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Die Wahrheit · 1927-10-14 · Heft 42 (14.10.1927) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 42 (14.10.1927)
Date
1927-10-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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DIE WAHRHEIT SlilllM Seite 11 % Wahrheiten vom Ja*e^ Ein schlechter Beobachter. Herr Rudolf Steppi las auf der Straßenbahn den „Völkischen Beobachter". Scheinbar flößte ihn die interessante Lektüre wahrhaft teutonischen Mut ein, denn er sagte plötzlich ohne irgendwelche Veranlassung zu dem Kaufmann Richard Rahm, der ruhig hinter ihm stand: „Schaun Sie, daß Sie weiterkommen, sonst kriegen Sie ein paar Ohrfeigen, Sie Ostjud!" Es kam zu einem Riesenkrach, beide, der „Völkische" und der „Ostjud", mußten aussteigen. Rahm klagte Steppi auf Ehrenbeleidigung. Steppi verteidigte sich, was bei unseren Hakenkreuzlern nicht selten vorkommt, mit einem angeblich nur bei Juden üblichen „Dreh". Er habe beobachtet, wie Rahm an ihnangestoßen, worauf er gesagt habe, solche Manieren seien im Osten angebracht. Da aber einwandfreie Zeugen den Sachverhalt ganz anders darstellten als der schlecht beobachtende Leser des „Völkischen Beobachters", bestrafte Oberlandesgerichtsrat Fuchsig Steppis Anfall von furor teutonicus mit sechzig Schilling. Hier sind also völkische Manieren, die sich so wohltuend von denen des Ostens, sprich „jüdischen", unterscheiden, nicht straffrei geblieben. Hübsches Kolorit. Unsere Herren Hakenkreuzler sind doch immer wieder erfinderisch, wenn es sich darum handelt, den Juden eins am Zeuge zu flicken. Der „berühmte" Herr Dr. Walter Riehl, der durchgefallene Parlamentskandidat gründete dieser Tage einen „Bund zum Schutze der Ehereinheit". Wenn es der Führer der Hakenkreuzler für notwendig findet, einen solchen Bund zu gründen, so wird er wohl wissen warum . . . Wahrscheinlich erachtet er die Gründung eines solchen Bundes angesichts der Verhältnisse in seinem Lager für geboten. Aber er wäre kein Anbeter Wotans, wenn er die wirklichen Gründe bekanntgeben sollte, die einen solchen Bund notwendig machen. Deswegen sucht er andere Motive: die Eheschließung mit Farbigen und — Juden soll für ungültig erklärt werden. Früher sollen angeblich viele Juden die Taufe genommen haben, um Christinnen heiraten zu können: das war den Herren schließlich recht. In der letzten Zeit soll sich aber das Blatt gewendet haben. Die Juden und Jüdinnen wollen sich nicht taufen lassen, deswegen treten Christen und Christinnen zum Judentum über. Da sei die Gefahr sehr groß und rasche Abhilfe geboten. Also: Ungültigkeitserklärung der Ehen zwischen Juden und Nichtjuden. Die „Farbigen" wurden nur so nebenbei herangezogen. Es gibt nur wenige „Farbige" in Oesterreich . . . Gemeint sind natürlich nur die Juden ... J. K. Die letzte Konsequenz?! Die Wiener Juden, genauer gesagt, die Wiener Jüdischnationalen — denn nur zu diesen dürfte er gesprochen haben, obwohl er sich anmaßte, beim Verlassen Oesterreichs wie seinerzeit große Potentaten eine „Botschaft an die österreichischen Juden" zu erlassen — erinnern sich wohl noch des zionistischen Propagandavortrages Colon e 1 Wedgewoods, den dieser hier ebenso begeistert (weniger begeisternd) gehalten hat, wie er dies vorher und nachher mit gleichem Redeschwung und -schwall bei seiner Durchreisung der halben Welt in anderen Städten getan hat. Er. der englische Abgeordnete und frühere Minister im sozialistischen Kabinett Macdonald, trat als Nichtjude immer wieder für den Zionismus, besonders im englischen Unterhaus, mit aller Entschiedenheit ein. Nun veröffentlicht dieser große Zionistenfreund im Londoner „Jewish Chronicle" einen interessanten Vorschlag, der, was womöglich noch interessanter ist, mit wenigen Ausnahmen in der zionistischen Presse gar keinen Widerhall gefunden hat. Dabei fordert Wedgewood