Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 47 (18.11.1927)
- Date
- 1927-11-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064299-3064344--15864-3088560- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 14 DIE WAHRHEIT Präsident-Stellvertreter der Pester israelitischen Religionsgemeinde, die er reorganiserte. Er teJte die Gemeinde in 5 Tempelbezirke, von denen jeder einen würdigen Bezirkstempel mit dem Bezirksrabbiner und einer Talmud-Thoraschule erhielt. Er reorganiserte das gesamte Kaschrüth-Wesen und hob den Gottesdienst. 1922 wurde er zum Präsidenten der Gemeinde gewählt. Die großen Resultate seines Wirkens^ zeigen die folgenden Daten: er übernahm die Gemeinde mit- 17.000 Steuerzahlern, heute sind es 62.000. Er baute 3 große1 neue Tempel, 7 alte wurden umgestaltet, im Bau sind 2 große neue Tempel. Ständiger Gottesdienst wird in 42 Tempeln abgehalten; Religionsunterricht gen.eßen 30.000 Schulkinder, davon 5600 in den eigenen Gemeindeschulen. — Die im Monat Juni: 1927 abgehaltene Generalversammlung votierte wie ebenfalls., von uns gemeldet, eine Million Dollar zur Errichtung eines, Kulturpaiais. neuer Mädchenschulen und Gymnasien, für Ausbau des Jüdischen Spitals, Bau von drei großen neuen Tempeln und anderer Institutionen, welche für die Größe der Pester israelitischen Religionsgemeinde ewig zeugen werden. Tempelbau im 3. Bezirke. Von unterrichteter Seite hören wir, daß der Gedanke eines Tempelbaues im 3. Wiener Gemeindebezirke, der vor dem Ausbruch des Krieges im Jähret 1914 schon in sichtbare Nähe gerückt war, wieder aufgegriffenwurde. Der starke Wille einer großen Anzahl tatkräftiger,, tatbereiter und angesehener Glaubensgenossen des 3. Bezirkes, den in jeder Beziehung mißlichen, ja geradezu unwürdi-. gen. von jedermann unterschiedlos als unhaltbar empfundenen Zuständen der Bezirksbethausverhältnisse ein Ende zu machen, hat bei der gesamten Judenschaft des Bezirkes die lebhafteste und freudigste Zustimmung gefunden. Der sichtbare Ausdruck dieses Gemeinschaftsgefühles ist die mit Genugtuung zu verzeichnende Tatsache, daß sich sowohl alle. Tempel vereine, als auch alle anderen jüdischen Körperschaften des Bezirkes zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen haben, die nunmehr entschlossen ist. unentwegt und mit unermüdlichem Eifer die Tempelfrage der endlichen Lösung durch Verwirklichung des Baugedankens zuzuführen. Wir^ wünschen den Bemühungen der Landstraßer Judenschaft den! besten Erfolg und behalten uns vor. unsere Leser über den hoffentlich günstigen Verlauf dieser Tempelbauangelegenheit zu unterrichten. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hielt jüngst seine- Jahrestagung in Breslau ab. Bei dem Begrüßungsabend-, hieß der Vorsitzende des Landesverbandes Schlesien. Doktor Ernst F r a e n k e 1 (Breslau), die Delegierten herzlich willkommen. Brausender Beifall begrüßte das Vorstandsmitglied des Bundes, Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig Haas, der: in einer spontanen Rede den Beifall für seine Person ablehnte und ihn für die Gesamtziele des Bundes in Anspruch nahm. Er bezeichnete die Tatsache, daß nach dem gewaltigen Erleben des Krieges es überhaupt notwendig war, eine Vereinigung ■ jüdischer Frontkämpfer zu gründen, als tief bedauerlich und beschämend. Nach einem Festgottesdie.nst in der Synagoge fand im Breslauer Konzerthaus eine machtvolle, von Dr. Fraenkel geleitete Kundgebung statt. Oberbürgermeister Dr. Wagner hieß den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten namens der Stadtverwaltung willkommen und erinnerte daran, daß zahlreiche seiner Mitglieder in den ersten Kriegsjahren die schlesische Heimatprovinz vor dem Einfall der Russen mitbewahrt haben. Der Bundesvorsitzende, Hauptmann a. D. Dr. L ö w e n s t e i n, überbrachte die Grüße des Vorstandes des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Ihm schloß sich Professor Doktor Franz Oppenheimer mit einem Referat über: „Der jüdische Bauer auf deutscher Scholle" an. Nach einer tiefgründigen historischen Einleitung ging er auf die Bestrebungen des Bundes, jüdische Landwirte in Deutschland anzusiedeln, ein, und betonte, daß diejenigen, die den Grund und Boden mitverteidigt hätten, auch ein