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Die Wahrheit · 1927-10-28 · Heft 44 (28.10.1927) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 44 (28.10.1927)
Date
1927-10-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT HiffliM^ Seite 7 anderen Schulen «überwiesen werden, Hunderte von Lehrern sollen darben und sich weiter fragen: Wozu sind wir da, da wir doch so — unproduktiv für die Sache des Judentums sind? Und das tut man Menschen an, die geistig hochbegabt sind und die seelische Pein doppelt stark fühlen, Menschen, mit denen man einen Vertrag eingegangen ist und die man zur Arbeit verpflichtet hat. Meine Herren, das ist eine Schande, das ist unmoralisch. Schon denkt man daran, das jüdische Erziehungswerk in Palästina völlig in die Hand der Regierung zu legen oder die Gemeinden damit zu betrauen, die Zionistische Organisation jedoch, die oberste Verwalterin der jüdischen Interessen im Heiligen Lande, auszuschalten, d. h. dieselbe als ihrer Aufgabe unfähig, abzusetzen. Ist das nicht noch eine größere Schande? Man hat den Kindern in unserer Mitte stets eine jüdische Erziehung gegeben, und das soll jetzt anders werden? Schreiber dieser Zeilen wird froh sein, wenn man ihm sagt, er habe die Lage schwarz in schwarz gemalt, er sehe Schreckbilder vor sich, die nicht existieren. Aber ich habe doch Daten vor mir. Eine Remedur, wie in vielen anderen Fällen, könnte vielleicht von den Diaspora-Organisationen ausgehen. Auch in unserer Stadt besteht die Gesellschaft der Palästinafreunde, viele von uns bringen für den Keren Hajessod Jahr für Jahr beträchtliche Summen auf. Wie wäre es, wenn sie an diese Beiträge eine Bedingung knüpften, die Bedingung, daß diese Gelder oder ein namhafter Teil derselben dem palästinensischen Erziehungswerke zugeführt werden müssen? Freilich würden sie dann beim sogenannten „Aufbau" fehlen, aber da gibt es doch andere Organisationen, die wiederum nur den „Aufbau" fördern wollen. Ist an maßgebender Stelle der Wille oder die Einsicht nicht vorhanden, große Werte des Judentums und in Anbetracht der gedrückten Lehrer auch Werte der Humanität zu retten, so müssen wir einen deutlichen Wink geben, daß wir das tun wollen. Vielleicht wird bei diesem greifbar nützlichen und notwendigen Zweck die Beteiligung am Keren Hajesod größer und reichlicher werden; diese Aussicht darf doch auch die amtliche Zionistische Organisation nicht von sich weisen. Der hier gegebene Vorschlag hätte dann für die Zionistische Organisation nicht die Bedeutung eines Mißtrauens, sondern den Effekt, daß sie in der Verfolgung ihres Zieles wirksam unterstützt wird. Jüdische Frauenideale. (Fortsetzung.) Die Jungfrau von Ludomir. (Die Ludmerer Mad.) Nach dem „Buch von den polnischen Juden". Herausgegeben von Agnon und Eliasberg, Berlin, Jüd. Verlag 1926. Chane Rochel Werbermacher wurde in Ludomir in Wothynien um das Jahr 1815 geboren. Sie war die einzige Tochter ihrer Eltern. Schon als Kind konnte sie die Bibel lesen; dann eignete sie sich vieles aus der Haggada, aus dem Midrasch und aus frommen Büchern aller Art an. Beim Beten geriet sie in eine Verzückung, die ihre Umgebung in Erstaunen versetzte; die Leute hielten sie für würdig, ein Zaddik zu werden. In ihrer Brautzeit begann sie sich von den Menschen zurückzuziehen. Ganze Tage verbrachte sie einsam auf ihrem Zimmer und verließ es nur, um das Grab der Mutter aufzusuchen und dort ihr Leid auszuweinen. Bei einem solchen Besuche dieses Grabes schlummerte sie ein. Sie stolperte und fiel auf eines der Gräber, in denen die heiligen Männer der Vorzeit ruhten. Sie schrie auf und verlor die Besinnung. Der Friedhofwärter eilte herbei und brachte sie ins Elternhaus. Sie erkrankte schwer, sprach wochenlang kein Wort und die Aerzte gaben sie verloren. Da rief Chane Rochel eines Tages den Vater zu sich und erzählte ihm folgendes: „Ich bin soeben im Himmel gewesen und war dort bei der Sitzung des großen Bes-Din zugegen. Dort wurde mir eine neue, erhabene Seele verliehen." Nach einigen Tagen genas sie von der Krankheit. Seitdem fühlte sie sich wie ein Mann. Sie trug ein Arbakanfoth, betete in Talith und Tefillin. Ganze Tage verbrachte sie im Gebet und Thorastudium. Sie entlobte sich, denn sie hatte beschlossen, unvermählt zu bleiben. Ihr Vater starb und hinterließ ihr ein großes Vermögen. Davon ließ sie ein neues Beth-Hamidrasch bauen. Ein Zimmer darin bewohnte sie selbst. Dort saß sie ständig allein, betete und studierte sie die Thora. Der Ruhm der „Jungfrau von Ludomir" verbreitete sich rasch in der ganzen Gegend. Von nah und fern wallfahrteten Frauen und Männer zu ihr wie zu einer Heiligen. Sogar Gelehrte suchten sie auf. Meist saß sie allein in ihrer Stube bei offenen Türen, während im großen Saale des Beth-Hamidrasch die Leute zusammenkamen, um von dort ihre Reden zu hören. Sie kam in den Ruf einer Wundertäterin. Man sagte, daß sie die Geheimnisse des Himmels und der Erde kenne und Kranke zu heilen vermöge. Und in der Tat heilte sie viele mit allerhand Kräutern. Allmählich hatte sich um Chane Rochel eine Gemeinde von Chassidim gebildet, die man „die Chassidim der Jungfrau von Ludomir" nannte. Sie beteten in ihrem Beth-Hamidrasch, und an den Sabbathen pflegten sie sich zu „Schaleschudes" zu versammeln, um ihre Predigt anzuhören. Jeden Besucher, auch wen sie noch nie gesehen hatte, nannte sie beim Namen. Man suchte ihr einzureden, sich zu vermählen. Sie wollte zunächst davon nichts hören. Endlich gelang es dem berühmten Zaddik Rabbi Mottel von Tschernobyl, sie zu überreden. Sie heiratete einen Rabbiner, der ließ sich aber bald von ihr scheiden; das gleiche Schicksal hatte eine zweite Ehe, die sie eingegangen war. CSaHBBBaBBSBBaBBEaHflBEBfiBBBBBBBBBaBBBI B B Gute Pension lilHI in besserer jüdischer Familie für junges Mädchen oder Knaben, mit Familienanschluß. Aller Komfort. Preis entgegenkommend. PROF, FREYSTADT, WIEN IX, Türkenstraße 8, Hockparterre 6 Telephon Nr. 68-9-17 iiiuiiiiJ! B B f Mliiliioiisie ImliiM itS" für Erziehung, Unterricht und Berufsausbildung taubstummer, schwerhöriger, schwer lernender und schwer erziehbarer Kinder und Jugendlicher beider Geschlechter Wien, III. Bezirk, Juchgasse Nr. 22 (Straßenbahnlinie F, 0, 71) SprachMltt Täglich von 2 bis 4 Uhr (Telephonisch wird keine Auskunft erteilt) DciiterDnasratDir.PlilLDr.S.lüreBBerter ■»■■■■■BBBHBBHHBBJ

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