Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 42 (14.10.1927)
- Date
- 1927-10-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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tfiE WAHRHEIT :i!::!IJ!!]!j|||!!!!il!!!!ll!l!!!!l!l!!t!!l![!llt!!l!lillllli!!l!ltlllll!l!I!lllll ^ejte? Ein Jubiläum der jüdischen Wissenschaft. Am 2. November 1927 kann die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken. Ihre Gründung erfolgte in einer Epoche tiefer Depression und seelischer Not der westeuropäischen Judenheit Es war die Zeit, da unter den Gebildeten der Abfall vom Judentum grassierte, namentlich unter den Akademikern die Taufe ihrer Kinder an der Tagesordnung war, es war die Zeit, wo Friedrich D e 1 i t z s c h's Verträge über Bibel und Babel und ähnliche Veröffentlichungen sich bemühten, „den Nimbus des auserwählten Volkes herabzusetzen", wo Bücher wie H a r n a c k's Wesen des Christentums verschlungen und als Lockruf zu einem „geläuterten Glauben" verstanden wurden. Jüdische Schriften von Bedeutung, die diesen Gefahren in wirksamer Weise begegnen konnten, gab es nicht oder sie blieben unbekannt; sie gelangten über einen kleinen Kreis von Fachmännern nicht hmaus, nicht einmal im Religionsunterricht fanden sie Verwertung. Aber in der Hauptsache beschäftigte man sich in jüdischen Kreisen mit kleinlichen Untersuchungen philosophischer oder historischer Einzelheiten, die großen Fragen der Weltanschauung und des unmittelbaren Lebens blieben ebenso vernachlässigt wie die damals vielbesprochene und duTch die Ausgrabungen im vorderen Orient in Fluß geratenen Probleme der biblischen Kritik. In der Not der Zeit propagierte ein junger Rabbiner, Dr. Leopold Lucas, in Glogau, die Gründung einer „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums". Zwei Ziele hatte er vor allem im Auge: Erstens sollte der Zusammenschluß aller verfügbaren Kräfte der gesamten wissenschaftlichen Bewegung und die Möglichkeit bedeutsamer gemeinsamer Arbeiten, die alle anderen Zweige der Wissenschaft groß gemacht haben, gewährleisten. Sodann sollte die Gesellschaft einen beträchtlichen Mitgliederkreis werben, ihn für jüdisch-wissenschaftliche Werke interessieren und so den Veröffentlichungen auf jüdischem Gebiete einen ausgiebigen Leserkreis sowie eine gewisse Resonanz sichern. Schon der erste Aufruf hatte unerwartete Wirkung. Fast alle eingeladenen Gelehrten erklärten sich zur Mitarbeit bereit. Die Gründungsversammlung wurde nicht nur von Teilnehmern aus allen Teilen Deutschlands beschickt, sondern auch aus Oesterreich und Polen und weit über diese Länder hinaus ging die Zustimmung zu der neuen Gründung und die Anmeldung von Mitgliedern. Die Gesellschaft trat unter der tatkräftigen Leitung von Prof. Dr. Martin Philippson, Berlin (gest. 1916) und Rabbiner Dr. Jacob Guttmann, Breslau (gest. 1919) ins Leben und begann sofort eine energische und begeisterte Tätigkeit. Sie übernahm die voa Dr. M. Brann in Breslau (gest. 1920) geleitete „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" als ihr Organ und sandte sie ihren Mitgliedern unentgeltlich zu. Ebenso ließ sie ihnen das „J a h rbuch für jüdische Geschichte und Literatur" zugehen. In ihrer alljährlichen öffentlichen Mitgliederversammlung mußte ein wissenschaftlicher Vortrag gehalten werden, der ebenfalls gedruckt und unter den Mitgliedern verteilt wurde. Ferner wurden Gelehrte in ihrer Forschungsarbeit unterstützt und Einzelschriften herausgegeben, ein sehr glücklicher Anfang wurde mit Leo Baeck's Buch: Das Wesen des Judentums, gemacht, dessen vierte Auflage inzwischen fast vergriffen ist. Vor allem aber wurden monumentale wissenschaftliche Veröffentlichungen in Angriff genommen, an denen heute noch gearbeitet wird. So die Germania Judaica; sie sollte alle Landschaften und Orte des deutschen Reiches, wo von den ältesten Zeiten bis zu den Wiener Verträgen von 1815 jüdische Ansiedlungen bestanden oder hervorragende Juden gelebt haben, in alphabetischer Reihenfolge verzeichnen und deren Geschichte und Leistungen auf Grund der Quellen in möglichst knapper Form gemeinverständlich darstellen. Eine Beherrschung und