Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 41 (7.10.1927)
- Date
- 1927-10-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 DIE WAHRHEIT gerechnet „in den — nichtjüdischen Kreisen geachtet und beachtet gewesen ist". Von den jüdischen Kreisen aber muß sie zugeben, daß sie „von denen mißachtet und sogar mißhandelt worden ist, denen sie Organ und Exponent sein sollte". Abgesehen von den Uebertreibungen, die wohl nicht ganz stimmen dürften, ist diese Selbsteinschätzung richtig, weil es eben nur beim „Solle n" geblieben ist. Sie „sollte sein", aber sie „war" nicht „Organ und Exponent" aller Juden. Und wenn „Die Neue Welt" ebenfalls nur radikalnationale Politik treiben wird wie ihre Vorgängerin, so wird sie wie diese dem wahren Zionismus nur schaden, weil sie etwaige Freunde im nichtnationalen Lager — und dieses ist das weitaus größere! — nur abstoßen wird. Auch die . M/^enzeitung" hat dies getan und deshalb der zionistischen Idee trotz aller Phrasen nicht gerade genützt. Aus ihrem Verschwinden sollte die richtige Lehre gezogen werden. _ Personennamen der deutschen Juden. Unter diesem Titel veröffentlichte Herr Regierungsrat Dr. E. W e i n b e r g e r in Nr. 34 und 35 Ihres geschätzten Battes Auszüge aus einem im Jahre 1909 erschienenen Bändchen der Sammlung Göschen: Die deutschen Personennamen etc., von Dr. Rudolf Kleinpaul. Genanntes Büchlein liegt mir nicht vor und der Schreiber der Artikel: „Personennamen der deutschen Juden" wollte eine Kritik der einzelnen Erklärungen nicht veranlassen, dennoch habe ich in einzelnem folgendes zu bemerken. Die Juden haben sich niemals von den Völkern, in deren Mitte sie lebten, abgeschlossen, eigneten sich mit deren Sprache auch deren Namen an. Ausführliches darüber siehe „Namen der Juden", in Zun z gesammelten Schriften, Band 2, S. 2 ff. Schon frühzeitig bürgerte sich die Sitte ein. neben dem hebräischen Namen auch einen bürgerlichen Namen zu führen. Einzelne bürgerliche Namen sind eine Udbersetzung des hebräischen Namens, so z. B. B a r u c h Benedict (auch Bendet), S c h 1 o m o — Fiieded), Schalom Fried(mann), Simcha Freud(mann), Zewi Hirsch, Uri oder Schraga Phöbus (Feiwel, Feiwesch). In manchen Fällen haben die bürgerlichen Namen nur ihrer Bedeutung nach eine Beziehung zum hebräischen Namen, z. B. E1 j a k u m Getschlik (= Gottschalk Knecht Gottes), G e d a 1 j a Großmann, 'Ne ehern ja Frohmann. Unzählige deutsche Namen wurden nur durch den Anklang an den ersten Laut des hebräischen Namens als bürgerliche Namen gewählt, so z. B. Abraham Adolf, B e nj a m i n Bernhard, C h a j i m (von Nichtjuden Kain ausgesprochen) Hein, Heinemann, auch ffemri'ch, Möschen Moritz, Mordechai Max oder Marcus, Jakob (Rufname Kopel, deshalb) Karl, Ascher (Rufname Selig) Sigmund, Jizchok (Rufname Itzik) Ignatz. Der Frauenname Schön dl (= Schönchen) wurde in Jenny, Bele (= Isabella) in Betti, Fradl (= Freude) in Fanni gewandelt. Ueber die Familiennamen, welche aus jüdischen Vornamen entstanden, siehe jüdische Familien-Forschung II, 1 S. llOff. — Der Familienname UIImann ist nicht, wie K. bemerkt, aus Uodal-man Lehnmann hervorgegangen, sondern