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Die Wahrheit · 1927-10-14 · Heft 42 (14.10.1927) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 42 (14.10.1927)
Date
1927-10-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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OSE WAHRHEIT iiniiiiiniQUlllilui Seite 9 Radvansky — der allerdings der Neffe des edlen Stephan Tisza ist — erbaut wurde. Er war es auch, der bei der Einweihung das Tor zum Gotteshause öffnete. Aber wer wird nicht von Staunen und Rührung erfaßt, wenn er vernimmt, wer die Priester waren, die die Einweihungsreden hielten? Nach dem Rabbiner betraten nacheinander die Pfarrer der katholischen, der reformierten und der evangelischen Gemeinden (ihre Namen verdienen es, verewigt zu werden): Eugen Szalay, Julius Bartha und Andreas Ligeti, die Kanzel und verkündeten mit beredten, hinreißenden Worten den zu Tränen gerührten Hörern die Lehre, daß die Liebe zu dem eigenen Glauben nicht mit dem Haß gegen Andersgläubige verwechselt werden dürfe, daß das erlösende Gebot der Nächstenliebe wirklich Gemeingut des Alten und des Neuen Testamentes sei! Wer weiß, ob es den gelegentlichen vereinigten Bemühungen der Diplomaten so leicht gelänge, die Völker und Nationen in den tödlichen Kampf gegen einander zu hetzen, wenn die Priester aller Konfessionen sich darin einigen würden, im Sinne ihrer Religion den Haß unter den Menschen als Frevel gegen Gott zu brandmarken! Wird Wien doch endlich dem Manne ein Denkmal errichten, dem, die schwersten Alkoholiker ausgenommen, jeder Bewohner dieser Stadt zu unauslöschlichem Danke verpflichtet ist? Gewiß, manchei ausgezeichnete Mann, dessen Monument längst eine Zierde unserer Stadt bildet, hat diese Ehrung nach seinem Tode ebenso redlich verdient, wie die enthusiastischen Festreden, die ihm bei Lebzeiten von Verehrern bei strömendem Champagner gehalten wurden. Aber wo ist ein zweiter wie Eduard S u e ß, an den jeder Wiener täglich bei jedem Glas köstlichen Hochquellenwassers, das er trinkt, als an einen der verehrungswürdigsten Wohltäter erinnert werden dürfte. Eduard Sueß hat sich durch epochale wissenschaftliche Werke schon selbst das dauerhafteste Denkmal errichtet, das hat aber noch keineswegs von der Verpflichtung enthoben, in Stein oder Erz den Dank gegenüber dem Schöpfer der ersten Hochquellenwasserleitung auszudrücken. Die in den letzten Jahren schon wiederholt schüchtern aufgetauchte Anregung, Wien durch die Errichtung eines Sueß-Denkmals zu ehren, wäre vielleicht schon längst verwirklicht worden, wenn die Erinnerung an den edlen Mann nicht durch einen dunklen Fleck getrübt wäre, den selbst die mächtigsten Hochquellfluten bisher nicht, wegwaschen könnten. Das ist: die unabstreitbare jüdische Abstammung Eduard Sueß! Das Komitee, an dessen Spitze kein Geringerer als der Präsident der Republik steht, hat in einem flammenden Aufruf die Einlösung dieser Dankesschuld gegen Eduard Sueß gefordert. Hoffen wir, daß diese Mahnung nicht ungehört verhallen wird. * . * * Bei dieser Gelegenheit darf wohl an die schmachvollen Mittel erinnert werden, mit denen seinerzeit die Antisemiten gegen die Wahl von Eduard Sueß in dem Reichsrat kämpften. Sueß selbst erzählt in seinen Memoiren ein köstliches Beispiel von den ungeheuerlichen Fälschungen, mit denen für seinen Gegenkandidaten gearbeitet wurde. Dieser war allerdings niemand anderer als der Mechaniker Schneider, der wirklich in allem und jedem den vollendeten Gegensatz zu Sueß bildete. „Um törichte Wähler irrezuführen, verbreiteten die Antisemiten'* — schreibt Sueß — „in tausenden von Abdrücken einen an die Juden gerichteten Aufruf, in dem sie aufgefordert wurden, für mich zu stimmen, da ich erklärt hätte, daß nur die Juden als das auserwählte Volk Gottes berufen sind, die Herrschaft über das Abendland zu übernehmen, und ich dem unterzeichneten Komitee das bindende Versprechen geleistet hätte, mich des bedrängten Volkes Gottes anzunehmen." Diese Fälschung war, daß muß zugegeben werden, auch nicht viel dümmer, als die in den „Weisen Von Zion" Herzl und Nordau angedichteten Projekte, von deren Echtheit sich selbst ein Ludendorff überzeugen ließ. Die Christen im II. Bezirk unter der Führung des Notars Foltanek und des Advokaten Dr. Schuster waren aber vor ein paar Jahrzehnten zu klug, um die blödsinnige Fälschung nicht als solche zu erkennen. Sie wählten Sueß mit einer ungeheueren Majorität. * * * Nicht uninteressant ist vielleicht auch das Detail, daß, wie gleichfalls Sueß erzählt, ein freisinniger Abgeordneter sich damals der Mühe unterzog, den Ursprung der ungeheuerlichen Fälschung zu verfolgen. Der Aufruf war von dreizehn Mitgliedern eines Komitees bestehend aus Trägern unverfälscht jüdischer Namen unterschrieben. Elf davon waren überhaupt nicht auffindbar, denn sie existierten offenbar nur in der schöpferischen Phantasie der unter Leitung Schneiders arbeitenden Wahlmacher. Zwei lebten wirklich, aber sie waren bereit, vor Gericht zu schwören, daß ihre Unterschrift gefälscht und mißbraucht worden sei. Der Abgeordnete, der sich das Vergnügen gemacht hatte, diese Fälschung so gründlich zu entlarven, war der — evangelische Superintendant Dr. Haase. Der hatte übrigens Mut genug, den Antisemiten auch im Parlament als Antwort auf ihre Fälschungen vernichtende Wahrheiten ins Antlitz zu schleudern. * # * Der Exkaiser Wilhelm II. hat dem berühmten Interviewer Silvester Viereck, offenbar ohne auf seine Diskretion zu rechnen, mehrere interessante Mittei- |y| m g g LFAB R I K FERNSPRECH-NUMMER 45-1-91 ^^MS5TnPPENHEIM WIEN, 2. BEZ., PRATERSTRASSE NR. 30 ^^^^^^^^^^^^^^^^^M Reiche Auswahl solid gearbeiteter Möbel zu billigsten Preisen

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