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Die Wahrheit · 1927-10-07 · Heft 41 (7.10.1927) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 41 (7.10.1927)
Date
1927-10-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT lUliBlUWlMIBÜl $€§te 5 der .Familiengruft an -der Seite seiner von ihm heiß geliebten, fest im Judentum wurzelnden Eltern gefunden. Ferdinand Lassalle hat niemals den Glauben seiner Väter verlassen und man darf mit seinem begeisterten Biographen Georg Brandes, der gleichfalls als Jude lebte und starb, ruhig behaupten, daß unter den Gründen, die Lassalle von Jugend auf zur Stellungnahme für die Unterdrückten und Enterbten drängten, nicht zuletzt sein jüdischer Ursprung zu rechnen sei. Gewiß war die überschäumende Kraft seiner Individualität, sein stolzes Selbstbewußtsein, sein kühner, alle verrosteten Anschauungen verachtender Geist bestimmend für den Kampfplatz, den dieser Mann sich erwählte, aber wenn auch unbewußt, mag hierbei das Blut des Juden, dessen Ahnen seit Jahrhunderten unter der Wucht der niedrigsten Vorurteile und der böswilligsten Verfolgungen zu leiden hatten, mitgespielt, entscheidend mitgewirkt haben. Wenn es nach einem alten Worte heißt, der Knabe sei Vater des Mannes, so darf wohl an das von Paul Lindau herausgegebene Tagebuch des bis zum 15. Lebensjahre reichenden Schülers Ferdinand Lassalle erinnert werden, in welchem dieser mit scharfen, wegen ihrer maßlosen Leidenschaftlichkeit kaum wiederzugebenden Worten gegen die Judenfeinde loszieht. Wie Lassalle über seine jüdische Abstammung auch, in den Jahren seiner Reife dachte, ist aus einer Brief stelle ersichtlich, in welcher er einer russischen Aristokratin, für die sein leicht entzündliches Herz in solcher Liebe erglüht war, daß er sie gerne geheiratet hätte, schreibt: „Ihre Landsleute werden sie wegen der Heirat mit einem Juden verachten! Sie, Abkömmling von Fürsten, einen Menschen heiraten, welcher — es ist wahr, wenn die Abstammung ein Recht zum Stolze gäbe, — stolzer sein könnte als Ihr alle, da er von einem Volke abstammt, welches älter ist, als alle Fürsten und Edelleute, die nur etliche Jahrhunderte existieren: vom ersten zivilisatorischen Volke, welches in der Geschichte auftritt, und von den alten Königen S y r i e n s." Das ist die Sprache, die ganz an. jene erinnert, mit der Benjamin D'Israely, den seine Königin später mit dem höchsten Titel, den sie verleihen konnte, auszeichnete, einst dem Dünkel der auf ihren Adel aufgeblähten Hochtorys entgegengetreten. Während Lassalle mit einer ihm naheliegenden stilistischen Wendung das Recht des Stolzes auf die Abstammung bestritt, die kein selbsterworbenes Verdienst sein kann, verrät er doch zugleich — bewußt oder unbewußt — diesen Stolz, den schließlich niemand anderer so begreifen müßte als die adeligen Herren, die sich das Recht anmaßten, verächtlich auf die Juden herabzublicken. Wenn Lassalle in der kurzen Zeit, die ihm öffentlich zu wirken gegönnt war, nicht Gelegenheit hatte, speziell für das Recht seiner Glaubensgenossen einzutreten, so kann ruhig behauptet werden, daß in dem Kampfe für eine heilige Sache, für die „Sache des Volkes, der er seine ganze Existenz bis in ihre äußersten Konsequenzen gewidmet hat", der Kampf gegen die schmachvolle Unterdrückung der Juden mitinbegriffen war. _ ___ fanqp«n Verlangen sie flberall| Original- Mineral wassei »wasser BB&Mtcfeur ThcrroaJwauer Direktion Bttdgasteto: Lastenstrafie Nr. 170 Fernsprecher 138 Drahtanschrift: Thermag D€pot W: I., Helferatorfentrafie Nr. » Fernspc ecber 62-0-42 Drahtanschrift: Thermag Wien L der Name sprMil für skk! tSSnf Einer der ersten, der das überragende Qenie Lassalles erkannte, war Heinrich Heine, dem die Erscheinung des 20jährigen Jünglings derart imponierte, daß er in einem Briefe an Varnhagen von Ense von Lassalle u. a. sagte: „Mein Freund, Herr Lassalle, der Ihnen diesen Brief bringt, ist ein junger Mann von ausgezeichneten Geistesgaben; mit der gründlichsten Gelehrsamkeit, mit dem weitesten Wissen, mit dem größten Scharfsinn, der mir je vorgekommen, mit der reichsten Begabung der Darstellung verbindet er eine Energie des Willens und eine Habilite" im Handeln, die mich in Erstaunen setzen. . . . Jedenfalls war diese Vereinigung von Wissen und Können, von Talent und Charakter für mich eine freudige Erscheinung und Sie, bei Ihrer Vielseitigkeit im Anerkennen, werden gewiß ihr volle Gerechtigkeit widerfahren lassen." Mit nicht geringerer Bewunderung sprachen ein Alexander Humboldt, der große Rechtslehrer Sawigny, der geniale Philologe August Böckh von dem Jüngling, der, trotzdem er vor dem vollendeten 40. Lebensjahre ins Grab sank, bereits viele der höchsten Erwartungen, die man an seinen Aufstieg geknüpft, erfüllt hatte. Der dämonische Zug in Lassalle war wohl mit schuld, daß dieser mächtige Geist nicht so manches Widerspruchsvolle im Charakter Lassalles überwinden konnte. So kam es, daß Lassalle, der das Duell als lächerlichen Unsinn verachtete, doch im Zweikampf für ein unwürdiges Mädchen fieL Er starb für Helene Dönniges, die es nicht wert war, daß er für sie lebte. Aber bei all den Schwächen, von denen Lassalle nicht frei war, konnte sich;r *

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