Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 43 (21.10.1927)
- Date
- 1927-10-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 I DIE WAHRHEIT anerkennen. Sie würden sich, wenn man ihnen nicht den ihnen zukommenden Platz des ersten Vorsitzenden einräume, an der Bildung des Präsidiums nicht beteiligen. Die liberale Fraktion schlage den bisherigen Vorsitzenden zur Wiederwahl vor. Bei der Abstimmung ergab sich, daß 11 Stimmen für Geheimrat Dr. Julius Stern. 10 Stimmen für den liberalen Kandidaten, den bisherigen Vorsitzenden Rechtsanwalt Heinrich Stern, abgegeben wurden. Geheimrat Stern war damit zum Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung gewählt. Zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden wurden nun gewählt Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee (Jüdische Volkspartei), zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden Herr Moritz A. Loeb (konservativ). Die Liberale Fraktion beteiligte sich an diesen Abstimmungen nicht mehr. Nach dem Verlauf der ersten Repräsentantensitzung dürfte es nicht zweifelhaft sein, daß die Entscheidung auch bei der Vorstandswahl mit den 11 Stimmen des zionistisch-konservativ-mittelparteilichen Blocks gegen die 10 Stimmen der Liberalen getroffen werden wird. Einbruch im Schiff-Tempel. Vorigen Donnerstag, um halb 3 Uhr früh, hörten zwei Wachleute, als sie am Tempel in der Großen Schiffgasse vorbeigingen, Bohrgeräusche. Die Räume waren versperrt, die Rollbalken herabgelassen. Die Schlüssel hatte der Tempeldiener. Die Einbrecher waren so eifrig an der Arbeit, daß der eine Wachmann den Tempeldiener wecken konnte. Als sie in das angrenzende Lokal traten und Licht machten, stießen die Einbrecher den Rollbalken des anderen Ladens hoch und flüchteten. Sie wurden aber beide rasch eingeholt und verhaftet Die beiden Einbrecher sind wegen Einbruches bereits mehrere Male vorbestraft. Sie hatten zuerst den Laden eines Gebetbuchhändlers neben dem Tempel aufgebrochen und hatten die an den Tempel grenzende Mauer durchgestemmt. Als sie von den Wachleuten gestört wurden, hatten sie bereits die Vorderwand der eisernen Kasse sachgemäß angebohrt. Die Beiden haben ein stattliches Arsenal von Einbruchswerkzeugen eingebüßt, das sie im Stich lassen mußten. Der Mädchen- und Frauen-Verein „Krankenbesuch" Bikur Chaulim, I., Seitenstettengasse 4, bringt seinen Gönnern und Mitgliedern zur gefälligen Kenntnis, daß seine festliche Generalversammlung anläßlich des 25jährigen Vereinsbestandes, bonntag, den 23. Oktober L J., nachmittags, 5 Uhr, im Festsaale der Israelitischen Kultusgemeinde. I., Seitenstettengasse 4, stattfindet. Hochzeitsjubüäum. Am zweiten Rosch-haschonoh-Tage feierte Herr Obmann Leopold Berg er mit seiner Gattin Mathilde geb. Schwarzkopf das 30jährige Hochzeitsjubiläum. Aus diesem Anlasse fand im Rahmen des Gottesdienstes eine schöne Feier im Simmeringer Tempel statt. Oberkantor Max Schi dl o brachte im Namen des Vorstandes einen selbstverfaßten hebräischen Segensspruch äußerst wirkungsvoll zum Vortrage, der bei den zahlreichen Anwesenden allgemeinen Beifall fand. Die Kinder des in Simmering hochgeschätzten Jubelpaares spendeten aus diesem Anlasse eine reich mit Gold verzierte Decke für den Almemor des Tempels. Eine neue Jargonbühne. Donnerstag, den 6. Oktober wurde in der Praterstraße 34 (Theater Reklame) eine neue Jargonbühne