Anrecht auf ihn haben müßten. Die Tagung war eine machtvolle Manifestation des rührigen Bundes. Richtigstellung. In den in der letzen Nummer unseres Blattes auf Seite 10 veröffentlichten „A m tlichen Verlautbarungen der Isr. Kultusgemeinde Wien" soll in der ersten Notiz „Verwaltungsgerichtshof - Entscheidung über eine Beschwerde betreffend die Kultus- < Steuer" in Zeile 15 das den Sinn störende „nicht" entfallen. Professor Dr. Bernhard Templer. Der bekannte Forscher Rabbiner Dr. Bernhard Templer hat den Professortitel erhalten. Dr. Templer, dem in seiner Eigenschaft als Feldrabbiner bereits mehrere Auszeichnungen zuteil wurden, hat sich durch eine Reihe von Schriften und wissenschaftlichen Aufsätzen eiinen wohlverdienten Ruf erworben. Sein jüngstes veröffentlichtes Buch über den Opferkultus wird auch in diesen Blättern demnächst gewürdigt. Todesfälle. Freitag, den 4. November d. J. ist nach langem schwerem Leiden die Gattin des Großkaufmannes Wilhelm Ball, Besitzer des Hotel „National" G. m. b. H., Frau Fanny Ball. geb. S c h i f t e r (Czernowitz), eine gebildete, edle und aufopferungsvolle Dame im Alter von 48 Jahren gestorben. Die große Wertschätzung, der sich die Verblichene wegen ihres vornehmen Wesens in weiten Kreisen erfreute, kam in der außerordehtl.ch großen Beteiligung an dem Sonntag, den 6. d. M. stattgefundenen Leichenbegängnisse zürn Ausdruck. Den großen Verlust ihres Scheidens beklagt außer allen jenen, die jemals Gelegenheit hatten, die seltenen Herzenseigenschaften, die Gemütstiefe und Hilfsbereitschaft dieser seelensguten bescheidenen Frau kennen zu lernen, der schmerzgebeugte Gatte, mit dem sie seit 7. Juni 1903 verheiratet war und daher in wenigen Monaten das Fest der Silbernen Hochzeit begehen sollte, die Söhne Dr. R i c h a r d. Dr. P a u 1 und Otto Ball. Gemeinderabbiner Dr. T a g 1 i c h t hielt einen der Trauergemeinde aus dem Herzen gesprochenen Nachruf. Nachdem Herr Oberkantor J. Müller unter großer Assistenz die Trauerzeremonie vollzogen hatte, wurden die sterblichen Ueberreste dieser edlen Frau von Familienmitgliedern und Freunden der Familie zur letzten Ruhestätte getragen. — Sonntag, den 13. November, wurde der Großkaufmann Herr Eduard Giesinger, der durch fast vierzig Jahre die Leobener jüdische Gemeinde geleitet hat, unter starker Beteiligung aller Bevölkerungskreise zu Grabe geleitet. Giesinger, der ein solider hochangesehener Kaufmann war, hat es verstanden, vermöge seiner Bildung, seines Taktes und seineu großen Fähigkeiten die Gemeinde zu hohem Ansehen zu bringen und dem Judentume in weiten Kreisen Achtung und Ehre zu verschaffen, weshalb sein Hinscheiden aufrichtigen Schmerz ausgelöst hat. Diesen Empfindungen gaben auch Prof. Dr. Herzog und Rat Bernhard B i 11 e r im Namen der Grazer Muttergemeinde in ihren ergreifenden Reden wehmutsvollen Ausdruck. Die kantoralen Funktionen sowohl im Traueohause als auch auf dem Friedhofe versah in ergreifender Weise Herr Kantor Jakob Koffler. Der zahlreichen Familie sind aus nah und! fern viele innigste Beiteidskundgebungen übermittelt worden. Der Jttdische Frauenverein Landstraße (Präsidentin Frau Dr. Erna Schwarz-Hiller) besteht seit dem Jahre 1921 und hat es In daeseir kurzen Zeit verstanden, seine Mitgliederzahl auf über 900 Mitglieder zu bringen. In den sechs Jahren seines Bestandes wurden im Wirkungskreis des Vereines, im 3. Bezirk, dort, wo es dringende Not zu lindern gab, über eine halbe Milliarde an Geld verteilt, außerdem eine großzügige Kleideraktion ins Leben gerufen und jährlich bis 12.000 kg Kohle an die Aermsten des Bezirkes ausgegeben. Am 3. Dezember veranstaltet der Verein einen Familienabend mit ausgezeichneten Vorträgen und Tanz im Hotel Continental. II.» Taborstraße. Entree S 3.—. Am 18. Dezember wird im Souterrain des Cafe" Lovrana. III., Löwengasse 36. ein Chanukafest stattfinden, bei dem nebst Wäsche, Kleidern und Schuhen an bedürftige Kinder auch eine gute Jause verabreicht wird. r Neu erschienen! GEBETBUCH für den sabbatlichen Jugendgottesdienst mit einem Anhang und Noten herausgegeben von der israeliiischen Kultusgemeinde Wien. —- Preis S 1*50 Verlast JOSEf SCHECSINGER Buchhandlun xf Wien I., Seltensteflengasse Nr. 5 "S iniuiMinuHwuimimmiiiHi