läßt sich wohl auf alle Berufsgattungen ausdehnen; es ist daher sehr zu befürchten, daß der Davidstern, wenn er wirklich durch Gesetzeskraft den jüdischen Gewerbetreibenden — das Wort „Gewerbe" im weitesten Sinn gedacht — aufgezwungen würde, alsbald die Wirkung einer Schutzmarke besonders beliebter Fabrikate erhielte. Ob dann nicht die christlichen Konkurrenten im eigenen Interesse auf die Wiederabschaffung dieses Kennzeichens dringen müßten, ist die Frage, respektive keine Frage, denn sie werden sich doch nicht so sehr ins eigene Fleisch schneiden wollen. Tümtf und Literatur KomposUions-Abend von Heinrich Schalk. Die Bergische Loge von Elberfeld und Barmen (Deutschland) veranstaltete am 13. Dezember unter Mitwirkung des Kölner Oberkantors Hermann Fleischm a n n einen Kompositions-Abend, der ausschließlich von Werken des Münchener Tondichters Heinrich Schal it bestritten wurde. Heinrich Schalit selbst saß am Flügel und bewältigte mit souveräner Meisterschaft den instrumentalen Teil des in jeder Beziehung interessanten Abends. Ueber die Kunst Schaues zu spiechen, dürfte den Rahmen eines einfachen Konzertberichtes bei weitem überschreiten. Sein Schaffen steht bereits auf sehr bemerkenswerter Höhe und rechtfertigt den küt.stierischen Ruf, den er schon genießt. Schalit ist augenblicklich Organist an der Hauptsynagoge in München; er ist aber auch ein feinsinniger Pianist in solistischer wie in begleitender Weise. Als geborener Wiener hatte er in seiner Jugend reichlich Gelegenheit, mit dem ostjüdtschen Idiom in Berührung zu kommen, während seine große Musikalität ihn damals schon befähigte, die in jener Geistesrichtung aufgespeicherten Schätze zu erkennen und, sie musikalisch selbsterlebenid, sich zu eigen zu machen. Seine Gesänge atmen vielfach diese Atmosphäre; das Gewand aber, in dem sie sich präsentieren, lassen den Meister im Lichte der vornehmsten Kultur erscheinen. Von seinen Kiavierwerken spielte er ein „Choralvorspiel für Klavier" von großer Innigkeit und von überzeugender Gewalt und seine ..Bilder sus dem Marionettentheater" waren Kabinettstücke von kompositorischer Begabung. Die ..Seelenlieder" und auch die „Jüdischen Volkslieder vnd Gesänge" sind so schön, daß sie bereits von den größten Sängern mit Liebe gesungen werden. Die Texte sind speziiisch jüdischen Inhalts, zum Teil Nachdichtungen aus dem Hebräischen von Emil Bernhard- C o h n. Einen adäquaten Gesangsinterpreten der herrlichen Lieder und Gesänge fand Schalit in dem ausgezeichneten Kölner Oberkantor Hermann Fleischmann. Sein weicher, in allen Lagert gesanglichen Könnens gleichmäßig vornehm klingender Bariton durchflutete wohltuend die weiten Räume des Konzertsaales. Er hat bewiesen, daß man ostjüdische Lieder und Gesänge auch mit westeuropäischer Kultur in charakteristischer Weise vortragen kann. Mit dieser Veranstaltung hat sich die Bergische Loge unstreitig ein großes Verdienst erworben, das in dem überaus zahlreichen Besuch des Konzertabends zum Ausdruck kam. Das Publikum nahm die gebotenen Kunstgenüsse dankbar entgegen und quittierte sie wiederholt mit großem Beifall. Von den „Jüdischen Volksliedern" mußte das „Wiegenlied" wiederholt werden. H. Z. ...Das Zelt", Zeitschrift für die jüdische Jugend. Jänner 1928, l. Heft. Verlag B. Heller, München. Herausgegeben von Dr. Alfred Heller und Dr. Jakob Seide unter Mitwirkung von Oberlehrer Simon D i n g f e 1 d e r und Studien-;at Adolf S c Ii a a 1 m a n. Die neue Zeitschrift will durch lebendige Ueberrnittlung jüdischer Kenntnisse das Jüdische in den Interesstnkreis der heranwachsenden Generation hinein- Danksagung. Anläßlich des 50jährigen Jubiläums des Tempels und der Chewra-Kadischa in Floridsdorf sind an den gefertigten Bethaus- und Chewra-Kadischa Vorstand zahlreiche Gratulationsschreiben und Glückwunschtelegramme von Kultusgemeinden, Vereinen, Korporationen, einzelnen Persönlichkeiten usw. von Nah und Fern gelangt. Außerstande, jedem einzelnen hiefür den Dank abzustatten, ersucht der gefertigte Bethaus- und Chewra-Kadischa- Vorstand auf diesem Wege den besten Dank entgegennehmen zu wollen. Der Bethaus- und Chcwra- Kadischa-Vorstand Wien XXI., Floridsdorf Xonkurs m Die isr. Kultusgemeinde in Sombor {Jugoslawien), \ benötigt einen Kantor. Selber muß guter Vorbeter, Sdiochet Ubodek und guter Kove sein. Nicht über 40 Jahre alt. \ Gehalt 3000 Dinar monatlich, 1 \, Sechita, freie Wohnung' \ und die üblichen Nebeneinkommen. Reflektanten mögen \ ihre Offerte spätestens bis 20. d M. an den Vorstand der i obgenannten Gemeinde einsenden. Reisespesen werden nur \ den zur Probe Berufenen vergütet. \ Sombor, 2. Jänner 1928. Samuel Török Sekretär Andor Wämoscher Präses

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