Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 45 (4.11.1927)
- Date
- 1927-11-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT ninaniiiM Seite 13 einer anderen Version die „Kulturwissenschaftliche Gesellschaft" selbst) sich unter dem Druck der terroristischen Studenten veranlaßt sah, den Vortrag Dr. Stolpers abzusagen. Man muß sich wirklich fragen, ob nicht endlich doch irgend ein Mittel ausfindig gemacht werden kann, um den lausbübischen Quertreibereien der Hakenkreuzstudenten an der Wiener Universität ein Ende zu bereiten und die Universität wieder dazu zu machen, was sie eigentlich sein soll: eine Stätte für Wissenschaft und Forschung. Radaupolitik ist dort in den letzten Jahren wahrlich schon genug getrieben worden, und im heurigen Studienjahre waren es wieder die völkischen Studenten, die damit begannen. Das wird man sich merken müssen, wenn sie es ableugnen werden. Fritschens Klage. Es handelt sich um keine Gerichtstage des Leipziger Altmeisters der völkischen Bewegung, der mit derartigen Dingen schon oft, gewöhnlich zu seinem Schaden zu tun hatte, sondern um eine Totenklage, und zwar um seinen verstorbenen jüdischen Freund Arthur Trebitsch, mit dem ihn manche (nicht nur ideelle) Bande verknüpften- Deshalb widmet er ihm folgenden kuriosen Nachruf: „Trebitsch hat nie ein Hehl daraus gemacht, von jüdischen Eltern zu stammen (Kunststück!); er fühlte jedcch seine Geistesart deutsch eingestellt und glaubte, dem deutschen Volke wichtige Dienste leisten zu können. Sein jüdisches Blut erschloß ihm tiefe Einsichten in das jüdische Wesen, tiefere als sie der Durchschnitts-Deutsche besitzt: und so glaubte er, breiteren Schichten ein volles Verständnis für die jüdschen Machenschaften enthüllen zu müssen. £s ist ihm wenig gedankt worden. Das im allgemeinen gewiß berechtigte Mißtrauen gegen Juden- Abkömmlinge lähmte seine Absicht: die völkische Leserwelt lehnte seine Bücher ab. Es ist müßig, darüber zu streiten, ob sie recht daran tat. Ich persönlich habe die Ueberzeugung, daß es Trebitsch um seine Bemühungen heiliger Ernst war. Wenn ein Mann jüdischer Herkunft in einem umfänglichen Buche wie der „Arischen Wirtschafts-Ordnung'' die Grundverschiedenheit des arischen und des semitischen Denkens nachweist und alle wertvollen Schöpfungen der menschlichen Kultur dem arischen Genius zuschreibt, während dem listigen Judengeist nur die Gabe des klugen Rechnens, Ausnützens und Erraffens zuerkannt wird, so weiß ich nicht, was in einer solchen Dar- 4 Stellung Unehrliches und Verfängliches liegen soll, oder wie derjenige, der solches lehrt, hinterhältige Absichten damit verfolgen kann. Trebitsch hat seine ganze nicht gewöhnliche dichterische, philosophische und psychologische Begabung, seine Tatkraft, kurz seine ganze Persönlichkeit in den Dienst der Bekämpfung des verhängnisvollen jüdischen Einflusses gestellt, hat in Wort und Schrift selbstlos und unermüdlich dafür gewirkt und unter der Erfolglosigkeit der völkischen Arbeit aufs schwerste gelitten. Er sah diese Erfolglosigkeit zum Teil darin begründet, daß sich in die völkischen Reihen „Abkommandierte" aus dem jüdischen Lager eingeschlichen hätten, welche die v/irklichen Völkischen unschädlich zu machen suchen. (Und was war dann Trebitsch selbst?) Es konnte nicht ausbleiben, daß er auch die Erfolglosigkeit seiner eigenen Bemühungen allzu ausschließlich auf die Gegenwirkung dieser Abkommandierten zurückführte und je länger je mehr von Argwohn und Mißtrauen erfüllt wurde, auch gegen Männer, die es nicht verdienten. So darf sein Geschick ein tragisches genannt werden. Es ist offenbar ein schweres Verhängnis, zwischen zwei feindlichen Rassen mitten hinein geboren (!) zu sein, dabei den Haß der einen auf sich zu ziehen und die Liebe der anderen nicht erringen zu können. Das übergroße Mißtrauen der völkischen