unter dem Titel „Jüdische Künstlerspiele" eröffnet. Zur Darstellung gelangte das dreiaktige Volksstück „Unser Glojben" von Schalom Asch. Das Repertoire dieses neuen jüdischen Theaters wird sich aus ü ISRAELITISCHE KULTUSGEMEINDE WIEN. Z. 6874 ex 1927. Wien. 17. Oktober 1927. IfivasifliBmcMjtewiBBgg. Die Einschreibungen in die Bibelschule. EH.. BtemB»B*«Bm€itf&£arciföe 3S( finden für das Schuljahr 1927/28 Sonntag, den 23. Oktober 1927, von 10 bis 12 Uhr vormittags, Dienstag, den 25. Oktober 1927. von 2 bis 4 Uhr nachmittags, und Sonntag, den 30. Oktober 1927. von 10 bis 12 Uhr vormittags, im Schullokale statt. Der Unterricht ist unentgeltlich. Der Vorstand. ernsten literarischen Stücken und „Bunten Abenden" zusammensetzen. Jüdische Selbstmordstatistik. Die wirtschaftsstatistische Sektion des Jüdischen Wissenschaftlichen Instituts in Berlin hat Untersuchungen über die Zahl der Selbstmörder unter den Juden angestellt und kam zu den folgenden Resultaten: Im Jahre 1925 haben von 100.000 jüdischen Seelen Selbstmord begangen: in Berlin 68, in Budapest 48, in Wien 45, in Warschau, wo die Wirtschaftskrise eine Steigerung der Zahl jüdischer Selbstmörder verursachte, nur 17, in Lodz nur 7. Eine Statistik der jüdischen Nüchternheit. Im) Zusammenhang mit dem Bestreben der polnischen Regierung, den Verkauf von Alkohol einzuschränken, wird darauf verwiesen, daß in Warschau allein im abgelaufenen Jahre 64.900 Persooiein wegen V o 111 r un k e nh eit verhaftet werden mußten. Unter diesen waren nur neun Juden. Da die Juden in Warschau 33 Prozent der Gesamtbevölkerung repräsentieren, beweist diese Ziffer, daß die Juden auch heute noch zu dem nüchternsten Teile der Bevölkerung von Warschau gehören, wie dies auch anderswo der Fall ist. Unentgeltliche Arbeitsvermittlungsstelle des jüdischen Hochschulausschusses. Hofmeister, Hauslehrer mit Kenntnissen fremder Sprachen, auch für Nachhilfeunterricht in allen Mittelschulfächern (Philosophen, Pädagogen), erstklassige Kräfte für kommerzielle Unternehmungen und Advokaturskanzleien (Handleshochschüler, Juristen) Privatsekretäre, vermittelt Zimmermannplatz 8, Tel.: 25-2-28. Telephonischer Aufruf oder Postkarte genügt. (föriefbasten. Wette. Der Schauspieler Moissi ist weder Jude, noch hat er je dem Judentum angehört. N. B. Auf die Berufung Erich Wolfgang Korngolds, des berühmten Komponisten, an die Wiener Staatliche Hochschule für Musik können wir deshalb nicht eingehen, weil der Künstler, der jüngste Musikprofessor der Welt, vor etwa Jahresfrist aus dem Judentum ausgetretenist. KONKURS Bei der Pesier Israelitlsdien Rellglonsgemelnde gelangt die Stelle eines Kantors zur Besetzung. In Betracht kommen nur Bewerber unter 40 Jahren, die eine umfangreiche, geschulte Tenor- oder hohe Bariton-Stimme, musikalische und liturgische Ausbildung besitzen und sowohl für den traditionellen Gesang als auch für den modernen Gottesdienst sowie im Thoralesen (Bai-Kor eh) qualifiziert sind. Bewerber wollen ordnungsgemäß belegte Offerte mit dem Nachweis der vorbezeichneten Erfordernisse, ferner ihres Alters, Familienstandes sowie der bisherigen Verwendung (Dokumente in Abschrift) nebst Lichtbild bis 15. November 1927 an die Zeremonienabteilung der Pester Israelitischen Rellgionsgemeinde Budapest, VII. ker., Sip-ucca 12 richten. Budapest, 14. Oktober 1927. Vorstand der Pester israel. Religionsgemeinde