ist Herkunftsname aus Ulm 1. Ulma, hebräisch Ulmo, daraus wurde Ulman (auch Ulimann, Uhlmann und Ultmann), weil im Judendeutsch mo mann, siehe Jahrbuch des traditionstreuen Rabbiner-Verbandes in der Slowakei, Jahr 1923, S. 69. Der Name Leo, L ö b, Leb, Low, Lion, aber auch Lebmann (daraus wurde der jüdische Leman, Liman, später auch Lehmann, aber keinesfalls ein Lehnsmann, weil ein Jude kein Lehnsmann war) ist bei den Juden aus Jehuda mit bezug auf Gen 49,8 „Jehuda ist ein junger Löwe", entstanden, siehe S. Ganzfried, Ohole schem S. 90.— K.s. Ansicht, daß Anselm von den Juden für Amschel eingesetzt wurde, ist m. E. nicht haltbar. Für den hebräischen Namen wurde durch den Anklang an das „A" im Anlaute der Rufname Anschel (auch Amschel gesprochen) festgelegt, s. Ohole schem S. 77. Anschel Ansus, angels. os Gott, daraus entstanden die Familiennamen Amschel, Anschel, Anschels, in der Verklf. Antscherl, Antscherls. — Der jüdische Familienname Mendl, Mandl (auch Vorname) ist nicht aus Emanuel immanu-el „Gott mit uns" entstanden, sondern ist vielmehr aus dem hebräischen Menachem, abgekürzt Man, Men geworden. Die Verkf. Mendl, Mandl (auch Menki und Männchen) wurde später in Emanuel „verdeutscht"!! Das klingt wohl etwas komisch, ist aber dafür auch wahr. Zu „Vaternamen: Sohn" will ich bemerken, daß der Benary oder Benario aus Löwensohn entstanden, weil, wie schon oben bemerkt, Jehuda Arje Löwe. Der Levysohn ist der Sohn eines Leviten oder eines Mannes namens Levy. Dreifus (siehe Dietz, Stammbuch der Frankfurter Juden, Frankfurt 1907, S. 308) ist entweder aus Trier, Trevirorum oder aus Troyes entstanden. Aber auch der „Beifus" hat mit Fuß nichts gemein^ sondern ist aus Phöbus (Feiwel, Feiwesch, Feiwusch) oder 1. vivus hervorgegangen. — „Hirsch" ist kein Hausername, sondern Zebi Hirsch (aber auch Herz, Hirz) ist Rufname für Naftali (mit bezug auf Gen. 49, 21, Naftali ist eine flüchtige Hindin Hirschkuh). „Kuh" ist aus Schildername (Metzgerschild) entstanden, ursprünglich c Krava Kuh (Prag schon 1500, siehe Hock, die Familien Prags, S. 305). Süßkind ist Rufname für „Israel" (Süßkind von Trimburg 1220 als Minnesänger im Dichterkreise aufgenommen) und Sußmann ist Rufname für verschiedene hebräische Namen, s. Ohole schem S. 83. Der Leb, Löb, Löwe . hat mit leb Herz nichts gemein. Der Leb ist Rufname für Jehuda, wie bereits oben bemerkt, das Wort leben oder tateleben (tata slav. .= Vater) — man gebrauchte auch mameleben, bruderleben, schwesterleben — hatte eine ganz andere Bedeutung. Man nannte den lebenden Vater nicht ohne Wunsch, ohne Segen und tateleben der Vater möge, soll leben. Wenn aber auch ein Nachkomme (?) des Berliner Finanzmannes Daniel Itzig (= Daniel, Sohn des Itzig Jizchak) bei der Taufe den Namen Hitzig angenommen, so ist aber der Baron m. E. nicht aus Aaron mit vorgesetztem „b" entstanden. Baron ist so echt wie Kaiser, König, Prinz, Herzog, Fürst, Lord, Graf und Ritter, Familiennamen, die bei den Juden sehr häufig und zu den sogenannten schönen Namen gehörten, für deren Beilegung sicher manches Goldstück geopfert wurde. Dolni K o u n i c e. Dr. Heinrich FI e s c h.