Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 41 (7.10.1927)
- Date
- 1927-10-07
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Srite 16 Mtl^^ DIE WAHRHEIT (WtdUhriltii aw Soge £Vä< Fern der Heimat ... In dem oberschlesischen Kreisstädtchen Rosenberg fand vor kurzem auf . dem dortigen idyllisch gelegenen jüdischen Friedhof eine schlichte Feier statt, die Zeugnis ablegt von jüdischer Treue und Pietät auch gegen unbekannte Tote. — Beim Vormarsch der österreichisch-ungarischen Armee auf Warschau im Winter 1914 sind sechs jüdische Soldaten im Kriegslazarett in Rosenberg gestorben und auf dem dortigen Friedhof beerdigt worden. Trotz eifrigsten Bemühens der Synagogengemeinde Rosenberg, die nur etwa 100 Seelen zählt, war es nur in einem Falle möglich, die Angehörigen zu ermitteln; von den andern Soldaten ist lediglich der Name bekannt. Die jüdische Gemeinde empfand es infolgedessen als Ehrenpflicht, das Andenken an die toten Waffengefährten durch einen einfachen, aber künstlerisch ausgeführten Grabstein zu erhalten. Ein Sockel von größerem Ausmaß trägt ein aufgeschlagenes Buch mit der Inschrift: „Angehörige der österreichisch-ungarischen Armee." In dem Sockel sind die Namen der unbekannten Krieger eingemeißelt. Zur Enthüllung versammelten sich die meisten Mitglieder der Gemeinde; der Kultusbeamte, Herr L e w i n, rief in seiner Ansprache jene Tage wieder in Erinnerung, da die hier zu letzter Ruhe Gekommenen zum Schutze der schwer bedrohten Heimat auszogen und in treuer Pflichterfüllung ihr Leben hingaben. Fern von ihren Angehörigen, ruhen sie jetzt doch unter "Glaubensgenossen. Treue wacht an ihren Gräbern und wird das Andenken der toten Krieger stets in Ehren halben. — Mit einer Trauerandacht am Grabe der unbekannten Soldaten fand die Feier ihren würdigen Abschluß. Artur Trebltsch gestorben. Dieser Tage ist in Eggendorf bei Graz plötzlich Artur Trebitsch, gestorben, der in seinem schriftstellerischen Wirken mit Otto Weininger viel Aehnlichkeit hatte. Wie dieser einer jüdischen Familie entsprossen, lehnte auch er sich später .gexcn seine Stammesgemeinschaft auf, indem er sie aller nur möglichen schlechten Eigenschaften in mehreren Schriften Jbezichtigte und so den Antisemiten willkommenen Stoff für ihre Schmähungen bot. Auch sonst waren die Beziehungen Trebitschs zu den Judenfeinden sehr enge, besonders die — geldlichen. Denn die strammen Antisemiten verschmähten es nicht, von dem reichen Manne, der doch immerhin gerade nach ihrer Theorie ein Jude war, Geld für ihre Bestrebungen zu nehmen. Selbst Altmeister Fritsch mußte sich gegen Gesinnungsgenossen, die ihm wegen solcher Spendenannahme fibelwollten, oft zur Wehr setzen. Er konnte aber seine Freunde nicht davon überzeugen, daß es wirklich nur das reinste, auf ehrlichste Pathologie beruhende Band gewesen sei, das den deutschen Recken Theodor Fritsch mit dem kongenialen jüdischen Rassenfanatiker Artur Trebitsch verband. Diese beiden Arm in Arm zur Verkündigung der alleinseligmachenden Rassentheorie — das war wohl wieder eine Erfindung der „jüdischen Weltorganisation", die nach der „Dülz" Trebitschs Vernichtung durchsetzte. Eine wohltuende Abwechslung. Im Gegensatz zu dem Ergebnis der Würzburger Tagung der .deutschen Studentenschaft und dem Verhalten einer erheblichen Anzahl deutscher Universitätslehrer wie Passarge, Hamburg, Plate, Jena, Wundt, Jena, Haller, Tübingen, Lubarsch, Berlin und mancher anderer, stand nach den ..Abwehrblättern" der Geist der m Weimar jüngst versammelten Delegierten des •Reichs Verbandes akademischer Kriegsteilnehmer Deutschlands. Vor den Delegierten dieses Verbandes, der alle Richtungen, Reichsbanner, Stahlhelm, Reichsbund jüdischer Frontsoldaten usw. in sich faßt, hielt Professor Erich Obst, Hannöver, einen fesselnden Vortrag über .Akademische Kriegsteilnehmer, Volkstum und Weltpolitik"; besonders bemerkenswert war dabei die Definition, die der Redner dem Begriff „Deutscher" zuteil werxten ließ. Als Deutscher sei anzusehen, wer sich zur deutschen Kulturgemeinschaft bekenne, unabhängig vom Glaubensbekenntnis, von parteipolitischer Betrachtungsweise und von Rassenzugehörigkeit. Das ist die alte Begriffsbestimmung, die Friedrich Naumann, der unvergessene glühende Vaterlandsfreund und unbestechlich freie Geist gelehrt hat. »MP^—_ l I Ml —Bffwf Die vorllerende Nummer unseres Blattes ist 20 Seiten stark. Öle «ächsto Nonaner erscheint regulär Fratouc den 14 Oktober früh. ^mmmmmmmmmmmBmB^tmmB^amBsmaBBsma^masa^^^B- Tempeleinweihefest