Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 46 (11.11.1927)
- Date
- 1927-11-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064299-3064343--15840-3088665- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE WAHRHEIT Seite 7 sichert mich, seine Tochter Fromet sei ebenso schön als tugendhaft. Was meinen Sie? Wer kann das einem ehrlichen Manne auf sein Wort glauben? Der gute Herr Abraham Guggenheim muß doch wissen, daß die Philosophen auch gern was Schönes haben. Doch das mag er mir verzeihen. Ich kenne seine Fromet besser als er. Sie ist schön, aber so schön nicht, als sie tugendhaft ist,' so schön nicht, als sie zärtlich ist. Ich beneide Sie, liebste Fromet, um die glückliche Art, wie Sie Ihre sanfte Liebe auszudrücken wissen. Ihre kleinsten Briefe sind voller Zärtlichkeit, voller Empfindungen. Die Sprache des Herzens ist Ihre natürliche Sprache und Ihre edlen Gesinnungen vertreten die Stelle des frostigen Witzes, wodurch andere ihre Briefe so häßlich entstellen. Fahren Sie fort, liebste und zärtlichste Fromet, mich mit. Ihren liebenswürdigen Briefen zu vergnügen; ich merke, daß es mir fast unmöglich wird, einen Posttag nicht zu schreiben oder einen , Posttag ohne Ihren Brief vergnügt zu sein — und was ist der - Mensch, wenn er nicht vergnügt ist? Nein, so lange wir uns getrennt sehen müssen, wollen wir uns so oft als möglich Gelegenheit geben, an einander zu denken. Es macht kein geringes Vergnügen, wenn ich denken kann: jetzt liest Fromet meine Briefe und jetzt schreibt Fromet an mich, jetzt ist sie verdrießlich, daß sie gestört wird, und jetzt freut sie sich, daß ihr ein Ausdruck gelungen. Sie lachen, mein Herr Doktor! Nun ja, ich gestehe es. Habe ich denn nicht jederzeit gestrebt, Ihnen nachzuahmen? ... In inniger Liebe Ihr Moses Dessau. Ein Brief Fromets beginnt: „Lieber Mosche, der Anfang ist Geld wert. Du wirst Dich gewiß freuen, mit dem heutigen Brief, denn die meisten Deiner besten Freunde werden Dir heute schreiben. Dein Brief von Braunschweig hat mich recht amüsiert, aber Deine mündliche Unterredung wird mir noch angenehmer sein. Ich fange schon an die Stunden zu zählen; bis Mittwoch bin ich immer ein wenig unruhig und fürchte, daß Dir der Prinz nicht erlauben wird, abzureisen. Noch bin ich dem Prinzen sehr gut über die Elogen, die Du, mein lieber Mosche, mir von ihm machst, aber er muß Dich keine Stunde länger aufhalten. Nun will ich Deinen Freunden Platz machen." Ein Brie! Gabriel Riessers. An Frau Pauline Riesser in Bockenheim. Hambur g, den 13. Mai 1848. Meine theure Pauline! Vor wenigen Stunden komme ich von einer mit dem glänzendsten Erfolge gekrönten Reise zurück, indem ich gestern von den Wahlmännern des Herzogthums Lauenburg in Ratzenburg bei der ersten Abstimmung mit 64 gegen 31 Stimmen zum Abgeordneten ernannt worden bin. Die Gegenstimmen drückten den ganzen vereinten Einfluß des hohen Beamtenthums, des Adels und der fast durchweg pietistischen Geistlichkeit aus, für mich war ein freisinniges, aufgeklärtes Bürgerthum, das durch wackere, kluge und energische Männer vertreten war. In einem Lande, das noch eine ganz mittelalterliche Verfassung hat und bis vor Kurzem von Beamten, Adel und Pfaffen beherrscht schien, ist der Erfolg ein überaus erfreulicher. Näheres mündlich. — Deinen lieben Brief habe ich hier vorgefunden. Für das, was Du für meine Wahl getan hast, kann ich Dir nur herzlich danken, kann Dir aber dabei nicht verhehlen, daß es mehr ist, als ich zugegeben haben würde, wenn ich davon gewußt hätte. Doch bin ich überzeugt, daß die Anmuth und Angemessenheit der Ausführung das Bedenkliche der Schritte selbst gehoben haben wird, und