Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 45 (4.11.1927)
- Date
- 1927-11-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 llillllillllllliiilMlUIIM OiE WAHRHEIT HOTEL „NATIONAL fti ItW Restaurant neo Wien l!.9 Taborstraße 18 IV*&*<» Zentrale Lage, 200Zimmer, fließendes kaltes und warmes Wasser u. Zentralheizung. In allen Zimmern Telephon Unter der bewährten Leitung des bestbekannten Restaurateurs S. Gruner. Vorzügl. Wiener, ungarischeu. orientalische (rumänische) Küche. Wienerbräu u. Pilsner Urquell. wie eine Mutter, ich half ihr sticken, es war recht gut. Alles, was mit dem Gelde angefangen werden soll! — 20 Louisd'or! — Da ist so viel zu bestreiten in der Haushaltung, vom Hemd bis auf die Schuhe und Schüsselchen und Töpfchen, und der Herd, der eingefallen ist, und die Ofenplatte geplatzt, das muß geflickt werden und das Wohnzimmerchen frisch geweißt, wo die Leute eintreten, um die Arbeit zu bestellen. Veilchen ist von der Gattung Mädchen, die einen Nelkentopf vor ihrem Fenster pflegen und Absenker machen und endlich einen ganzen Flor daraus ziehen, die auch wohl ein Myrthenbäumchen zur Blüte bringen, aber keine Kränzchen daraus winden. Es wäre auch schade, meinte sie heute morgen und lächelte. Wir waren so vergnügt zusammen beim Sticken, wenn sie solche Hilfe hätte, meinte sie, dann würden die Sorgen ihr nicht so leicht über den Kopf wachsen, ich bat sie, daß sie mich alle frühmorgen mit soll sticken lassen, dann wird's gewiß acht Tage früher fertig." Uebür jüdische Stickerinnen schreibt Alb. Wolf, Aeltere jüdische Kunst: Sicher werden in allen Gemeinden die Frauen und Jungfrauen in frommem Eifer sich der Ausführung dieser Arbeiten für Kultusgegenstände mit Freuden unterzogen haben, zu der es ihnen auch nicht an der nötigen Geschicklichkeit gefehlt haben dürfte. Hören wir doch schon 1488 von Obadjah di Bartenoro. daß er die jüdischen Frauen in Rhodos „mit allerlei Kunstarbeit" beschäftigt fand, und heißt es doch am Schlüsse eines um 1704 angefertigten Inventars der heiligen Geräte der Synagoge zu Kremier: „... und andere Gaben, frommer Frauen Hände Werk". Einige jüdische Frauen haben sich aber auch durch wahrhaft künstlerische Leistungen auf diesem Gebiete einen Namen erworben, wie die aus Königsberg stammende Karoline Goldschmidt, deren Stickereien „Die vier Jahreszeiten" nach Meils Zeichnung auf der Berliner Gemäldeausstellung allgemeinen Beifall fanden und die Veranlassung gaben, daß sie 1806 zum außerordentlichen Mitglied der dortigen königlichen Akademie ernannt wurde. Auch der sich auf dem gleichen Gebiet auszeichnenden, ebenfalls aus Königsberg stammenden Angelica Friedländer ist hier zu gedenken. Besonders an den Bestrebunigen, di'e längere Zeit in Verfall geratene Stickkunst wieder aufblühen zu lassen, hat eine Jüdin, Emilie Bach (zirka 1840—1890), in hervorragendem Maße teilgenommen. Sie war die Begründerin und spätere Leiterin der kaiserlichen Fachschule für Kunststickerei in Wien. Unter anderem führte sie im Verein mit ihrer Tochter die Restauration des bekannten Prachtbettes der Kaiserin Maria Theresia aus. Sie war auch als Fachschriftstellerin tätig und wurden ihre Leistungen durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone anerkannt Hin und wieder setzten übrigens die jüdischen Stickerinnen, wenn sie gleichzeitig auch die Schenkgeberinnen waren, oder ihre Arbeiten für den eigenen Familiengebrauch bestimmt waren, auf diese auch ihren Namen. So finden sich auf einem in meiner Sammlung befindlichen, für den Gebrauch an den