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Die Wahrheit · 1927-10-07 · Heft 41 (7.10.1927) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 41 (7.10.1927)
Date
1927-10-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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DIE WAHRHEIT llllllllllllllllllllll^ Seite 13 wählt . . . Ehrfurchtvoll und dankbarst gedenke ich wieder an dieser Stelle des seligen Herrn Dr. Leopold Grünwald, welchem als Experten das Verdienst gebührt, ^sich einzig und allein für diese Berufung eingesetzt zu haben." (Fortsetzung folgt.) Ein anderer Nachruf. Einen „Niedergang des Z i o n i s mu s" konstatierte jüngst der erfahrene zionistische Politiker Jizchak Grünbaum in seinem Artikel vor dem Zionistenkongreß, der, durch uns ins Deutsche übersetzt, das größte Aufsehen in der jüdischen, aber auch in der nichtjüdischen Fresse erregte. Die Ergebnisse des Zionistenkongresses scheinen dem Kritiker Grünbaum Recht gegeben zu haben; er war ein „Kongreß der E r n ü c h t e r u n g", wie ihn Dr. Alfred Wiener ganz richtig nannte. Aber nicht nur der Weltzionismus hat in letzter Zeit schwere Schlappen erlitten, auch der lokale kämpft mit argen Nöten, besonders dort, wo er sich zu seinem eigenen Schaden mit einem radikalen jüdischen Nationalismus verbündet. Zu diesen gesegneten Ländern gehört auch unser Oesterreich, dessen zionistische Organisation sich eines besonderen Radikalismus nationalpolitischer Natur befleißigt. Sie tut dies unbeschadet der bösen Erfahrungen, die sie bisher auf diesem Gebiete machte und deren es in jüngster Zeit nacheinander mehrere gab. Zuerst kam die katastrophale Niederlage bei den österreichischen Wahlen, dann die Ablehnung der angeblichen österreichischen „Minderheit" beim Genfer Nationalitätenkongreß, ferner die beschämende Interesselosigkeit an den zionistischen Delegiertenwahlen, der Pyrrhussieg der „Radikalen" über die „Gemäßigten", und nun folgt die plötzliche Einstellung der zionistischen „Wiener Morgenzeitung", wodurch die Partei ihr letztes Bollwerk verloren hat. Diese Einstellung ist aber nur für die Uninformierten plötzlich gekommen, besonders für diejenigen Abonnenten, die man nach der letzten Nummer acht Tage lang ohne Nachricht zu lassen für richtig fand; die Eingeweihten wußten, daß es mit der „Morgenzeitung" schon seit langer Zeit bergab ging, und ihnen erscheint deshalb auch das überaus hohe Passivum von 5 Milliarden nicht überraschend, dem ein Aktivum von nur 1 Milliarde gegenübersteht. Sie kannten auch die wiederholten „Stützungsaktionen" für das Blatt, die aber nachweisbar nicht einmal im eigenen Lager Förderung fanden. Wie sollte dies erst der Fall sein bei den „nichtjüdischen Juden", wie „Die Neue We 11", die wöchentliche Nachfolgerin der „Morgenzeitung", die bösen „Assimilanten" zu nennen beliebt. Ihnen, die die Majorität der österreichischen Juden darstellen, galt der, wie wir leider wiederholt feststellten, bis ins Kleinliche gehässige Kampf der „Wiener Morgenzeitung", ihrer „würdelosen Angleichung" will auch deren Wochenersatz „Die Neue Welt" entgegentreten, und daß dies besonders energisch geschehen wird, dafür bürgt wohl die Person des Herausgebers, des Radikalen Robert Stricker. Dabei wird in einem Atem für die „Versöhnung der Völker" eingetreten, daß aber endlich eine „Versöhnung im eigenen Volk" eintrete, das dünkt diesen politischen Fanatikern nicht als erhabenste Aufgabe, einer solchen „Versöhnung" arbeiteten sie stets entgegen. Und weil die „Wiener Morgenzeitung" in das gleiche Horn stieß, deshalb — sagen wir es ehrlich — fand sie das Mißfallen nicht nur der österreichischen Juden und deshalb ist sie eingegangen, welcher Umstand uns als Juden sicher nicht mit Schadenfreude zu erfüllen hat. Nun wird statt des jüdischnationalen Tagblattes, das seine Mission verkannt hat, ein Wochenblatt den radikalen jüdischnationalen Bedürfnissen dienen. Es nennt sich eine ,.R e v u e" — sicherlich in unserer Zeit der Revuen ein anziehender Titel. Aber warum verschweigt das neue Blatt so wie sein Vorgänger gerade im Titel die jüdische Note? Findet diese darin ihren Ausdruck, daß die erste Nummer, die knap^ vor den Hohen Feiertagen erschien und auch Neujahrsgratulationen enthielt, diesen höchsten jüdischen Festtagen kein Wort widmete? Soll der wahrhafte Jude daran Gefallen finden, wenn in dem „Nachruf" der „Neuen Welt" für die „Morgenzeitung", deren Wiedererscheinen eine Seite vorher in Aussicht gestellt wird, wodurch dieser „Nachruf" etwas deplaciert erscheint, wenn also dort bedauert wird, daß nicht einmal „ein kleiner Teil der Summe, die im Judentum jährlich für Synagogenbauten und Prachttempel aufgewendet wird, dem politischen Zweck dienstbar gemacht wird"? Das Judentum als konfessionelle Gemeinschaft sorgt eben für seine religiösen Bedürfnisse in erster Linie und nur diejenigen, die es zu einer politischen Gemeinschaft umstempeln, um nicht zu sagen, umfälschen wollen, verkennen die Wichtigkeit seiner schönen Glaubenstreue und verlangen ausschließlich „politische" Betätigung, die in Wahrheit nur im Rahmen der großen Allgemeinheit aller Staatsbürger betrieben werden kann. Anders geht es nicht, das werden einmal auch unsere Jüdischnationalen erkennen, wenn sie es nicht schon selbst infolge ihrer vielen Verirrungen erkannt haben und nur in ihrem Fanatismus verschweigen. Selbst „Die Neue Welt" muß in ihrem „Nachruf" für die „Morgenzeitung" als einen der Gründe für deren Eingehen die „sprachlichen Schwierigkeiten" angeben. Es heißt dort, daß „das Judentum trotz aller Hebräisierungsbestrebungennochnicht in den Besitz einer einheitlichen Sprache gelangen konnte." Ja, ist diese „einheitliche Sprache" nicht ein besonders wichtiges Kriterium für eine wirkliche Nation oder ist die Sprache tatsächlich „nur ein technisches Ausdrucksmittel des Gedankens", womit bei den jüdischnationalen „Kehlkopfpatrioten" der Gebrauch der deutschen Sprache durch die „Morgenzeitung" entschuldigt wird, da „Jiddisch und Hebräisch im politischen Sinne isolierend wirken". Den deutschösterreichischen Juden ist nun die deutsche Sprache mehr als „nur ein technisches Ausdrucksmittel", es ist die Sprache, in der sie wie ihre nichtjüdischen Mitbürger fühlen und denken lernten, und wenn nach dem eigenen Geständnis von radikalnationaler Seite schon die (noch nicht allgemein gebräuchlichen) „Volks"-Snrachen „isolierend" wirken, wie erst die ganze „Volks"- Bewegung, die uns unseren Mitbürgern nur entfremden kann. Deshalb ist es fraglich, ob wirklich die „Wiener Morgenzeitung", wie deren Nachfolgerin sagt, aus-

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