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Die Wahrheit · 1927-10-28 · Heft 44 (28.10.1927) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 44 (28.10.1927)
Date
1927-10-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT sei nur in bezug auf die Wanderfürsorge auf die wohl mit Kritik verbundene Anerkennung hingewiesen, die in der folgenden Notiz der letzten Nummer des Organes der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation „Poale Zion", „Der jüdische Arbeiter", enthalten ist: „Wie aus dem Berichte über d!e letzte Plenarsitzung der Kultusgemeinde zu ersehen ist, soll auf diesem Gebiete wirklich etwas unternommen werden. Wir gestehen, daß Herr Engel, der vom Vorstande mit dem Referate betraut wurde, einer der wenigen sachlichen und unvoreingenommenen Vorsteher ist. aber die Erfahrungen, die wir mit der Wiener Kultusgemeinde bis jetzt gemacht haben, berechtigen zur äußersten Zurückhaltung. Es wird uns freuen mitteilen zu können, daß der Vorstand der Erfüllung der von uns seit Jahren erhobenen Forderungen wirklich nähergetreten ist." Es bedurfte wahrlich nicht erst der bekanntlich sehr zahlreichen, wenn auch weniger berechtigten Forderungen der Sozialdemokraten, um der wichtigen Wanderfürsorge-Aktion näherzutreten. Und wenn die Herren besonders ehrlich sein wollten, so würden sie auch eingestehen, wem hier die Initiative zu verdanken ist, wer den von ihnen nun als „Genossen" reklamierten Dr. Adler-Rudel, den Leiter der jüdischen Arbeiter- und Wänderfürsorge in Deutschland, zu seinem Wiener Vortrage eigentlich veranlaßt hat, der den Auftakt für die nun im Gange befindliche Aktion bildete. Im Falle einer solchen Ehrlichkeit müßten sie auch von Gemeinplätzen wie den folgenden Abstand nehmen: „Erste Pflicht ist, die Kultusgemeinde von der Reaktion zu befreien und das allgemeine und gleiche Wahlrecht einzuführen." Unsere Leser sind über die Unstichhältigkeit dieser Forderungen informiert, wir wollen hier nicht oft Gesagtes wiederholen. Interessant ist nur die Begründung für diese Forderung: „Dann erst ist die Grundlage für eine großzügige, soziale Wohlfahrtspflege und intensive Kulturarbeit geschaffen." Nein, Ihr Herren, da irrt Ihr Euch gewaltig, „die Grundlage" ist in der Wiener Kultusgemeinde schon „geschaffen", was fehlt, ist nur das leidige Geld, und das können nur die Steuerträger bringen, denen allein dafür das mit mindestens sage und schreibe 60 Groschen erkaufbare Wahlrecht gebührt. Das ist wohl keine „undemokratische" Forderung, wenn sie auch als solche verschrien wird. Wir haben uns über Gebühr lange mit der neuesten Hetze der „Werktätigen Juden" befaßt, die schließlich in ihrem Aufrufe noch versprechen: „Auch gegenüber Staat und Stadt wollen wir das Sprachrohr der sozialistischen (nur?!) Juden, die Vertretung der werktätigen jüdischen Massen sein." Hier kommt der rote Pferdefuß ganz deutlich zum Vorschein. Und weil wir wissen, daß in der Wiener Judenschaft entgegen dem Wunsch der „Werktätigen" doch noch nicht alles „rot" ist, deshalb läßt uns ihre Hetze kalt. Empörend ist nur ihre Firmierung; wTas heißt „werktätig"? Darüber scheinen sich die Herren Genossen nicht im klaren zu sein. „Werktätig" im wahren Interesse der Judenschaft heißt: für diese Interessen unermüdlich tätig sein — keinesfalls aber untätig beiseite stehen und Unfrieden stiften. O. H. ^Wahrheiten vom Jqge^ In den Armen liegen sich . . . Die Differenzen innerhalb der Zionistischen Landesoiganisation Oesterreichs, über die wir letzthin berichtet haben, konnten wieder beigelegt werden, so daß Dr. Goldhammer sein-e Demission als Präsident der österreichischen