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Die Wahrheit · 1927-10-07 · Heft 41 (7.10.1927) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 41 (7.10.1927)
Date
1927-10-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT WWMm SttU s immer, geantwortet hat. In «fiesem Fall ist es gleichgültig, ob A Jude oder Nichtjude ist. das Entscheidende ist das Verhalten des B. ♦ * Im Talmud werden zahlreiche Fälle von gelösten oder unlösbaren Gelübden und gelöbnisartigen Schwüren angeführt und nach allen Seiten hin kasuistisch behandelt, in den Kommentatoren und Dezisoren werden aus diesen Streitfällen und der Art ihrer Schlichtung geltende Vorschriften abstrahiert und deduziert Aber oft und oft kehrt der wie ein Seufzer klingende Ausspruch wieder, daß die Hatharath-Nedarim in der Luft schwebe und nur eine sehr geringe Stütze im Wortlaute der Bibel habe. (Chagigah 10 a.) Die Lehrer des Talmud hätten es am liebsten gesehen, wenn die Menschen überhaupt keine Gelübde und Schwüre abgelegt hätten; es war ihnen jedesmal angst und bange im Gewissen, wenn man von ihnen die Lösung eines Neder oder gar einer Schebuath bittuj forderte, und dennoch waren sie religionsgesetzHch verpflichtet, sich den Petenten nicht zu entziehen. Die Sage erzählt deshalb, daß Rabbi Josua ben Lewi deswegen gewürdigt wurdte, noch in diesem Leben den Himmel zu schauen, weil er nde dfte Lösung eines« Gelöbnisses nachgesucht hatte. (Kethubboth 77 b.) Nichts flößte jenen Männern solche Furcht ein, wie die Möglichkeit, daß das Volk „Gelübde und Schwüre gering zu achten und leicht zu nehmen (lehakel, lezalzel) verführt werden könnte." Um dieser Möglichkeit vorzubeugen, wurden allerlei Maßregeln getroffen, Warnungen und Androhungen verlautbart, Strafen religiöser Natur verhängt, Erschwerungen für die „niedere Masse und die Unwissenden" (hedjototh weamme haarazoth) erlassen. Manche dieser Erschwerungen wurden naturgemäß den Schriftkundigen und Gelehrten, die Maß zu halten wußten, nachgesehen. Indessen hat schon Salomon ibn Adreth (1235—1310) den Grundsatz ausgesprochen, daß „heutzutage alle Welt gleich dem Unwissenden behandelt werden müsse, da die Kenntnis der Thora selten anzutreffen ist." * Einige überlieferte Fälle von Gelübden und Schwuren mögen das Gesagte illustrieren. Rabbi Eliezer ben Hyrkanos war als Jüngling seinem Vater, einem Großbauern, entlaufen und auf die hohe Schule zu Jerusalem gezogen, um unter den schwersten Entbehrungen zu studieren. Der erzürnte Vater kam nach Jerusalem, um den Sohn durch einen Neder vom Genuß seiner Güter auszuschließen, wurde aber in Jerusalem anderen Sinnes; eine Lösung war diesmal nicht nötig. (Gen. R. 42, Aboth di R. Nathan. 6 und oft Im Midrasch.) — Es galt in talmudischer Zeit als besonders verdienstlich, die Base zu "WS KUNEROL heiraten; einer, dem seine Schwestertochter häßlich erschien, gelobte, von ihr nie einen Genuß zu haben, wodurch die Heirat von selber ausgeschlossen war. Man brachte nun das Mädchen in das Haus des Rabbi Ismael, pflegte sie und putzte sie heraus; Verbürgt reines Fett ans Kokos» nässen. Die Kokosnüsse werden bei der Kimerolwerke A. G^Wien» Atzgersdorf, gepreßt und die Er» zeugung steht bis zur Verpackung des fertigen Fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrab* biners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. Kunerol kann daher von jedem Sireng* gläubigen ohne Bedenken zur Zuberei» tung der Speisen verwendet werden. mahnungen zu hören. Der Rabbi aber begann und sprach, von heftigem Schluchzen unterbrochen: „Meine freunde! Schon seit vierzig Jahren vertrete ich die heilige