Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 43 (21.10.1927)
- Date
- 1927-10-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 13 gehen über die „idealen" Tendenzen und die „edlen" Motive der hakenkreuzlerischen Bewegung. Türkischer Antisemitismus. _ Der Londoner „Daily Express" beschäftigte sich mit dem zunehmenden Antisemitismus in der Türkei (siehe Nr. 42 der „Wahrheit") und schreibt dazu: „Die Freunde der Türkei sind durch die verstärkte antisemitische Bewegung stark beunruhigt. Die Türkei kann die wirtschaftlichen Fähigkeiten der Juden nicht entbehren. Würden die Türken — wie manche Hetzer fordern — eine so wahnsinnige Maßnahme wie die Austreibung der Juden durchführen, ihre Wirtschaft würde vernichtet werden, wie seinerzeit die Wirtschaft der Mauretanier nach der Vertreibung der Juden aus Spanien. J udenverfolgungen haben noch keinem Volke Nutzen gebracht- Zeigt sich irgendwo bei den Juden eine Tendenz, aus einem Lande auszuwandern, so ist das ein schlimmes Zeichen für die Wirtschaftskraft dieses Landes. Die Juden sind die besten Mittler im internationalen Leben. Ein kluges Volk wird stets die Juden in sein gesellschaftliches, wirtschaftliches und soziales Leben einbeziehe n." „Blut ist ein ganz besonderer Saft . . ." Dr. Friedrich Verzar, Prof. der Physiologie an der Universität Debrecen, der einer jüdischen Familie entstammt, wurde mit der Leitung der Allgemeinen Biologischen Station in T i h a n y betraut. Professor Verzar will den Nachweis geliefert haben, daß der b i ologische I'ndex des ungarischen Blutes dem des jüdischen und des russischen am nächsten stehe, der Blut-Index der dem Ungartuni rasseverwandten Völker aber in einem recht weiten Abstand von der biochemischen Zusammensetzung des ungarischen Blutes sich befinde (!). Mit diesem Nachweis wären jene albernen, aus Ungarn stammenden pseudowissenschaftlichen Thesen aus den Angeln gehoben, die die naturgegebene, also unaustilgbare Unverträglichkeit zwischen jüdischem und ungarischem Blute verkünden und daraus die Schlußfolgerung ziehen, daß ein Mensch, in dessen Organismus bis ins siebente Glied hinauf auch nur ein Tropfen jüdischen Blutes rolle, aus diesem Grunde allein als artfremder Schädling zu betrachten sei. Die Berufung Dr. Verzars gab den antisemitischen Blättern Budapests die Veranlassung zu heftigen Angriffen gegen den Kultusminister Grafen Klebeisberg, auf den die Ernennung zurückzuführen ist. Urteilt man nach der Vehemenz dieser Pressekampagne, so scheint es, daß die neue Blutindex-Theorie den rassestolzen Magyaren einleuchtender und endgültiger erscheint als uns, die — wir gestehen es offen — glauben, daß eine wissenschaftliche Ueberprüfung der aufsehenerregenden Entdeckungen Dr. Verzars wohl am Platze ist.... „Judenrepublik" — eine berechtigte Kritik. Vor dem Weimarer Schöffengericht kam eine Anklage wegen Beschimpfung der Verfassung zur Verhandlung. Der Buchhandlungsgehilfe Diederich hatte einen Eisenbahnarbeiter tätlich angegriffen und als er auf die Wache gebracht wurde, ausgerufen: „Ich pfeife auf die Judenrepublik!" Das Gericht sprach den Angeklagten kostenlos frei. Sein Ausdruck sei nur als eine Kritik anzusehen und richte sich dagegen, „daß sich in Deutschland die Juden breit machten (!). Eine Kritik zu dieser „Kritik" ist wohl überflüssig. Ein Jude österreichischer Generalkonsul in Bulgarien. Herr Angel Kouyoumdjiski, Direktionsmitglied der Banque Franco-Belge de Bulgarie, wurde zum österreichischen Generalkonsul für Bulgarien ernannt. Der Genannte ist ein angesehenes Mitglied der jüdischen Gemeinde in Sofia und erfreut sich in bulgarischen Geschäftskreisen des größten Ansehens. a L"^>-. Von Wodke *u Wodkm t> Der Vorstand der Kultusgemeinde Wien appelliert anläßlich der Wiederaufnahme; des Jugend-Gottesdienstes mit folgendem Aufruf an die jüdischen Eltern: „Es handelt sich um euer Teuerstes, um eure Kinder, von denen Ihr doch sicherlich 'erwartet und wünschet, daß sie eurem und eurer Väter Glauben, eurem Volke, euch und sich selbst treu bleiben. Unterstützet uns daher in unserem Bestreben, eure Kinder religiös zu erziehen, zunächst dadurch, daß Ihr sie veranlasset, .allwöchentlich an dem sabbatlichen Jugendgottesdienste teilzunehmen. Begleitet sie zum mindesten von Zeit zu Zeit dahin, damit ihr euch selbst durch eigene Wahrnehmung überzeuget, welch großen ethischen Wert der Jugendgottesdierost dem jugendlichen Gemüt eurer Kinder zu bieten vermag und m welch hohem Maße Ihr in ihm Unterstützung in eurem Bestreben, die sittlich-religiöse Entwicklung eurer Kinder zu fördern, finden werdet." Eine-soziale Maßnahme der Budapester Gemeinde. Der Vorstand der Pester israelitischen Religio n s g e m e i n d e hat die Kaschruth-Gebühren um 50 Prozent ermäßigt und damit ermöglicht, daß der Preis dieses Fleisches wesentlich verbilligt werden kann. Ein konservativ-zionistischer Block in der Berliner Gemeinde. Am Sonntag, den 25. September, trat die Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen. Sie gab ein Bild von den neuen Mehrheitsverhältnissen in der Berliner jüdischen Gemeinde und zeigte, daß die Mittelpartei und die Konservativen unter zionistischer Führung sich zu einem Block vereinigt haben, der seine geringe Mehrheit von nur einer Stimme gegenüber den Liberalen rücksichtslos und unter Hintansetzung aller demokratischen und parlamentarischen Gepflogenheiten zu gebrauchen beabsichtigt. Nach Eröffnung der Sitzung begrüßte Herr Emil Pincus die Versammlung und gab der Hoffnung Ausdruck, daß ihre Arbeit zum Wohle der Gemeinde und der gesamten Judenheit sein möge. Er gedachte in herzlichen Worten des schweren Verlustes, der die Berliner Gemeinde in den letzten Tagen getroffen hat. Leo Lilienthal hat als Vorstandsmitglied und als Syndikus der Berliner jüdischen Gemeinde ein Vierteljahrhundert deren Geschicke geleitet. In der Zeit seines Wirkens ist die Berliner jüdische Gemeinde zu der modernen Großgemeinde geworden, die heute 170.000 Seelen zählt. Lilienthal hat die Schwierigkeiten, die dieses Wachsen mit sich brachte, zu meistern verstanden. Er hat es verstanden, die Gemeinde durch die Klippen der Kriegszeit zu steuern. Die Versammlung ehrte sein Andenken durch Erheben von den Plätzen. Hierauf schritt die Repräsentantenversammlung zur Wahl des Präsidiums. Der Führer der Konservativen. Moritz A. Loeb, gab nun für seine Gruppe, sowie die der Zionisten und der Mittelpartei die Erklärung ab. daß sie im Wahlkampf mit einem Programm, das eine Reihe von gemeinsamen Punkten enthielt, eine gegen die liberale Richtung gerichtete Front vertreten hätten und daß deshalb der Spitze der Repräsentantenversammlung ein Charakter gegeben werden müsse, der das Ergebnis der Wahl auch äußerlich versinnbildlicht. Er schlage deshalb als Vorsitzenden Herrn Geheimrat Dr. Julius Stern vor. Prof. Türk erklärte darauf namens der liberalen Fraktion, diese habe nach parlamentarischem Brauch als stärkste Fraktion des Hauses einen Anspruch darauf, den Vorsitzenden zu stellen. Sie verfüge über 10 Mandate, die anderen drei Fraktionen zusammen nur über 11. Der Block von Zionisten, Mittelparteilern und Konservativen habe wohl die Mehrheit und könne die Liberalen vergewaltigen. Man könne von den Liberalen aber nicht noch verlangen, daß sie dieses Unrecht Kleiderkredit Zahlbar innerhalb eines ■ ■^■■■■■i^HBi Jahren. J Sämtliche Herren- und Damenkleider ■ Nur Qualitätsware! nach Maß sowie fertig lagernd. Billigste Preise! ■ KLEIDERHAUS WERTER, WIEN XVI., ■ Telephon 21-501 Ottakringerstraße 17 Telephon 21-501 5 Bollinger-Eiskasten sind «eil 1870 die besten Fabrik: Wien XV.» Staglgasse Nr. 10, Telephon 38-4-19 Filiale: VII., Bnrggasae Nr. 17, Telephon 32-3-80