bin Dir, wie gesagt, innigst dankbar. Der Erfolg ist jetzt gleichgültig. — Ich reise Montag oder Dienstag von hier ab und hoffe Mittwoch Abend in Frankfurt zu sein. — Tausend Küsse an die Kinder! Des nahen Wiedersehens freut sich von ganzer Seele Dein treuer Bruder Gabriel Riesser. Aus den Briefen von Adelheid Zunz, der Gattin von Dr. Leop. Zunz. Berlin, 19. Mai 1840. Adelheid Zunz an A. Asher, London. Heute, mein werter Herr, muß ich Ihnen mit deutschen Worten sagen, daß ich den Sinn Ihrer so schönen englischen ohne zu dechiffrieren verstanden habe. Oben auf liegen zwar triftige Gründe, als 1. mein Nichtantworten, (welches ich augenblicklich widerlege), 2. meines Mannes zorniger Blick; eben ruft er mich, an Sie zu schreiben; und 3. der Ihrer lieben Frau. Der letzte aber ist gewiß nicht anzuerkennen, da Mdme. Asher zu sicher in der Liebe ihres Mannes ruht, als daß ein Briefchen von ihm, an ihre Freundin gerichtet, sie unwillig machen könnte. Kurz, mein vereintester Herr, it seems to me you like not keep your promis. Indes ich gebe Sie nicht frei, sollte Ihnen auch meine Antwort die Ohren zerreißen, und erwarte einen langen englischen Brief. Sie werden sich daher in Tätigkeit setzen; alle Wörterbücher sind dann zu wenig, woraus ich hervorsuchen werde, wie ich Ihnen am richtigsten sage, daß ich bin Ihre Sie achtende Freundin Adelheid Zunz. (Fortsetzung folgt.) Glossen. Die Verleihung des Nobel-Preises an Wagner- Jauregg hat die Erinnerung an den genialen Doktor Baranyi geweckt, der vor vielen Jahren in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Bedeutung zwar mit dem Nobel-Preis ausgezeichnet wurde, aber, da er an seinem angestammten Glauben festhielt, in Oesterreich zu keiner Professur gelangen konnte. Der Fall Baranyi bot aber natürlich auch wieder einen Beweis für die jüdische — Vordringlichkeit, die bekanntlich ebenso feststehend ist wie die Tatsache, daß die Juden nicht imstande sind, Hervorragendes auf dem Gebiete der Wissenschaft zu leisten. * * * Anläßlich der Feier des 100. Geburtstages Lagardes wird dem Gelehrten in der völkischen Presse nachgerühmt, „es sei eine der mutigsten Taten Lagardes, das Evangelium vom Alten Testament gelöst zu haben, als etwas Selbständiges, Neues, Besonderes." Kein Zweifel, es gehörte wirklich Mut, vielleicht könnte man es auch-anders nennen, auch nur den Versuch zu dieser Tat zu wagen. Aber wie hätte es einem deutschen Professor gelingen können, das zu vollbringen, was der Stifter des Christentums nicht nur nicht versucht, sondern wogegen er auf das Entschiedenste protestiert hat? * * * Herr Fritsch beruft sich für seine tolle Rassentheorie mit Vorliebe auf zwei geborene Juden, auf Otto Weininger und Arthur Trebitsch. Er kann die geistige Bedeutung dieser beiden nicht genug verherrlichen und er schwelgt völlig in Wonne, wenn er biographische Details aus dem Leben dieser von Judenhaß erfüllten Rassenfanatiker aufzählend, von ihrer Genialität spricht. Nur eine Kleinigkeit ignoriert er bei beiden. Er schweigt davon, daß Arthur Trebitsch als Wahnsinniger geendet hat. Unbefangene Leser seiner Schriften waren übrigens längst schon überzeugt, daß der Geist des Unglücklichen auch schon zu Beginn seiner rassenfanatischen Schriften von den Schatten des Irrsinns verdunkelt gewesen. Otto Weininger, von dem seine intimsten Kenner schreiben, daß ihn die Furcht vor dem Wahnsinn zum Selbstmord getrieben, ist der zweite Gewährsmann Fritschs. Er kennt jede Zeile JAC. MAYER Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Zentrale: Wien II., GlOCkeitgaSSe 34 Tel. 48-4-79 ■Pr KultiMbeamtn und Vereinsfunktionäre gegen Legitimation 10V» Nachlas