Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 1 (6.1.1928)
- Date
- 1928-01-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064248-3064249--15956-3088679- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE WAHRHEIT iijsöiinpiliilM Stift* 3 wies auf den Umstand hin, daß nicht nur bei Mittellosigkeit Gratisbeerdigungen vorgenommen werden, sondern daß auch Friedhofsamt und Präsidium überall dort, wo es berechtigt erscheint, weitestgehendes Entgegenkommen betätigen. Die Anträge des Referenten und das Provisorium wurden für die Dauer von sechs Wochen unverändert angenommen, in der Zwischenzeit wird das Vertreterkollegium über die endgültige Fixierung des Abgaben-, Taxen- und Qebührentarifes beraten. Ein weiterer Vorschlag des Referenten, für Konfirmationen beim Hauptgottesdienste eine zugunsten der „Jugendfürsorge" zu vereinbarende Taxe bis zu S 100.— einzugeben, wurde auf Antrag des Vorstehers Dr. Josef T i c h o zurückgezogen. * * * Kaum ist der Streitfall betreffend die Wahl der neuen zionistischen Leitung erledigt, bietet sich schon wieder ein zweiter im Lager der Wiener Zionisten. Angesichts der ablehnenden Haltung der Kultusmehrheit gegenüber dem vom Ingenieur Stricker eingebrachten Antrag auf Aenderung des bestehenden Wahlrechtes hatte dieser eine Sitzung aller zionistischen Kultusmandatare und der zionistischen Parteileitung einberufen. Stricker stellie den Antrag, die bestehende Koalition mit der Mehrheit zu lösen, in die Opposition zu gehen und anläßlich der Budgetberatungen die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. Dieser Antrag wurde von der Mehrheit des Klubs und der Parteileitung a bgelehnt. Darauf erklärten Oberbaurat Stricker und Dr. Plaschkes ihre Demission aus dem Wiener Kultusvorstande. Ingenieur Stricker hat die zionistische Organisation dort durch fünfzehn Jahre vertreten, Dr. Plaschkes durch neun Jahre. An nächster Stelle in der zionistischen Ersatzliste stehen Professor Moses Rath und Dr. Sanel Beer, welchen die freigewordenen Mandate zufallen. Wie sehr Fraktionsstreitigkeiten überhaupt die österreichische zionistische Landesorganisation beherrschen, geht auch aus folgendem hervor: Ab heute erscheint in Wien wieder ein offizielles zionistisches Wochenblatt unter dem Titel „Die Stimme", dessen Bestand durch die Garantie einiger Gesinnungsgenossen auf ein Jahr gesichert sein soll. Stricker aber verfügt bekanntlich seit dem Eingehen der „Morgenzeitung" über das von ihm begründete radikal-nationale Privatorgan „Die Neue ' W e 1t". Wir sind nun neugierig, wie sich der sonst so angriffslustige Herr Oberbaurat Stricker zu dem neuen jüdischnationalen Konkurrenzblatte stellen wird? Man sieht, unsere Zionisten liegen sich, statt brüderlich in den Armen, mehr kriegerisch in den Haaren. gg—BMBg- < - ■■LagtS-ÜW1- ■«■■'. ■■L'^ffi'BmgMLH1 'llPBmWWWWWBgBaMPBBMiaMMMMMl schreibe um einen Paß zu „unserem", heißt zum Konsui. Antwortet er mir: „Sie. Panie Herschel, werden gebeten zu beweisen, daß Sie erstens — geboren sind, zweitens — wo, drittens — wann, und viertens — weshalb und warum! Dieselbe Sache wieder. Ich schreibe also nach Kapazk, wo ich geboren bin, und bitte, mir einen Geburtsschein zu schicken. Antwortet man mir: „Sie, wohlgeboren HerscheJ, sind hier nicht geboren und auch nicht gemeldet — verdreht euch euren Kopf alleine und laßt uns — heißt mich, die Stadt — zufrieden ---Neue Sorgen. Gewalt — ich bin doch geboren! Das heißt — wenn ich lebe, muß ich doch geboren sein! Schreibe also wieder nach Kapazk, zum Rabbiner, also: „Ich. Herschel, weiß, daß Du, geehrter Herr Rabbiner, es auch weißt, daß ich vor sechzig Jahren in Kapazk zur Welt gekommen bin — also bitte ich sehr---." Und so weiter. Also antwortet mir darauf der Rabbiner: „Du, Herschel, bist, wie du schreibst, vor sechzig Jahren in Kapazk geboren, woran ich mich nach so viel Jahren nicht