zionistischen Landesorganisation zurückgezogen hat. Die von ihm und dem Landeskomitee eingeleiteten Vorarbeiten zur Konsolidierung der Zionistischen Organisation in Oesterreich und zur Zusammenarbeit aller Richtungen sollen, laut einem CommuniquS des Landeskomitees, ein günstiges positives Ergebnis gezeitigt haben. Der diesjährige Delegiertentag der österreichischen Zionisten wird gemäß einem gefaßten Beschluß am 12., 13. und 15. November stattfinden. Man kann auf seinen Verlauf gespannt sein, denn es wird gewiß von Interesse sein, wie sich unsere Jüdischnationalen um ihre diesjährigen zahlreichen Niederlagen herumdrücken werden. Ein neues Studentenrecht. Um dem bisherigen unhaltbaren Zustande abzuhelfen, haben dieser Tage die sozialdemokratischen Abgeordneten /im österreichischen Nationalrai die Schaffung eines Gesetzes über die Bildung von „Studentenschaften" an den österreichischen Hochschulen beantragt. Dieses Gesetz sieht vor, daß alle Studenten österreichischer und deutscher Staatszugehörigkeit an einer österreichischen Hochschule genau so wie jene ausländische Studenten, die vom Rektor als solche anerkannt sind, die „Studentenschaft" bilden. Also: In der Gesamtheit der Studenten finden dem Antrag zufolge auch Oesterreicher und Deutsche jüdischen Glaubens Platz, genau so wie jene zahlreichen österreichischen und deutschen Studenten arischer Herkunft, die es bisher mit ihrer Weltanschauung nicht vereinbaren konnten, in die auf völkischer Grundlage aufgebaute „Deutsche Studentenschaft" einzutreten. Man kann sich vorstellen, wie die letztere schon diesen ersten Punkt des neuen Studentenrechtes begrüßen wird. Daß der Entwurf dem in Preußen, Baden, Württemberg und anderen deutschen Staaten bereits geltenden Studentenrecht angepaßt ist. daß er also nur ein gemeinsames deutsches und österreichisches Studentenrecht fordert, dürfte den Herrschaften leider recht irrelevant sein. Bemerkenswert ist noch ein zweiter Punkt des sozialdemokratischen Gesetzentwurfes. Ausgeschlossen von den Aufgaben der Studentenvertretung sind politische und religiöse Themata. Auch das wird unseren Völkischen kaum in den Kram passen. Wie stehen nun die Aussichten für die Gesetzwerdung des Antrages? Er ist nicht der ersterden die sozialdemokratische Parlamentsminderheit befürwortet. Ein von ihr eingebrachter Gesetzentwurf wurde in der letzten Legislaturperiode des österreichischen Nationalrates nicht mehr erledigt. Nach unseren Informationen wird auch der vorliegende Gesetzentwurf bei der augenblicklichen christlichsozial-großdeutschen Regierungskoalition kaum in der bestehenden Form angenommen werden, trotzdem diese Frage nach dem Gesagten endlich einer dringenden staatsbürgerlichen Lösung bedarf. Die Rausch haschonoh-Aktion der deutschen Rabbiner. Zum erstenmal erschien in diesem Jahr ein von uns seinerzeit wiedergegebener Aufruf des deutschen Rabbinei- Verbandes zur Heiligung der hohen Festtage. Es würde ganz interessant sein, aus den einzelnen Großstädten zu hören, ob dieser Aufruf irgendwie von Erfolg gekrönt gewesen ist. In Wiesbaden z. B. wurde diesei Aufruf ebenfalls versandt. Außerdem aber hat der dortige Stadt- und Bezirks-Rabbiner Dr. Lazarus vor dem Neujahrsfest Gelegenheit genommen, die Inhaber der größten jüdischen Geschäfte persönlich darauf hinzuweisen. Das Resultat war, daß am ersten Tage Rausch haschonoh zum erstenmal nach vielen Jahren sämtliche Geschäfte geschlossen hatten. Daran sieht man, von welcher entscheidenden Wichtigkeit der persönliche Einfluß des Rabbinersinden Gemeinden ist. Mi ii töes i». je mweir

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