Stelle an diesem feierlichen Abend, um euch zu ermannen. Aber heute muß ich euch eine schmerzliche Kunde mitteilen. Es hat dem Herrn der Heerscharen gefallen, uns mit Angst und Schrecken heimzusuchen. Es droht unserer lieben Gemeinde großes Unheil. Wohlweislich haben wir, die Lehrer und Vorsteher dieser Stadt, beschlossen, euch nichts Näheres darüber mitzuteilen. Ich hoffe aber, der Herr wird in seiner allerbarmenden Huld seine Kinder nicht verlassen, die keinen anderen Schutz haben als ihn; denn es spricht der Herr: ,Sage ihnen, so wahr ich lebe, ich wül nicht, daß der Frevler sterbe, er kehre zurück von seinen Wegen und lebe.' Kehrt zurück, kehrt zurück von euren schlechten Wegen! Warum sollt ihr sterben, Haus Israel? Es spricht der Herr: ,Kann ich den Tod des Frevlers wollen? O kehrte er zurück, daß er lebte!' Darum sage ich euch, tut Buße und bereuet. Damit wir aber zerknirschten Herzens unser Gebet vor Gott ausschütten, verordne und befehle ich hiermit euch und allen Erwachsenen unserer Gemeinde, Männer und Frauen, jeden Montag und Donnerstag zu fasten und außerordentliche Versammlungen in den Gotteshäusern abzuhalten, wo wir beten und die Armen und Dürftigen unterstützen wollen, jeder so weit sein Vermögen reicht. Ich aber will, solange die Sonne uns sichtbar ist, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts genießen und mit dem Fasten so lange fortfahren, bis der Herr weggezogen hat die finstere Wolke des Zornes und uns wieder leuchten wird der Strahl seiner Gnade." „Zu Dir aber, König der Könige, fleh' ich", rief er, indem er die Bundeslade, in welcher die heiligem Schriftrollen liegen, öffnete und sich aufs Antlitz warf. „Es möge Dein geheiligter Wille sein, daß Deine unerschöpfliche Huld verdränge Deinen gerechten Grimm, daß Deine unendliche Barmherzigkeit abwälze unsere Schuld von uns, daß Du gnädig seiest Deinen Kindern und an ihre Schuld nicht legest die Meßschmir des strengsten Rechts." Nachdem er noch einige Worte im leisen Gebete gesprochen, erhob er sich, sichtbar gestärkt und gekräftigt, küßte die Gesetzesrollen, schloß die Bundeslade und begab sich auf seinen Platz. Die ganze Gemeinde war aufs tiefste erschüttert, und als der Rabbi seine Rede geendigt hatte, ertönte in dem ganzen Raum ein herzzerreißendes Schluchzen. Vielleicht noch nie wurde ein Jomkipur mit höherer Weihe, mit tieferer Inbrunst gefeiert. * * * Vier Wochen waren verflossen, während welcher die ganze Gemeinde den Vorschriften des Rabbi getreulich nachkam, als diesem ein Soldat gemeldet wurde, welcher ihn dringend zu sprechen wünschte. „Er möge eintreten", sprach der Rai. Der Soldat trat ein. Es war dies ein hochgewachsener, kräftiger junger Mann m den beginnenden Zwanzig, dessen männlich schönen Züge die Spuren tiefen Seelenleidens trugen. „Rabbi!" sprach er, „ich bin der Korporal, der vor Vier Wochen in der Judenstadt auf der Wache war, als sich der unglückliche Zufall ereignete; ich bin so glücklich, Euch, Rabbi, mitteilen zu können, daß nun jede Gefahr durch die göttliche Gnade, die meinen Verstand erleuchtete, beseitigt ist" „Dann seid mir doppelt willkommen, edler Retter!", sprach der Rabbi gerührt, dem Wackeren die Hand Teichend, welcher dieser an seine Lippen führte. „Möge Gott Euch diese Tat lohnen, wir Menschen können es nicht Hätte ein Marnn aus Eurer Rotte es bemerkt und es verraten, daß Ihr den bestürzten Männern es gestattet, ja sogar angeraten habt, den Toten aus dem Bereich der Judenstadt zu tragen, daß Ihr, als der Soldat nicht zurückkam, unterließet die nötigen Nach-

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