Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 45 (4.11.1927)
- Date
- 1927-11-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064299-3064342--15827-3088651- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DIE WAHRHEIT Seite 11 achtung des Dekorums das Prestige des Bezirkes nach außen zu wahren. Von ihm gilt das Wort der Weisen: „Wer ist geehrt? Wer die Mitmenschen ehrt." Eine Fülle nicht alltäglicher Ehrungen sind ihm von den maßgebenden Körperschaften und Persönlichkeiten zuteilgeworden und erst jüngst wurde unter den gezählten Porträts der um unseren Kultusbezirk besonders verdienten Männer in seiner Gegenwart auch sein Bild enthüllt und angebracht. Es sei hier auch mit Genugtuung vermerkt, daß Gabriel Dukes vom Tase an, da er die Obmannstelle übernahm, bis zur Stunde darauf bedacht ist, daß in rituellen und religiösen Angelegenheiten der Autorität des Rabbiners Rechnung getragen und dtm Verkünder der Thora Wertschätzung und Förderung seiner Bestrebungen zuteil werden. 1907 konnte ich die Abhaltung von Sidra- und Midrasch vortragen am Sabbatvormittag - einführen. Da der Freitagabend des Erwerbslebens wegen nicht viele Gemeindemitglieder ins Gotteshaus führte, wurde von mir am Sabbatvormittag zwischen Schacharis und Mussaf der Vortrag über den Wochenabschnitt, verbunden mit Midrascherklärungen, eingeschoben. Eine Einrichtung, die vollen Anklang gefunden hatte und bis zur Stunde sich bewährt. — 1908 gelang es mir unter Mitwirkung von Dr. Ferdinand Brüll. Gabriel Dukes und Ignatz Grünwald nach lang andauernden Vorbereitungen — insbesondere von der Kanzel aus — den Männerwohltätigkeitsverein „Chaune n Dal" (Erbarmen mit dem Armen) ins Leben zu rufen. Als Bruder des Frauenvereines war er gedacht und erhielt statutarisch — um den armen Durchreisenden das Wandern von Haus zu Haus zu ersparen — einen besonderen Funktionär, den Armenvater. Diesem wurde das Recht zuerkannt, nach eigenem Ermessen bis zu einem, von Jahr zu Jahr festgesetzten Betrag Unterstützungen zu gewähren. Der erste Obmann dieses Vereines war Gabriel Dukes. Hierauf folgte Fabrikant Ingenieur Viktor B e r g e r. Dieser sowie die beiden Obmannstellvertreter Hugo S c h_w a r z und Hugo Deutsch vermochten im Verein mit den anderen eifrigen Vorstandsmitgliedern in der Kriegs- und Nachkriegszeit bedeutende Mittel zur Linderung der Not aufzubringen. Gegenwärtig leitet Hugo Deutsch den „Chaunen Dal" unter Mitwirkung der beiden Stellvertreter: Philipp Duldner und Adolf Drach. Von der Ueberzeugung ausgehend, daß die Abfallsbewegung im Judentume nur durch geistiges Leben hintangehalten werden könne, ging ich im Winter 1913, als die „Austritte" sich wieder bemerkbar machten, daran jüdischwissenschaftliche Vorträge im Bezirke abhalten zu lassen. Gemeinsam mit einem Komitee, an dessen Spitze Dr. Julius G r ü n w a 1 d stand, vermochte ich prominente Vortragende für diese Zwecke zu gewinnen. Nur zwei Namen seien hier angeführt: Frau Anitta Müller trug über ihre Reise nach Palästina und Aegypten vor; Intendant Professor G r e g o r i (Nichtjude) füllte einen ganzen Abend mit Rezitationen von Gedienten und Erzählungen jüdischen Inhaltes, so namentlich mit jenen von Perez, aus. Diese Vorträge, die das Publikum vollauf befriedigten, wären trotz des Widerstandes, den sie bei einzelnen nicht allzu jüdisch gesinnten Personen hervorgerufen hatten, sicherlich auch im Winter 1914 fortgesetzt worden, wenn nicht der Weltkrieg unterdessen im Sommer ausgebrochen worden wäre und so auch diesen kleinen, kaum im Entstehen begriffenen geistigen Bau unmöglich machte und in Trümmer schlug (Schluß folgt.) Judentaufen und Zionismus. (Eine Erinnerung.) Von E. C. Reiß. In diesem Blatte wurde jüngst aus den Erinnerungen von Miss Blyth eine Unterhaltung wiedergegeben, die ihr Vater, langjähriger anglikanischer Bischof in Jerusalem, im Jahre 1898 mit dem Exkaiser Wilhelm gehabt hatte. Ohne die Richtigkeit der Wiedergabe der Unterhaltung anzuzweifeln, in welcher Kaiser Wilhelm gesagt hätte: „er glaube an eine Zukunft der Juden in Palästina nicht, weil sie den Heiland gekreuzigt hätten", dürfte die Grundlage für diese Aeußerung doch eine andere gewesen sein als die, auf die der Bericht des Fräulein Blyth schließen lassen könnte. Bischof Blyth war, was nichts gegen seinen Charakter sagt, durch und durch ein Freund der Judenmission, und von diesem Gesichtspunkte aus hatte er wohl ebenso wie Pastor Hechler und andere christliche Geistlichen die zionistische Bewegung als Vorbote der Erfüllung christlich messianischer Weissagungen angesehen. „Wenn erst die Juden — oder wenigstens ein großer Teil von ihnen — wieder in Palästina ihre Heimat haben würden, wTürden sie sich auch zu den Wahrheiten des Christentums bekehren." Kaiser Wilhelm aber, wiewohl evangelisch fromm, kannte die Juden besser. Anstatt aber den Gedanken als unsinnig zu bezeichnen, redet er in der Sprache des Bischofs — denn Kaiser Wilhelm wußte sich anzupassen, besonders im Auslande — indem er die Idee, daß eine Rückkehr großer Judenmassen nach Palästina eine Generaltaufe zur Folge haben würde, mit der Phrase von der Kreuzigung des Heilandes zurückwies. Böswillig braucht er es nicht gemeint zu haben. Er wird sich unter dem Einfluß des Fürsten Bülow, der ihn auf dieser Reise begleitet hat, auch wohl bei Bischof Blyth gedacht haben: „Es muß auch solche geben!" Bischof Blyth und andere mögen in ihrer Auffassung nicht wenig durch den folgenden nicht uninteressanten Umstand bestärkt worden sein: die Gruppe getaufter Juden, die die Londoner Juden- Klawieranierricjhtf ■ Belli Lttwln (Tochter des Oberkantors Artur Lewin) 5 Wien VIII., Lerchengasse 16/17 { eine Schülerin des Professors Franz Schmidt, erteilt; Unterricht für Anfänger und Vorgeschrittene. \ ■ ■•»•••■•••»«•■.....»...„..».•••••.««•••••••»•••••»..».....„„.„i Die Redaktion empfiehlt erfahrene, bilanzfähige, ältere BucMioHerin äußerst verläßlich, mit sehr bescheidenen Ansprüchen. Auskünfte erteilt auch telephonisch (42-2-16) die Redaktion unseres Blattes. *§ In Verlust* geraten kleine Sefer Thora mit silbernen Stangen, mit rotem Samt-Mäntelchen, zirka 15 cm groß. Zweckdienliche Angaben für das Zustandekommen erbeten unter „ftt~ mlltenerDSlttClf" an das Auskunftsbüro dieses Blattes.