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Die Wahrheit · 1927-10-21 · Heft 43 (21.10.1927) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 43 (21.10.1927)
Date
1927-10-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 illllllllM Ült! WANRllCil minister Joukowski gesprochen hat. Um Haß zu erregen, um die Truppen durch Plünderungen zufrieden und durch unmenschliche Grausamkeiten in ihrem Blutdurst zu allem fähig zu erhalten, wurden die Pogrome angestiftet. Das damalige ukrainische Ministerium sprach sich fortgesetztgegendie Pogrome aus und forderte von dem obersten Feldherrn Petljura die B e s t r a f u n g der Schuldigen. Petljura sagte sie zu, hatte vielleicht auch ab und zu eine Gewissensregung und wollte einschreiten, konnte aber die Geister nicht mehr los werden, die er gerufen hatte. So nahmen die Schändlichkeitea, die seine Unterführer zu einem großen Teil immer und immer wieder die Truppen begehen ließen, ihren Fortgang, wenn Petljura sie.vielleicht auch in der letzten Zeit seiner unheilvollen Tätigkeit nicht mehr direkt förderte. III. Man müßte das jetzt erschienene Werk in alle Kultursprachen übersetzen; in den Schulen sollte über diesesBuch gespr ochen wer den. Nich t nuretwainjüdischenKreisen. Denn diese wissen und sollten wenigstens wissen, was noch das zwanzigste Jahrhundert an nicht wiederzugebenden Gemeinheiten über Hunderttausende von Juden ausschütten konnte. Auch die jüdischen Menschen sind zum Teile träge und faul, wenn sie sich persönlich nur weit genug vom Schusse glauben. Aber sie sollten nachdenken und sich sagen: das Wort Pogrom, das zum Bestandteil aller Weltsprachen geworden ist, bedeutet nichts anderes, als die von Feuilleton Kaddisch vorKoUNidre in der Prager AltneuschuL Erzählt von S. Kohn. (Fortsetzung) „Es war eine schöne Winternacht, als ich in meinem Heimatdorfe anlangte. Ich hatte die Pferde rücksichtslos angespornt. Trotz rastlosem Jagen wurde es Mitternacht, als ich vor meinem Hause hielt. Mein Herz schlug heftig, als wollte es zerspringen. Plötzlich erblickte ich die Tür meines Hauses geöffnet War es Fahrlässigkeit des Gesindes, oder — schrecklicher Gedanke — wurde die Tür für den Geliebten meines Weibes geöffnet? Dieser Gedanke, der mich schon lange beschäftigte, brachte mich in eine wahnsinnige Aufregung. Ich mußte mir Ueberzeugung schaffen! Vorsichtig, mit einem Dolch in der Hand, durchschritt ich die mir bekannten Treppen und Gänge; endlich erreichte ich die Tür, die in das Schlafzimmer meines Weibes führte. Ein Druck an der Klinke, und die Tür war geöffnet. Lautlos trat ich ein und horchte. Ich hörte nichts als den ruhigen milden Atemzug meines Weibes. Gerührt erhob ich meinen Blick zum Himmel, dem Zug meines Herzens folgend, stürzte ich auf ihr Bett und drückte einen glühenden Kuß auf ihre rosigen Lippen. Ich war reichlich entschädigt für die Qualen der Vergangenheit, ich war bei meinem holden Weibe. Es war der schönste Augenblick meines Lebens, oh, daß er auch der kürzeste sein mußte!" .... Bei diesen Worten stützte der Soldat, den Aufregungen der Erinnerung unterliegend, sein Haupt auf beide Hände und staatlicher Macht angeordnete oder geduldete tierische Ermordung und Beraubung unschuldiger Juden. Es liegt zunächst in dem Begriff das Wesensmerkmal: Gegen Juden gerichtet« Gewalttaten! Man merke: Nicht etwa ein Bürgerkrieg, der Opfer erfordert, sondern die von der Obrigkeitgewünschte, w ennauchfastimmer von ihr nachher abgeleugnete Vergewaltigung jüdischer Menschen. Eingeführt ist die M e t h o d e v o n d e n r u s s i s c h e n Z a r i s t e n. Sie wurde nicht etwa geübt, Unrecht, das es natürlich auch bei den Juden gibt, zu bestrafen, sondern sie wurde immer nur dann angewandt, wenn man desPöbelsBlutdurstund Plünderungssucht befriedigen wollte. Man warf ihnen dann die Juden hin. Somit ist Petljuras Wort: „Die Pogrome helfen die Disziplin im Heere aufrechtzuerhalten" e i n offenes Geständnis einer furchtbaren Verirrung des Menschengeistes. Diesen Verirrungen werden wir Juden in allen Ländern so lange ausgesetzt sein, als eine Minderheit leicht Gegenstand der Befriedigung von Pöbelinstinkten werden kann und so lange das religiöse und sittliche Bewußtsein in den herrschenden Kreisen sich auf dem heute überwiegenden Tiefstand bewegt. Dagegen helfen keine jüdischen Protestversammlungen. Etwas anderes muß eintreten: Zunächst einmal müssen die Juden in ihrer Gesamtheit und nicht nur in einzelnen Teilen die Schmach empfinden, die ihnen allen angetan ist. Sie müssen die Vertreter der Religionen, des Staates in den verschiedenen Ländern schluchzte laut. Nachdem er sich gesammelt hatte, fuhr er fort: „In diesem Augenblicke öffnete sich die Tür des anstoßenden Gemaches; eine Anzahl bewaffneter Männer, von denen einige Fackeln trugen, drangen in das Zimmer. Der Anführer war ein robuster Mann mit vor Wut verzerrten Zügen. „Hab' ich dich, Räuber meiner Ehre, ehebrecherischer Schurke!" rief er, mich mit einem Schlage zu Boden werfend; „stirb Hund!" Beim Scheine der Fackeln erkannte ich, daß die schöne junge Frau nicht mein Weib sei. Der gekränkte Ehemann war also von all den Qualen erfüllt, denen meine Seele noch vor kurzem preisgegeben war. Ich fühlte, daß ich keine Gnade zu erwarten habe. Der Wütende wollte mich mit seinem Schwerte durchbohren, doch fiel ihm ein zweiter kräftig in den Arm. „Halt, Stanislaus, das leid' ich nicht! Siehst du denn nicht, daß der Verruchte ein Jude ist? Das Schwert eines Zborowski ist zu gut, um einen elenden Juden zu töten. Laß ihn deinen Hunden vorwerfen, laß ihn verhungern, mach' mit ihm was du willst, aber du, du selbst darfst ihn nicht töten!" „Wie gut er sich vorgesehen hat," bemerkte ein anderer, „mit einem scharfen Dolche; ei, seht doch!" Das totenbleiche Weib, das bisher, zweifelsohne im Bewußtsein ihrer Schuld zitternd, geschwiegen hatte, erhob jetzt ihre Stimme: „Geliebter Mann." rief sie, „kannst du's glauben, daß ich einen Juden liebe, ich, die Gemahlin Stanislaus von Zborowski? Und kommt man mit einem Dolche zu seiner Geliebten?" Die Schlange blickte ihren Gemahl zärtlich an, er glaubte ihr, und sie war gerettet. Gefaßt sprach ich: „Haltet euer Urteil zurück, edle Herren, bis ich geredet!" Unter den Kriegern, denn solche waren die Männer, befand

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