vom jüdischnationalen Standpunkt wahrhaft Entsetzliches: „Die Ziönisten müssen sich vor allem darüber klar werden, daß in. der gegenwärtigen Epoche das Regime einer Kronkolonie den Verhältnissen am besten angepaßt ist. Es würde, glaube ich, für. die zionistische Bewegung nicht verletzend sein, wenn man ihr klar machte, daß das letzte Ziel des Zionismus dies wäre: Palästina ein sich selbst regierendes Dominion des British Empire. Würden sich die Ziönisten dazu bekennen, so würden sie in einem weit höheren Maße als jetzt die britischen Sympathien besitzen und auch eine bessere Atmosphäre in Jerusalem schaffen. Eine Kooperation ist um so leichter, als beide Teile sich darüber klar sind, daß sie auf das gleiche Ziel losstreben. Ist über diese Angelegenheit einmal Klarheit geschaffen, dann können alle Ziönisten — Anglosachsen wie Juden — mit sicherer Wirkung alles kritisieren, was von der palästinensischen Regierung schlecht gemacht wird." Das also soll „das letzte Ziel des Zionismus" sein? Dafür die großen Anstrengungen? Statt des „Judenstaates" „englische Kronkolonie"! Das schlägt ein angeblicher Freund der Ziönisten. von diesen für ihre Zwecke wiederholt herangezogen, vor, ohne auf Widerstand seitens der offiziellen Kreise zu stoßen. Immer wieder bestätigt sich die Ansicht: Es ist was faul — in der — geht es nach Wedgewood — künftigen „englischen Kronkolonie" Palästina. Achtuns, jüdische Weltherrschaft! Einer der neuesten Bände der bekannten Sammlung Reclams Universalbibliothek trägt schlicht den Titel Stefan Zweig; Goethes Gedichte. Wir möchten doch empfehlen, die Bestrebungen zur Aufrichtung der jüdischen Herrschaft in der Welt vorläufig noch etwas weniger deutlich kundzutun. Für die Beschlagnahme von Goethes Gedichten durch einen Juden scheint es uns noch hundert Jahre zu früh zu sein. Kongreßeindrücke. Es ist jetzt im Wiener Zionistenlager modern. Vorträge der Wiener jüdischnationalen Teilnehmer am Zionistenkongreß über deren Eindrücke von demselben zu veranstalten. Oberrabbiner Dr. Chajes für das Zionistische Landeskomitee, der „Radikale" Robert Stricker, der „Gemäßigte" Dr. J. Schallt, haben in gesonderten Versammlungen das Wort ergriffen und ebenso verschieden sind natürlich ihre Eindrücke. Gemeinsam ist allen Reden nur die Depression, nur wie sehr diese zugegeben wird, ist schon wieder je nach Parteistellung nüanciert. So sagte Oberrabbiner Dr. Chajes: „Die wirtschaftlichen Verhältnisse am Kontinent, von denen das Aufbauwerk Palästinas ziemlich stark abhängt, haben sich in den letzten Jahren derart verschlimmert, daß sich demzufolge auch Schwierigkeiten in Palästina ergeben haben." Besonders aufrichtig war aber der Bericht des Vizepräsidenten des Baseler Zionistenkongresses. Dr. J. Schalit, der vor dreißig Jahren an der Seite Theodor Herzls den ersten Baseler Kongreß vorbereitet hatte, über die Ergebnisse dieses traurigen „Jubiläumskongresses". Er mußte mehrmals betonen, daß hauptsächlich materielle Momente für beinahe alle Entschließungen des Kongresses maßgebend waren, besonders bei der Resolution über die Erweiterung der Jewish Agency. Dr. Schalit führte zu diesem Punkte unter anderem aus: „Professor Weizmann trat — namentlich mit Rücksicht auf die gewaltigen finanziellen Leistungen der amerikanischen Judenschaft — für deren Eintritt in die „Jewish Agency" ein und die Mehrheit des Kongresses hat zugestimmt. D i e DANKSAGUNG! Für die uns anläßlich des leider so frühzeitig erfolgten Ablebens unseres innigstgeliebten unvergeßlichen Sohnes, resp. Bruders und Schwagers, des Herrn RICHARD WEISS so zahlreich zugekommenen Beweise aufrichtiger Teilnahme sprechen wir hiermit allen Korporationen, Freunden und Bekannten unseren herzlichsten, tiefgefühltesten Dank aus. Im Namen der tieftrauernden Familie Jakob Weiss Wien, im Oktober 1927.

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