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Die Wahrheit · 1927-10-21 · Heft 43 (21.10.1927) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 43 (21.10.1927)
Date
1927-10-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 MllllllllMll DIE WAHRHEIT Henry Ford und Rosika Schwimmer. Rosika Schwimmer, eine aus Ungarn stammende Jüdin, die während des Krieges Henry Ford die Anregung gab, ein „F r i e d e n s s c h i f f" auszurüsten, und die auch Ford auf seiner Friedenstour durch Europa begleitet hat, schrieb vor kurzem an die Presse, man habe sie zu Unrecht beschuldigt, daß sie als die Anregerin der mißglückten Expedition Schuld sei an Henry Fords späterem Antisemitismus. Nunmehr veröffentlicht E. S. Liebo 1 d, der Generalsekretär von Ford, im Namen Fords einen Brief an Frau Schwimmer, in dem dieser feststellt, daß die Friedensexpedition sehr lobenswerte Ziele hatte. daß Madame Schwimmers Ambitionen durchaus aufrichtig waren und daß sie keine Kontrolle über die Finanzen der Friedensexpedition hatte. Stammt Henry Ford aus Polen? Das jüdisch-polnische Wochenblatt „W o 1 k o w i s k e r Leben" berichtet über das folgende Vorkommnis, das nun von der polnischen Presse mit großer Aufmachung wiedergegeben wird: In dem Dorfe Konstantinowka wohnen drei alte Kolonisten, die Brüder Kort, von denen der älteste, Gustav, 80 Jahre, der zweite, Robert, 75 Jahre und der dritte, Julius, 73 Jahre alt ist. Sie sind Kinder einer aus der Gegend von Frankfurt stammenden deutschen Bauernfamilie, die vor etwa 80 Jahren nach Polen eingewandert ist. Die drei alten Kolonisten erschienen in der Redaktion des genannten Wochenblattes und erzählten, vor mehreren Jahrzehnten sei ihr jüngster Bruder Henrik nach Amerika ausgewandert, wo er als Ingenieur und Erfinder sich hervorgetan und den Familiennamen Ford angenommen hat. Er ist kein anderer als der jetzige Milliardär Henry Ford. In den letzten Jahrzehnten brach er jede Verbindung mit der Familie ab. Als nun seine Brüder erfuhren, daß Ford mit den Juden Frieden geschlossen hat, beschlossen sie, sich mit Hilfe einer jüdischen Zeitung an die amerikanischen Juden mit der Bitte zu wenden, ihnen dazu zu verhelfen, mit ihrem Bruder Henry wieder in Verbindung zu kommen. Der Grubenhund der „Dötz". Wir konnten in der vorletzten Nummer berichten, daß die „Dötz" einem argen Grubenhund aufgesessen sei, indem sie am 21. September in einem längeren Artikel dem Vorsitzenden der Deutsch-Demokratischen Hochschülervereinigung, Herrn Heinz Braun, einen gefälschten Brief in dfie Schuhe schob. Wir haben gleich der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Handlungsweisie dieses feinen Blattes, das auf diesen Artikel von sechs verschiedenen Stellen Berichtigungen erhiellt (ein gutes Zeugnis für den glänzenden Informationsdienst der „Dötz"!), aber «eiade die Berichtigung des Herrn Braun nicht brachte, eine gerichtliche Sühne finden werde. Am 13. Oktober fand auch tatsächlich die Gerichtsverhandlung gegen den verantwortlichen Schriftleiter der „Dötz", Hans Turba, vor dem Pressericher Hofrat Dr. H ö f 1m a y e r statt. Der angeklagte Redakteur (es wurden an dnesem Vormittag .lauter Berichtigungsvieirhandlungen gegen Turba durchgeführt) war durch einen Dr. Welze! (Kanzlei Dr. Riehl!) vertreten, der mit völkischen Drehs das Vorgehen der „Dötz" zu verteidigen suchte. Der Anwalt des KlägieTs Dr. Oskar T r n k a nahm sich kein (völkisches) Blatt vor den Mund und machte sehr deutlich geltend, daß die „Dötz" zwar verleumdet, sich aber nachher Sern hinter jede Ausrede verschanzt, um ihrem allerdings nicht so zahlreichen (also sehr beschränkten) Leserkreis de Wahrheit vorzuenthalten. Der gegnerische Anwalt brachte vor, daß die Berichtigung viefl zu lang! für den „kostbaren Raum" der „Dötz" gewesen wäre. Der Presserichter zeigte für diese teutonischen Schlichte kein Verständnis, sondern verurteilte die verantwortliche Redaktion (soll wohl heißen Reaktion, dter Setzer) zur Veröffentlichung der wichtigsten Stellen der Berichtigung, widrigenfalls die Zeitung nicht mehr erscheinen darf, was wohl kein Malheur wäre. Bezeichnend ist es, daß der völkische Anwalt nach der Verhandlung an Dr. Trnka mit dem Ansinnen herantrat, Herr Braun möge auf die Veröffentliichung der Berichtigung verzichten. Außerdem berief er gegen das Urteil, um so die Berichtigung weiter zu verzögern, damit die Leser der „Dötz" deren arge Blamage erst später erfahren. Man sieht also, daß dieses „loyale" Blatt alle Anstrengungen macht, zwar Verleumdungen zu bringen, nicht