Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 47 (18.11.1927)
- Date
- 1927-11-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT fllllllllllllllilM Seite 13 (Theater, üfuns* u. Xitmtatm Der Verein für Jüdische Geschichte und Literatur in Wien hat am 7. d. M. seine Vortragsreihe in würdigster Weise eröffnet. Es sprach Professor Dr. Samuel Krauß über die „Messiasidee im Judentum". Mit gewohnter Gründlichkeit wurden vom Redner die ältesten Schichten der jüdischen Literatur bis auf die Gegenwart in bezug auf die Heilserwartung durchforscht. Anklänge an dieselbe gab es bei den anderen Völkern, Aegyptern, Babyloniern in der einzelnen, Königen zugesprochenen Rolle des auferstehenden Mehrers nationaler und politischer Größe ihrer Völker. Erst später begegnen wir einer eschatologischen, d. h. auf das Ende der Zeiten bezogenen, nicht bloß Israel, sondern die Menschheit betreffenden Idee. War es ursprünglich die Person König Davids, später ein Sprößling aus Davids Stamme, dem die Aufgabe zufiel, ein Königtum Gottes, die Bekehrung der gesamten Menschheit zum einzigen Gotte vorzubereiten, was wir in biblischen Schriften vorfinden, so begegnen wir der Idee der Auferstehung erst in den Apokryphen und im Talmud, jedoch nie in systematischer Entwicklung, sondern bloß zerstreut und stellenweise. Redner betont den Gedanken von den Leiden der Menschheit vor dem Erscheinen des Erlösers gegenüber dem Gedanken von den Leiden des Messias selbst, den das Christentum aufgenommen hat. Hochinteressant ist die Feststellung, daß in der Zeit der Erlösung aus der Reihe der Proselyten sogar Priester und Leviten entnommen werden sollen. Namen, wie „Sohn Davids", „Menschensohn", „Knecht Gottes" waren jüdisch, jedoch eine Vermenschlichung Gottes ebenso wie eine Vergöttlichung eines Menschen absolut unjüdisch. Uebrigens steht der „leidende Erlöser" im Gegensatz zu den Worten Christi: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt". Als Auswüchse des Messiasnismus können die Wunder gelten, die z. B. Bar Kochba u. a. zugeschrieben Werden, die sich für einen Messias hielten. Im Mittelalter bereichert sich die Idee nur mit erhöhter Phantasie. Im Chassidlsmus erscheint der Messias weder national, noch als Mittler, sondern" erst eine Aenderung, eine Besserung von uns Menschen ist es. welche den (persönlichen) Messias herbeiführt... der ,wZadik". Auch das moderne Judentum spricht von einer Mission Israels, das die Menschheit durch eigene Vervollkommnung zur Erlösung führt. An den mit gebührendem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine sehr anregende Diskussion, an welcher u. a. die Herren Rabbiner Dr. Feuchtwang und Dr. Kaminka. teilnahmen, wobei sie die Ausführungen des Redners in ebenso dankenswerter wie belehrender Weise ergänzten. Es ist, wie Herr Rabbiner Dr. Rosenmann zu Beginn der Sitzung erwähnte, ebenso merkwürdig wie bedauerlich, daß im großen jüdischen Publikum Wiens so wenig Interesse an den Bestrebungen des Vereines und den Vorträgen, die er veranstaltet, genommen wird. Med.-Rat Dr. H. Haase. G. K. Chesterton: Das Paradies der Diebe, Musarion- Verlag, München. Für einen Mann von Ruf und Namen ist es von einem gewissen Standpunkt aus besehen schwierig, ein neues Buch herauszugeben. Die Kenntnis seiner früheren Pücher erzeugt eine gewisse Erwartung und man legt einen Maßstäb an, der rigoroser ist als sonst, Chesterton hat diese Gefahr mit einer Leichtigkeit überwunden, die erstaunen macht, er übertrifft sich von Werk zu Werk. Dieses Buch, enthaltend sechs Essays, ist mit jener Ironie geschrieben, die das Lebenslicht seiner Feder ist. Er lächelt über die Dinge, er macht sich über sie lustig, aber ervernichtet sie nicht rückhaltlos, wie es Shaw tut, ein