Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 44 (28.10.1927)
- Date
- 1927-10-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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DIB WAHRHEIT wmmmm f Seite 9 Bin anderer General Petljuras, der gegenwärtig als Mechaniker in Paris lebt, will seine Zeugenaussage für Petljura damit bekräftigen, daß er sich selbst als einen Judenfreund vorstellt. Er habe sogar einmal zwei seiner Kosaken, die sich an einem Pogrom beteiligten, hinrichten lassen. Die zwei Kosaken konnte der Herr General begreiflicherweise nicht dem Gerichte präsentieren. Wohl aber war Schwarzbards Verteidiger, der unerschrockene Torres, in der Lage, dem Gerichte den aktenmäßigen Beweis vorzulegen, daß dieser Zeuge den Pogrom in Charkow organisiert hatte! Ein würdiger Genosse Petljuras dieser Zeuge, den Torres dem Präsidenten kurz, mit den Worten charakterisierte: „Ich stelle Ihnen hier einen Mörder vor." # * * Als begeisterter Verehrer und Zeuge für Petljura erschien auch der ehemalige ukrainische Minister Chuljine, der jetzt als Professor der ukrainischen Sprache an der Prager Universität wirkt. Der Professor gibt zu — welche fanatische Wahrheitsliebe! — daß die Ukraine von Pogroms heimgesucht wurde. Aber er meint, „Petljura war für dieselben nicht verantwortlicher als jedes andere Regierungsmitglied". Hm . . . das läßt sich schon eher hören. Man kann schließlich zugeben, daß die Regierungsmänner, die mit einem Chef wie Petljura unverdrossen weiterarbeiteten, auch mitverantwortlich für die ukrainischen Bestialitäten sind. Noch bequemer machte es sich ein anderer begeisterter Freund Petljuras, der Oberstleutnant Budakow, der, um Petljura zu verteidigen, Gott anklagte, der allein für die ukrainischen Pogrome verantwortlich gemacht werden könne! Wahrhaftig, mit der Logik dieses Oberstleutnants können nicht nur Petljuras, sondern alle Bestialitäten, die je Gottes Erde schändeten, nicht allein entschuldigt, rondern glänzend gerechtfertigt werden. Budakow verdient es, zum Heiligen al!er Antisemiten ernannt zu weiden. * * * Der Verteidiger der Privatbeteiligten C a mp i n c h i, der nicht die Eignung hätte, Petljura zu verherrlichen, wenn er nicht selbst auch antisemitische Sympathien hätte, ließ Gott allerdings aus dem Spiel. Aber er möchte die Schuld und die Verantwortung für die Pogrome den — Juden in die Schuhe schieben. „Man müsse doch bedenken", meinte er zur Beschönigung der unsäglichen Greuel, „wieso es zu Pogromen komme Die Frage soll beantwortet werden: Es kommt zu Pogromen, weil sich schurkische Hetzer finden, die, wenn es ihnen aus irgend einem tückischen Grund paßt, immer wieder erfolgreich an die bestialischen Instinkte eines unwissenden, betörten, mord- und beutelustigen Pöbels appellieren. Es käme nie zu einem Pogrom, wenn man statt Unschuldige den Mördern preiszugeben, die schuldtragenden Hetzer hängen ließe. Man weiß aus dem den Juden wie den Christen heiligen Alten Testament, daß einmal ein König den von dem Urbild aller Hetzer geplanten Pogrom dadurch verhindert, daß er Haman aufhängen ließ. Dies zur Information des Herrn Campinchi. Man weiß genau, wie es zu einem Pogrom kommt und man weiß auch, was man tun sollte, um es nicht dazu kommen zu lassen. Ego. Materialien zur Geschichte der Entstehung des Kultusgemeindebezirkes Wien XXL (Floridsdorf). Von Rabbiner Dr. M. Rosen mann. (Fortsetzung.) Eine Grundsäule des jüdischen Gemeindelebens in Floridsdorf bildete seit je der Frauenwohltätigkeitsverein. Seine Entwicklung ist wohl am besten im Referate wiedergegeben, das Frau Julie König (Gattin des Dr. Jakob König) in der Generalversammlung des Vereines am 2. Februar 1897 erstattet hatte. „Der Verein wurde im Jahre 1880 von Frau Dr. Laura Bloch mit einem Stande von 70 Mitgliedern gegründet. Der damalige Vorstand sah sich in Anbetracht der Verdienste, die sich Frau Dr. Bloch durch Kreierung dieser humanen Institution erworben hat, veranlaßt, dieselbe zu seinem Ehrenmitgliede zu ernennen, und es wurde ihr am 27. Februar 1895 durch die Präsidentin Frau Henriette Grünwald und mehrere Vorstandsdamen das Diplom überreicht. Im Jahre 1883 wurde Frau Fanni Kronberger zur Präsidentin gewählt und leitete den Verein bis zu ihrer Uebersiedlung nach Wien, d. i. bis zum Jahre 1889. Auch die Tätigkeit dieser Präsidentin zwingt uns, ihr ein dankbares und ehrendes Andenken zu wahren, da sie mit aufopferungsvoller Mühewaltung im Dienste der Humanität und des Vereines stand. Bemerkenswertist, daß unter ihrer Leitung im Jahre 1887 der erste Frauenvereinsball stattfand. Frau Dr. König übernahm nun für kurze Zeit die Leitung der Vereinsgeschäfte, bis März 1889 Frau Betti Redlich zur Präsidentin gewählt wurde. Frau Redlich leitete den Verein durch volle fünf Jahre mit Geduld und Ausdauer und war immer bemüht, dem Verein fördernd als Präsidentin vorzustehen. Als Frau Redlich im Jahre 1895 die Würde der Präsidentin niederlegte, wurde ihr allseitig Dank und Anerkennung für ihr langjähriges Wirken ausgesprochen und gleichzeitig erschien bei der stattgehabten Generalversammlung (27. Jänner 1895) Frau Henriette Grünwald zur Präsidentin gewählt. Frau G r ü n w a 1 d hat in betreffs der Leitung der Vereinsgeschäfte unsere Erwartungen übertroffen." — Frau Henriette Grünwald (Gattin des gewesenen Präses Emanuel Grünwald) steht bis zur Stunde in hingebungsvollem Eifer dem philanthropisch tätigen Vereine vor. MÖBELFABRIK FERNSPRE CH-N UM M E R 45-1-91 sigm. uppenhü WIEN, 2. BEZ., PRATERSTRASSE NR. 30 Reiche Auswahl solid gearbeiteter Möbel zu billigsten Preisen