Zusammenfassung der zahlreichen weitschichtigen Quellen war hierzu erforderlich. Die Schwierigkeit der Arbeit wurde damals unterschätzt, nur die erste Hälfte des ersten Bandes konnte 1917 erscheinen und gerade jetzt steht die zweite Hälfte dieses Bandes vor dem Abschluß. Ein anderes Schmerzenskind ist das Corpus Tannaiticum, das alle Texte der tannäischen Literatur inkritischer Bearbeitung veröffentlichen sollte, ein überaus schwieriges Unternehmen, das langjährige, tief eindringende Prüfung' von schwer zu- gänglichen, in allen Erdteilen zerstreuten Handschriften erforderlich machte und dadurch besonders erschwert wurde, daß die Zahl der geeigneten Sachkundigen überaus gering ist. Ein Unternehmen ganz großen Stils war der Grundriß der Gesaratwissenschaft des Judentums, der zunächst auf 36 Bände berechnet war und Monographien über den ganzen Kreis der jüdischen Wissenschaft enthalten sollte. Auch dieser Plan konnte bisher noch nicht ganz durchgeführt werden; es sind im ganzen 13 Bände erschienen, aber es spricht für die Notwendigkeit und die Güte dieser Werke, datf sie fast alle mehrere Auflagen erlebt haben. Weit mehr noch als in der sehr beträchtlichen Zahl von 2'i Jahrgängen der Monatsschrift: und 34 Einzelschriften zum Ausdruck kommt, hat die Gesellschaft durch die enge Verbindung mit ihren Mitgliedern, dur;h die Anregung und Belehrung, die sie in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen in fünf Erdteilen verbreitet hat, für das Judentum gewirkt. Einen Höhepunkt ihrer bisherigen Tätigkeit bedeutete die Mitgliederversammlung in Frankfurt a. M. im Juni 1914; ähnliche Veranstaltungen waren in anderen Städten geplant, mußten aber infolge des Weltkrieges unterbleiben. Wie alle gemeinnützigen Institute hat auch die Gesellschaft durch Krieg und Inflation schwer gelitten, aber dank der Treue ihrer Mitglieder und der Festigkeit ihrer Verwaltung ist sie nicht zugrunde gegangen. Sie hat ihre Leistungen vorübergehend eingeschränkt, ist aber jetzt wieder in voller Tätigkeit. An den großen wissenschaftlichen Unternehmungen wird rastlos weitergearbeitet, neue Bände des Grundrisses gehen in den Druck, wertere stehen in naher Aussicht. Neben kleineren Schriften, deren Ausgabe nahe bevorsteht, erscheint als Jubiläumsgabe das Prachtwerk von Dr. C. Tassilo Hoffmann: Abraham-Abrahamson; 60 Jahre Berlinischer Medafllenkunst. Wie diese beiden Künstler von epochemachender Bedeutung für ihr Gebiet waren, so wird auch dieses Werk durch die Fülle des neuen, bisher völlig unbekannten Materials, sowie durch die in Deutschland seit langem nicht gekannte Kunst der Ausstattung Aufsehen erregen. Was die Gesellschaft leistet, kommt ihren Mitgliedern zugute, die Zugehörigkeit zu ihr bringt nicht nur moralische Genugtuung, sondern auch materielle Vorteile. Für einen mäßigen Jahresbeitrag erhalten die Mitglieder nicht nur die Zeitschrift der Gesellschaft unentgeltlich, sondern auch auf alle ihre Veröffentlichungen einen erheblichen Rabatt*). Kräftig und lebensstark tritt die Gesellschaft in das zweite Vierteljahrhundert ihres Bestehens. Sie hat durch ihre bisherige Tätigkeit Anspruch auf die Dankbarkeit und tatkräftige Unterstützung aller derer, denen die Zukunft des Judentums am Herzen liegt. Es wird ihr der schönste Lohn sein, diese Unterstützung zu finden, um zu Ehren unseres Glaubens und unserer Gemeinschaft erfolgreich zu wirken. *) Beitrittserklärungen sind an das Büro der Gesellschaft, Berlin-Schöneberg, Belzigerstraße 46, II./2 (Nathan) zu richten; sie können auch durch Ueberwedsung von Mark 10.— an obige Adresse oder Einzahlung auf das Postscheckkonto Berlin NW. 7, Nr. 7030 (Paul Veit Simon) erfolgen. »■■■■■■■■—■■■■■■■■■»■■■■■■■■■■■■■■■■■■a m }b S WüBlt lenlnftt|S ■ mmmmm^^ . ■ B für Erziehung, Unterricht und Berufsaus-! ■ ■ bildung taubstummer, schwerhöriger, schwer | ■ ■ lernender und schwer erziehbarer Kinder j ■ ■ und Jugendlicher beider Geschlechter j ■ S Wien, III. Bezirk, Juchgasse Nr. 22 ■ ■ (Straßenbahnlinie F, O, 71) 1 ■ ■ SprechMits Taglich von 2 bis 4 Uhr j ■ 5 {Telephonisch wird keine Auskunft erteilt) | ■ S Dci!l€rBniHrtttDlr.Plill.Dr.S.Krenlicnl€r jg