aber, seine Leser über den wahren Sachverhalt aufzuklären. Wie wir erfahren, wird die Sache noch ein weiteres gerichtliches Nachspiel haben, da sich Herr Braun die Praktiken der „Dötz" mit dem gefälschten Brief mit Recht nicht gefallen lassen wäll. Ludendorffiana. Es ist nun endlich von autoritativer Seite festgestellt worden, daß das Tannenbergdenkmal, bei dessen Einweihung bekanntlich die jüdische Religionsgemeinschaft durch Zurücksetzung ihres geistlichen Vertreters brüskiert wurde, eine jüdische Schöpfung ist. Diese Entdeckung hat keine Geringere als Frau Doktor Mathilde Ludendorff, geborene v. Kemnitz, gemacht, die in einem Vortrag, den sie gemeinsam mit ihrem Ehegatten hielt, erklärte, das Tannenbergdenkmal sei im jüdischen Stil erbaut. Besonders die zehn goldenen Schwerter über dem Eingangstor hätten jüdische Vorbilder. So stelle das Denkmal eine Verherrlichung des jüdischen Weltbaues dar, was natürlich nur wenige Deutsche sähen. Nunmehr wird es klar, aus welchem Grunde die jüdische Religionsgemeinschaft bei der Einweihungsfeier zurückgesetzt wurde. Ludendorff und seine Mannen und Frauen hatten offenbar den jüdischen Stil des Denkmals entdeckt. Würde dann der jüdische Geistliche auch noch seine Weiherede gehalten haben, so wäre damit die Verjudung bis zur höchsten Potenz gediehen. Offenbar befürchtete das Ehepaar Ludendorff wie die ihm getreuen völkischen Mannen, daß die Teilnehmer der Feier — wie dies in dem neuesten Ludendorffschen Buche über „Jesuitentum, Judentum, Freimaurerei und Marxismus" niedergelegt ist — „zu Juden abgerichtet" worden wären. Ludendorff und seinen Freunden ist es überhaupt zu verdanken, daß die ernste Stimmung, die alle deutschen Kreise bei der Enthüllung des Tannenbergdenkmals erfüllte, einer stillen Heiterkeit Platz machen konnte. Die „Deutsche Wochenschau", das Sprachrohr Ludendorffs, veröffentlichte jüngst unter derUeberschrift „Das Jehova-Denkmal bei Tanne n b e r g" aus der Feder eines Festteilnehmers eine Schilderung der Weihefestlichkeiten, die uns an dieser Stelle nicht weiter zu beschäftigen braucht, da wir keine Zeitschrift für Psychiatrie sind. Nur ein Satz soll auch hier wiedergegeben werden, weil er so dumm ist, daß er bereits wieder in das Gebiet völkischer Politik gehört. Man lese: „Nicht am Tage der großen Schlacht war die Einweihung des Denkmals, sondern ganz zufällig im Anschluß an das Neujahrsfest der Juden und Freimaurer." In Anbetracht des Umstandes. daß sich Ludendorff mit dem Kriegsausgange verrechnet hat, ist es nicht so schlimm, wenn seine Zuschrift Rauschhaschonoh auf den 18., statt auf den 25. September verlegt, das als „Neujahrsfest der Freimaurer" ganz neu ist. Es bleibt die Frage offen, ob zur Bekämpfung dieser Ludendorffschen Judaeophobie der Psychiater nicht zuständiger wäre als der Politiker. Untersuchung gegen Professor Lubarsch. Die Deutsche Liga für Menschenrechte hat an den preußischen Unterrichtsminister ein Schreiben gerichtet, in dem sie ein Einschreiten gegen den Berliner Professor Lubarsch, einen getauften Juden, wegen der Aeußerungen, die er bei der Sezierung der Leiche des in Untersuchungshaft gestorbenen Iwan Kutisker getan hat, verlangt. Der Minister hat eine Untersuchung zugesagt. — (Unsere Leser sind über den „Fall Lubarsch" wohl eingehend unterrichtet.) Eine unglaubliche Roheit. Wenn man meint, daß die so oft bewiesene Gemeinheit mancher Völkischen nicht mehr zu überbieten sei, wird man eines Besseren durch eine der letzten Nummern des berüchtigten Nürnberger Hetzblattes „Der Stürmer" belehrt, der folgende Notiz enthält: Der Jude Leo Lewandowsky hat in einem Zustand geistiger Erleuchtung (!) sechs seiner Rassegenossen umgebracht. Namentlich seine Eltern und seine vier Geschwister. Er wurde deswegen sechsmal zum Tode verurteilt. Der Jude Lewandowsky hat damit gegen den Talmud gehandelt. Er hätte laut tälmudischem Gesetz nur die Erlaubnis gehabt, Nichtjuden umzubringen. Wir haben aber keine Veranlassung, uns über die Untat des Juden aufzuhalten. Wir denken nur daran: wenn jeder siebente Jude ein Lewandowsky wäre, was wäre das für ein Glück! Wir ließen sie bei ihrem gegenseitigen Abtakeln ruhig gewähren und den siebenten, den Mörder, würden wir zum Tode verurteilen. Dann wäre die Judenfrage'gelöst." Man sollte von dieser Notiz einen kommentarlosen Sonderdruck mit sorgfältiger Quellenangabe in einer Millionenauflage verbreiten lassen. Vielleicht würde dann unseren nichtjüdischen Mitbürgern ein Licht auf-

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