in Budapest. Freitag, den 23. September, 5 Uhr abends, fand iu Budapest die feierliche Einweihung des neuerbauten prachtvollen Gotteshauses in der Csaky-utca 3 statte Der Tempel, der den Namen „Leopoldstädter Synagoge" führt, ist ein wahres Meisterwerk des bekannten Architekten Lukacs; der Almemor befindet sich in der Mitte des großen Betraumes, wodurch sinnfällig eine: Rückkehr von der bisherigen neologen Richtung zur konservativen dokumentiert werden soll. Neben dem Tempel wurde ein herrlich schöner Saal mit einem Fassungsraum von mehreren hundert Personen errichtet, der kulturellen Zwecken dienen soll und gewiß bald ein Zentrum der Budapester Leopoldstädter Judenschaft bilden dürfte. Die Einweihung des Tempels gestaltete sich zu einem imposanten Festakte, namentlich deshalb, weil an der Feier die Regierung (sämtliche Ministerien) und die Vertreter der Hauptstadt teilgenommen haben. Folgende offizielle Persönlichkeiten waren anwesend: Oberbürgermeister Dr. Franz Ripka, die Ministerialräte N. Prodam und Dr. Csatary, Polizeirat Domonkos, In Vertretung der Pester israelitischen Kultusgemeinde Präsident Dr. Alex. Leder er, Vizepräsident Gustav G. Ehrlich, Hof rat Dr. Salomon Eulenberg, Herrenhausmitglied Dr. Samuel Glücksthal, Hofrat A. Kaszab, Direktor Ad. Wertheimer, Dr. Marcel Hajdu, Moritz Ledermann, Obersekretär Dr. Julius Gabor und Sekretär Alex. E p p 1 e r, die Mitglieder des Parlamentes Paul S ä n d o r und Dr. Eugen Gäl, der Rektor des Rabbinerseminars Dr. Ludwig Blau, für den Synagogenverein die Präsidenten Ministerialrat Dr. Edmund Blum und- Ministerialrat Alexander Stern jun., für die Chewra Kadischa Vizepräsident Max Kramer und Vorsteher Königl. Rat Ignaz Aranyi. Der Festakt wurde durch eine Weiherede.des,leitenden Oberrabbiners Dr. Simon Hevesi eingeleitet, die bei allen Anwesenden ohne Unterschied durch ihren Gehalt und die formvollendete Rhetorik des Redners einen mächtigen Eindruck auslöste. Hierauf folgten Ansprachen anwesender Notabilitäten, die der Bedeutung des Tages nach jeder rRichtung hin gerecht wurden. Die gottesdienstlichen Funktionen versah der junge Oberkantor Moritz Neu, der zunächst das „Ma tauwo" mit seiner geschulten, schön klingenden Heldenbaritonstimme vorzüglich zum Vortrage brachte. Durch diesen seinen Vortrag, wie auch durch den gelungenen Vollzug des Freitagabend-Gottesdienstes gewann er rasch die Sympathien der großen Schar der anwesenden Tempelbesucher, die ihm am Schluß des Gottesdienstes herzliche J'jascher Koach zuriefen. Dem Präsidenten der Pester isr. Religionsgemeinde Dr. Alexander Lederer, dem Obmann des Leopoldstädter Sprengeis Ministerialrat Dr. Edmund Blum und dem Obmann des Bethausvorstandes Ministerialrat Dr. Alexander Stern jun^ wurden als Initiatoren des schönen Werkes laute und herzliche Ovationen dargebracht. Wiederherstellung des großen Leopoldstädter Tempels. Am vergangenen Rausch haschono waren es zehn Jahre, daß Kommerzialrat Alfred Landesberger mit meinen hochherzigen Spenden für den Wiederaufbau des L^opoklstädter Gemeindetempels begonnen hat. Die kostbarste widmete er „zur Erinnerung an die großen Verdienste, die sich Rabbi'ier Dr. M. Grunwald mit Unterstützung seiner Freunde um die Wiederherstellung dieses durch Brand zerstörten Gotteshauses erworben hat". Da die offiziellen Berichte bisher diesen Tatbestand stillschwigend übergangen haben, legte der Spender Wert darauf, daß dieser Leistung im Tempel selbst an sichtbarer Stelle gebührend gedacht werde. Kommerzialrat A. Landesberger beging somit das zehnjährige Jubiläum seiner vorbildlichen Bemühungen für dieses größte Gotteshaus der Wiener Kultusgemeinde, das im kommenden Sommer auf ein siebzigjähriges Bestehen zurückblicken darf. Aus diesem Anlaß wurde am ersten Tage des Neujahrsfestes Kommerzialrat A. Landesberger feierlich aufgerufen und ihm vom Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. M. Grunwald der Dank aller Freunde dieses Tempels ausgesprochen, zugleich auch der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß die vollständige Wiederherstellung der einst so stattlichen Betstätte sich doch noch durchführen lassen werde. Diese schlichte. Anerkennung der Leistungen eines um den Tempel so hochverdienten Gemeindemitgliedes fand bei allen Anwesenden lebhaften Wiederhall. Trauerfeier. Sonntag, den 25. September wurde im Bethaüse des Tempelvereines „T e f 11 a t h J e schür irn";eine Trauerandacht für den am 25. August verstorbenen Ehren-