mehr erinnern kann, da keinerlei Eintragung bei mir vorliegt — deshalb und deswegen also---." Ihr versteht, junger Mann? Bitter — sehr bitter. Heißt es: geboren und doch nicht geboren — weil meine Eltern, ruhen mögen sie in Frieden — mich nicht eintragen ließen. Vergessen — einfach vergessen, wie einen bösen Traum. Gehe ich also zur Polizei und sage: „Sie werden es mir nicht glauben, Herr Polizeiminister — ich bin gar nicht geboren ---." „Wie?!" fragt jener. „Ja!" sage ich. „Ich bin - fragen Sie selber an gar nicht geborein---." „Wie? Halten Sie mich zum Narren?" Vergilbte Dokumente. Der Geographieproiessor als Historiker. I. Mit den ..Quelienwerken", die dem Kampl &*egen die Juden eine solide Stütze geben sollen, Uaben die Antisemiten nun einmal kein Qlück. Früher war es üblich, sich von irgendwelchen Dunkelmännern, am liebsten von getauften Jusden* Pamphlete mit den nötigen „Belegen" liefern zu lassen. Jetzt macht man es anders! Die alten Schmöker aus dem vorigen Jahrhundert werden ans Licht gezogen, sie sollen das authentisch« Material über den jüdischen Geheimbund und über jüdische Verderbtheit bringen. Aber Verleumdungen sind kein \\ ein, der durcn lange Lagerung besser wird. Mit den „Protokollen der Weisen von Zion" haben die Antisemiten ein völliges Fiasko erlitten; jeder Gebildete weiß heute, daß sie ein erbärmliches Machwerk sind. — Jetzt wird das alte „Buch vom Kanal" des Renegaten Brafrnann ins Treffen geführt. iL In Nr. 38 dieser Zeitung hat Benjamin Segel das Notwendige über die Entstehung des Brafmannschen Buches gesagt. — Brafrnann denunziert in dieser 1869 auf Kosten der russischen Regierung gedruckten Schrift seine ehemaligen Glaubensgenossen bei der zaristischen Regierun«. Die Haltlosigkeit der Schrift ist längst klar dargetan worden. Was zunächst interessiert, ist die eben im Hammer- Verlag erschienene deutsche Ausgabe*). Der vorliegende erste Bland ist von Dr. S. Passarge, o.ö. Professor der Geographie an der Universität Haniburg, herausgegeben. Passarge hat keine Mühe ge- *) Jakob Brafrnann: „Das Buch vom Kanal", I. Band; „Materialen zur Erforschung der jüdischen Sitten". Herausgegeben von Dr. Siegfried Passarge, o. ö. Professor d«r Geographie an der Universität Mamburg. Leipzig 1927. „Nein", sage ich. „Gott bewahre — warum soll ich Sie zum Narren halten? Sie sind — unberufen — auf mir gesagt — ein kluger Kopf, ein eiserner Kopf. Aber hier, bitte, lesen Sie selber, was meine Stadt Kapazk heißt sie, schreibt-- „Ei", schreit jener. „Was soll ich mit dem Brief machen, er ist doch polnisch geschrieben: lesen Sie ihn vor---." „Aaaaa", sage ich, „Herr Polizeiminister, Ich kann doen nicht — wahrhaftig nicht---." „So?u sagt jener. „Lassen Sie mich in Ruhe. Entweder Paß oder — Leine! Verstanden?!" „Nein", sag ich. „Ich versteh nicht. Wie kann ich einen Paß bekommen, wenn ich keinen Geburtsschein habe — und wie kann ich einen Geburtsschein bekommen, wenn ich nicht, heißt es, geboren bin. Das heißt, geboren bin ich schon - aber ich kann es nicht beweisen, — nicht für euch gesagt, Herr Polizeiminister. Aber was, frage ich Sie, kann ich machen? Sie müssen es doch, heißt es, wissen---!" Sagt jener: „Genug, Mann! Lassen Sie mich zufrieden! Ihnen kann nicht geholfen werden---!" Nun, junger Mann, was sagt ihr dazu? Mir kann nicht geholfen werden, auf deutsch gesagt! Es ist doch rein meschugge zu werden, nicht auf euch gesagt. Geht und beschafft den Leuten einen Paß! Stellt euch auf den Kopi — erwürgt euch, ober beschafft einen Paß! Wie kann ich einen Paß besorgen, wenn ich, junger Mann, ihr wißt doch---. Also, bitte ich euch, tut mir den Gefallen und schreibt das alles in die Zeitungen, — vielleicht erbarmt sich meiner Jemand und borgt mir einen Paß, oder weist mär einen Weg zur Rettung. Gewalt — man kann doch einen Juden nicht umkommen lassen?!! Mir muß doch zu helfen sein---?!"