Kreise schien mir unbegründet. Ich vermag nicht zu erkennen, warum es die völkische Bewegung verschmähen sollte, — wie sie es doch auch im Falle Weininger (natürlich!) getan — Aufschlüsse über jüdisches Wesen auch von jemand entgegen zu nehmen, der vermöge seiner Herkunft besondere Einblicke in die jüdische Seelentechnik besaß." Wir beneiden Herrn Fritsch um die durch Trebitsch gewonnenen „Einblicke in die jüdische Seelentechnik", denn wir selbst wissen leider nicht, wie es um eine solche „Seelen t e c h n i k" bestellt ist. ^■atBBBBHIQBKaBilHSsbBEiaBailBOBBBBBBHIBBBBBII& B f€lGidQrlCf''6€iii ZaMbar innerhalb eines ■ MHMHHHHHMH JahrCS. Jj Sämtliche Herren- und Damenkleider ■ Nur Qualitätsware.' nach Maß sowie fertig lagernd. 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Im Anschluß an den Aufruf des Deutschen Rabbinerverbandes zur Heiligung der hohen Festtage meldeten wir in unserer letzten Nummer die erfreuliche Tatsache, daß in Wiesbaden, nachdem der dortige Rabbiner Dr. Lazarus mit den Inhabern der größeren jüdischen Geschäfte persönlich Rücksprache genommen hatte, am ersten Tage Rausch haschonoh zum erstenmal nach vielen, vielen Jahren sämtliche jüdischen Geschäfte geschlossen hatten. Hierzu wird aus Aachen geschrieben: Schon im vergangenen Jahre hatten infolge persönlicher Anregung des Herrn Rabbiner Doktor Schönberger bereits 15 Geschäfte an den Hohen Feiertagen geschlossen. In diesem Jahre stellte sich die Jugend auf Wunsch des Rabbiners in den Dienst der Sache. Es zirkulierten Listen mit dem Aufruf des Rabbinerverbandes mit dem Erfolge, daß diesmal 24 Geschäfte geschlossen hielten. Der Mädchen- und Frauen-Verein „Krankenbesuch" Bikur Chaulim, I., Seitenstettengasse 4, veranstaltete Sonntag, den SO. Oktober d. J., aus Anlaß des 25jährigen Bestehens des Vereines im neu renovierten Festsaale des Hotel Continental eine Festakademie. Eingeleitet wurde die Veranstaltung mit einer sehr eirttärucksvollen Rede d&r verdienstvollen Präsidentin Frau Irma Rosenberg, in der sie die zahlreichen Besucher mit den edlen und humanitären Bestrebungen des Vereines vertraut machte Sodann brachte Altmeister Theodor Weiß vom Deutschen Volkstheater einen Prolog, betiteit „Bikur Chaulim", mit großem Erfolge zum Vortrage. Es folgten nun reichhaltige und gediegene Darbietungen von prominenten Künstlern, die alle großen Beifall fanden. Den Clou der Veranstaltung bildeten die meisterhaften Gesangsvorträge des Herrn Überkantors S. P o s t o 1 o w, begleitet von Frl. Betti Lew in, Tochter des Oberkantors Artur L e w i n, und übte speziell das MesuseHed zündende Wirkung. Lainzer Versorgungshaus. Jüdische Pfleglinge dieser Anstalt bitten uns um Aufnahme folgender Zeilen: Dank der regen Tätigkeit des israelitischen Fürsorgekomitees, an dessen Spitze Herr Vorsteher Karl Alt mann und unser sehr geehrter Herr Kantor Kriegsmann stehen, ist uns Sonntag, den 16. d. M., ein in jeder Beziehung genußreicher Nachmittag geboten worden. Wir hatten die große Ehre, die ehrwürdigen Herren Oberrabbiner Dr. H. P. C h a j e s, , Rabbiner Dr. J. B a c h und Rabbiner Dr. I. T a g 1 i c h t sowie eine große Anzahl Damen vom israelitischen Frauenverein Fünfhaus in unserer Mitte zu begrüßen. Auch die Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Dr. Jakob O r n s t e i n und Herr Dr. I. L ö w e n h e r z sowie Herr Sekretär Alfred Meißner beehrten uns mit ihrer Anwesenheit. Nachdem uns die Fünfhauser Damen eine ausgezeichnete Jause verabreicht hatten, hielten einige Damen schöne Klaviervorträge. Herr Oberkantor G. Margulies erfreute uns durch seinen ausgezeichneten Gesang und Fräulein Grete Bach durch die wunderschönen Deklama- .tinmvm Bollinger-Eiskasten sind seit 1870 di« beste« Fabrik: Wien XV., Staglgasse Nr. 10, Telephon B 38-4-19 Filiale: VII., Burggasse Nr. 17, Telephon B 32-3-80