Sederabenden bestimmten Handtuch (Leinenstickerei' mit der Darstellung von Adam und Eva und hebräischen Segenssprüchen) auch die entsprechende Aufschrift. Auf einer Thorawimpel der im Washingtoner Nationalmuseum befindlichen Kollektion Benguiat (Seidenstickerei mit Blumen und hebräischer Inschrift Num. XVII, 23) besagt die bezügliche 'Aufschrift: „Gestickt als ein heiliges Werk durch die Hand von Magdalene Bassan im Jahre 5496" (1736). Auf einer ganz ähnlichen Wimpel der gleichen Sammlung nennt sich aber ganz ausnahmsweise auch eine gewerbsmäßig arbeitende Stickerin: „Diese heilige Decke ist gefertigt von Simcha, der Frau des Levy Hai aus Buttrio (Italien) im Jahre 5457 (1697) und war angekauft von Phineas Veneziani und dessen Bruder".;; e\ S ', V ""*"-.\ Auch von jüdischen Malerinnen berichtet er: ,3<ideutender übrigens als Castellazo dürfte vermutlich, wenn anders wir den Worten Yung's Glauben schenken dürfen, eine gleichzeitig mit ersterem arbeitende Malerin gewesen sein. Esther Engelhard, gewöhnlich Angelina von den Italienern genannt, war die Tochter eines reichen Juden zu Rotterdam im 16. Jahrhundert. Sie zeigte von Jugend an große Talente für die Zeichenkunst. Ihr Vater gab ihr die besten Lehrer, und sie machte so schnelle Fortschritte im Zeichnen, daß ihr Vater beschloß, sie mit ihrer Mutter nach Rom zu schicken. Sie wurde wegen ihrer Kunstgeschicklichkeit bald bekannt und erwarb sich durch ihr angenehmes Betragen den Namen Angelina. Buonarotti oder eigentlich Michel An.gelo, ein berühmter Maler, war sehr eingenommen für> ihr Talent und trug ihr an. sie in der Malerei zu unterrichten. Sie machte bald außerordentliche Fortschritte und malte viele Stücke, die man jetzt gewöhnlich dem Michel Angelo zuschreibt. Da ihr Lehrer 1564 starb, ging sie nach Venedig, wo sie mehrere sehr gute Gemälde malte. Nach einigen Jahren reisten sie beide nach Holland zurück, wo sie 1586 starb." Von Elise F r ä n k e 1 wurde Henriette Herz g'emalt. (Fortsetzung folgt.) Glossen. Der Prozeß Schwarzbard hat ein ungeahnt rasches Ende gefunden. Richter, Ankläger und Verteidiger hatten sicherlich den Eindruck gewonnen, daß sich die Geschworenen bereits nach, den Aussagen der in den ersten Tagen vernommenen Zeugen ihr feststehendes Urteil gebildet haben und sie erachteten es daher für überflüssig, die durch die Schilderung der ukrainischen Greuel hervorgerufene unsägliche Marter durch die restlichen hundert Zeugen noch zu verlängern. Wahrlich, man durfte auf diese hundert Zeugen verzichten, waren doch schon früher die blutbefleckten Geister der von den Pogromisten geschlachteten hunderttausend Unglücklichen als die beredtesten Zeugen im Gerichtssaale erschienen. Wer hätte ihren Schrei: Petljura war unser Mörder! übertönen können? * * * Unter den Opfern der Petljura'schen Pogrome waren unzählige Frauen, die erbarmungslos den schändlichen Mordbuben zur Beute fielen. Aber auch Frauen waren es, die im Gerichtssaale mit ihrem vernichtenden, brandmarkenden Urteil über „Väterchen" Petljura und seine Horden vielleicht die mächtigste Wirkung erzielten. Es war dies eine jüdische Studentin der Medizin und die Witwe des Proskurower Popen. Was die Jüdin von den in Proskurow im Namen Petljuras verübten Greueln in einer oft von Schluchzen unterbrochenen Klage zu erzählen wußte? Alle Schrecken der Hölle könnten nicht fürchterlicher sein. Nicht die Jüdin allein schluchzte während sie sprach, es weinten auch die, die vom Mitgefühl übermannt, diese herzzerfleischende Schilderung anhören mußten: Geschworene,