Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 44 (28.10.1927)
- Date
- 1927-10-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seife 8 iiiiiiiliiiiiliiilliiiilimif» DIE WAHRHEIT Aber schon nach ihrer ersten. Ehe war der Zauber von ihr gewichen. Die Leute kamen nicht mehr zu ihr. um Wunder zu heischen. Man sah in ihr nur noch das fromme, gottesfürchtige Weib, das von göttlichem Geiste beseelt war. Ihre letzten Jahre verlebte sie im Lande der Väter. * Frauenwitz. (Aus dem Wiener Jahrbuch für Israeliten 1868. S. 286.) Auch merkwürdige Frauen gab es in der Prager Judengemeinde; die originellste und geistreichste unter ihnen war wohl die noch heutigen Tages durch ihre praktischen Ansichten und Sprichwörter berühmte Kela Neustadl." Sie sagte zu ihrem Sohne: „Lern* bei Tag und schlaf bei Nacht, bleibst da gesünder und ersparst nebenbei Licht!" Eine andere kluge Frau F. I. meinte, „Neunundneunzigmal unter hundert Fällen ist arm sein: Mangel an Tätigkeit, und das hundertste Mal ist es Dummheit!" Kela Neustadl sagt zu ihrem Sohn: „Durch eine glänzende Heirat sein Glück machen, ist in den meisten Fällen: einen neuen Rock anziehen mit zerrissenem altem Futter. Von außen sieht alles herrlich aus; von innen aber ist überall Jammer und Elend!" Ein merkwürdig scharfsinniger Ausspruch von ihr ist folgender. Kelas Arzt sagte: „Ich sorge für Ihr teuerstes Gut, für Ihre Gesundheit, und bekomme im Jahr nicht den vierten Teil der Summe, die sie an Ihren Advokaten bezahlen, der doch nur um Ihre sonstige Habe besorgt ist!" „Freund," antwortete Kela, „dem Advokaten gebe ich die Prozeßakten und er nimmt sich meine Krankheit hübsch nach Haus. Wollen Sie sich, lieber Doktor, auch meine Krankheit nach Haus nehmen, so sollen Sie ebenfalls besser honoriert werden!" (Fortsetzung folgt.) Glossen. Aus den Berichten über den Schwarzbar d - Prozeß entnimmt man, daß sowohl der Präsident als auch der Staatsanwalt ununterbrochen die Namen des Täters und die des Getöteten verwechseln. Merkwürdig, auch die Leser des Prozesses haben immer den Eindruck, daß der eigentliche Mörder, um den es sich in diesem Prozesse handelt, Petljura war. Und nicht der Uhrmacher Schwarzbard, der erst auftrat, als Petljuras Stunde geschlagen hatte. Aber nicht der Mörder eines Menschen soll Petljura gewesen sein. Er wird sogar für die Ermordung von mehr als hunderttausend Menschen verantwortlich gemacht. Alle jüdischen Zeugen Dr. Rubin Grimberg, Mitglied der Untersuchungskommission in Proskur o w, Delegierter des französischen Roten Kreuzes, Dr. Boris Goldstein, der Präsident des Hilfs¬ und Untersuchungsausschusses, die Studentin der Medizin Grünberg aus Proskurow, der Rabbiner T j o n k i n usw. usw., sie alle erklären, kein Mensch in der Ukraine, ob Jude oder Christ, habe je daran gezweifelt, daß Petljura der Mann war, den die Verantwortung für all die grauenhaften Ungeheuerlichkeiten trifft. Er war der Oberkonimandant der Armee, die „für Väterchen Petljura" Männer und Kinder mordeten und Frauen schändeten. Ein Wort von ihm, das wußte alle Welt, hätte genügt, den Massakers ein Ende zu bereiten. Als der Vertreter der Privatbeteiligten darauf hinwies, daß Petljura auch Ukase gegen die Metzeleien erlassen, erhielt er von jedem der jüdischen Zeugen die Antwort: „Ja, aber er hat den Ukas immer erst ergehen lassen, wenn es zu spät war, er wartete, bis 100.000 Tote gezählt wurden." Dann dachte er auch als Diplomat an das Ausland. Aber auch dieses wartet lange, lange . . . * , * * Das waren jüdische Zeugen. Aber Professor L a n g u i vom College de France, der kein Jude ist und nur die von den Untersuchungskommissionen sorgfältig geprüften und gesammelten Akten studiert hat, erklärte: „Nach dem Studium dieser Schriftstücke kann ich nichts anderes sagen: Verantwortlich für alles, was in der Ukraine an unerhörten Greueln geschehen, war Petljura." * * * Aber haben die Zeugen, die als fanatische Verehrer und Freunde Petljuras, als seine Verteidiger vor Gericht erschienen, auch nur das Maß seiner Verantwortlichkeit reduzieren können? Der eine versuchte Petljura wenigstens von Schlächtereien in Proskurow reinzuwaschen, die General S z e - menrzensko, während er Orgien mit seinen Offizieren feierte, anbefohlen. Petljura habe diesen General füsilieren lassen. Torres weist nach, daß Petljura diese blutgierige Bestie zwei Tage nach den gründlich erledigten Metzeleien mit aller Herzlichkeit empfangen, ihn allerdings nach einem Jahre aber wegen ganz anderer Dinge habe hinrichten lassen. Der gute Mann hat also nur den glänzenden Beweis erbracht, daß Petljura die Macht besessen, das Mordtier auch zwei Tage nach den menschlieitsschändenden Greueln zu bestrafen. * ■* * Ein ehemaliger Adjutant Petljuras, General Doccenko, vertrat trotz alledem die wahnwitzige Behauptung, Petljura war kein Antisemit. Ja, noch mehr, er sei sogar ein Philosemit gewesen. Er habe wie ein „Vater" an den Juden gehandelt, denn ohne ihn wären nicht 60.000 - Juden, sondern eine Million niedergemetzelt worden, aber im Grunde genommen steckt auch in dieser maßlosen Tollheit des Adjutanten Petljuras noch immer ein Stück Wahrheit, das Bekenntnis, daß 60.000 Tote auf Petljuras Konto kommen. Für mäßige menschliche Wünsche auch schon eine schöne Leistung. Nur 60.000 Menschen! * , * * Die Juden, meinte der Adjutant weiter, sollten ihrem „väterlichen" Freunde Petljura ein Denkmal aufstellen! Nun, sie haben ihm in der Tat in den Dokumenten, in denen die in seinem Namen verübten Mordtaten verzeichnet sind, ein die Zeiten überdauerndes Monument errichtet. Ein grauenhaftes Seitenstück zu diesem Denkmal haben ihrerseits auch die mordenden Bataillone ihrem „Väterchen Petljura" in Hekatomben von jüdischen Leichen errichtet. * ■ * Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Zentrale: Wien II., GlOCkengaSSO 24 Tel. 48-4-79 Nr K«ttn*b«aMta und V«r*lRsfiinkti*n8r« ««g«M l«flltf«attoa 10«/. Nachlaft