Schimmer von Respekt bleibt zurück; all die Dinge, die er ironisieren will, tötet er nicht, er verwundet sie nur und läßt sie weiter leben mit dier Wunde im Herzen. Dr. Hans Kronengold. Avis. Die im Verlage von Hermann Göpner, Harnbürg 15, Jenischstraße 43—47, erscheinende Monatsschrift ,;Der Zeitungshändler" wird von Walther Funder herausgegeben. KleiderkrGClit Zahlbar innerhalb eines ■■■bIhhbbh Jahres. Sämtliche Herren- und Damenkleider Nur Qualitätsware! nach Maß sowie fertig lagernd. Billigste Preise! KLEIDER HAUS WERTER, WIEN XVI., Telephon A 21-501 OttakringerstraßO 17 Telephon A 21-5"! iKv~w~**-*^ Dr. Elias Münz, der bisherige verdienstvolle Vizepräsident des Bethausvorstandes der Isr. Kultusgemeinde für den I. und II. Bezirk wurde in der am Donnerstag, den 3. d. M., stattgehabten Sitzung dieser Korporation einstimmig zum Präsidenten derselben gewählt. Der auf diese Weise sicherlich zur Freude seiner zahlreichen Freunde und Verehrer Ausgezeichnete zählt bereits seit Jahrzehnten zu den unermüdlichsten Mitgliedern des Bethausvorstandes und ist seiner Initiative besonders in den letzten Jahren so manche hervorragende Errungenschaft zu verdanken. Dr. Elias Münz, der sich durch ein fundamentales jüdisches und allgemeines Wissen auszeichnet, ist seit dem Jahre 1920 Vizepräsident der für den Kultus so wichtigen Körperschaft, er genießt dort wie auch in den weitesten jüdischen Kreisen Wiens größte Beliebtheit und Ansehen. Empfang beim Wiener deutschen Gesandten. Aus uns nahestehenden Journalistenkreisen erfahren wir, daß unter den geladenen Gästen beim t'mpfang der deutschen Minister in der Wiener deutschen Botschaft am 15. d. M. aus der jüdischen Gesellschaft u. a. zu bemerken waren: die Herren Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d, Kultusvorsteher Justizrat Dr. Adolf Adler und der kgl. rumänische Generalkonsul Ludwig Horch. Dr. Alexander Lederer. Wie berichtet, war Dr. Alexander Leder er, der Präsdent der Pester Israelirischen Religionsgemeinde, aus Anlaß seines 75. Geburtstages Gegenstand großer Ehrungen seitens der ungarischen Judenheit. Heute wollen wir unseren Lesern aus seinem Leben und Wirken einiges mitteilen: Dr. Alexander Leder er wurde am 24. Oktober 1852 inF61egyhaza (Ungarn» Pester Komi tat) geboren. Nach Absolvierung der Universitätsstudien in Budapest und Berlin (als Staatsstipendist) trat er 1878 In den Staatsdienst ins Handelsminster.um. Aber schon am Tage seiner Ernennung wurde er als Reserveoffizier zum bosnischen Feldzug mobilisiert, in welchem er das goldene Verdienstkreuz erwarb. Seine Werke „Die landwirtschaftlichen Kreditgenossenschaften" und „Der landwirtschaftliche Kredit" erregten großes Aufsehen, er avancierte außertourlich zum Ministerialsekretär und wurde mit dem Franz Josef-Orden ausgezeichnet 1888 wurde er von der ungarischen Reg erung nach Brüssel zur Weltausstellung als offizieller Vertreter Ungarns entsendet, wo er sich außerordentlich bewährte und mit dem Komturkreuz des belgischen Leopolds-Ordens und gleichzeitig mit dem Kommandeurkreuz des spanischen Isabella-Ordens ausgezeichnet wurde 1890 trat er aus dem Staatsdienst und stellte seine überaus schätzbare Arbeitskraft in den Dienst des ungarischen Judentums. Er gründete eine große Vereinigung mit dem Wahlspruche: „Zurück zunt Judentum" Er forderte intensiven Religionsunterricht und religiöses Gemeindeleben. 1919 wurde er Sorgfältigste Lieferung In plombierten Säcken von 1 Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso In Fuhren und Waggons * JULIUS HABER Kohlan- und Koksgrofihandlung Für Tempel- und Wohlfehrtsvereine Ansn&hmapreise Nordbahnrutscben 3. Kohlenhof Nr. 372-376 Wien IL. Taborsrraße 9 Fernsprecher Nr. 41-0-22 mnnHiiHHffliimmqimimjfflf