Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 47 (18.11.1927)
- Date
- 1927-11-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT MllflMlM^ Seit», 3 KUNEROL Verbürgt reines Fett ans Kokos* nassen. Die Kokosnüsse werden bei der Knnerolwerke A. G^Wien« Atzgersdorf, gepreßt and die Er» zeagang steht bis zur Verpackung des fertigen Fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezkksrab» biners S. Ehrenfeld zu Martersburg. Kunerol kann daher von jedem Streng» gläubigen ohne Bedenken zur Zuberei* tung der Speisen verwendet werden. jüdischer Abstammung, die mit dem Judentum wohl nichts mehr verbindet, unter deren Schikanen wirtschaftlicher und geistiger Natur wir wie unsere christlichen Mitbürger oft zu leiden haben. Wir wollen nicht Propheten sein, aber die Erfahrung lehrt es, kommt es einmal zur Auflehnung gegen dieses rote Regime, dann wird der Antisemitismus, der bis jetzt programmatisch in der Heimwehrbewegung noch keinen Eingang gefunden hat, aus den eben geschilderten Verhältnissen sicherlich seine Nahrung finden. Deshalb gilt es auch für uns, wachsam zu sein und, soweit dies möglich, in beiden Lagern zur Mäßigung zu rufen. Vielleicht wird der Versöhnungsgedanke, der ein eminent jüdischer ist, doch noch in letzter Stunde durchdringen. Anzeichen sind ja genug vorhanden und es bedarf eigentlich nur eines Abbaues der Halsstarrigkeit, von der gewisse Kreise auf beiden Seiten sich die Rettung erhoffen. Nie aber hat eine solche Unbeugsamkeit einem Staatswesen zum Vorteile gereicht, nie noch haben wir Juden in einer solchen Atmosphäre ruhig leben können. Deshalb können wir nur hoffen, daß das Wort, das unser verehrter Bundespräsident anläßlich der Republikfeier sprach, doch Wahrheit werden wird, „daß die österreichische Bevölkerung durchausdemokratischveranlagtis t". Wir Juden müssen im Staats- und wohlverstandenem eigenen Interesse alles tun, um diesem Gedanken bei beiden jetzt so erbitterten Gegnern zum siegreichen Durchbruche zu verhelfen. Es wird uns nur freuen, wenn das Bild, das wir von der Gefährlichkeit des Wettrüstens entworfen, sich als zu pessimistisch gefärbt erweist, aber ein Mahnruf in letzter Stunde tat dringend not. Oskar Hirschfeld. Ich muß stärker sein als Eisen, daß ich das Jahr überlebt habe. Freilich, wenn man zurückdenkt: Was brauchte ich, Schaute, Furcht zu haben! Zehnmal zur Gestellung — ich weiß, er taugt doch nicht, der Hund! Das heißt wieso taugt er nicht? Taugen taugt er schon, nur zum Soldaten taugt er nicht .... Und da man ihn schon zweimal ausgemustert hat. Aber das überlegt man sich erst nachträglich. Damals, in einer fremden Stadt, ein Amt mit Leuten, die nicht nehmen — da soll man sagen! Wir haben aber doch noch einen großen Gott auf der Welt! Mein Alterchen, Itzig heißt das, hat wieder einmal eine hohe Nummer gezogen, hat sich wieder gestellt. Gott hat ein Wunder getan, die Militärkommission in Worotiliwka hat wieder gesagt „nicht tauglich" und hat ihm ein weißes Billett gegeben, ein Freischein. Hatten wir schon mit Gottes Hilfe zwei weiße Billette. Nach Hause gekommen. Freude und Wonne. Eine Mahlzeit hergerichtet. Dazugerufen fast die ganze Stadt. Gejubelt bis an den lichten Tag. Mit wem brauch' ich jetzt zu reden! Wer ist mir gleich? — Ein Kaiser! Jetzt wollen wir zu meinem Eisik zurückkehren, er liegt und ruht, der, dem anderen zu längeren Jahren, als Kind den Samowar über sich gestürzt hat. Nun werdet ihr ein Stückchen hören. Ein Prophet müßte man sein. Der schöne Row, der Kronsrabbiner von Worotiliwka hatte vergessen, ihn in der Matrikel auszulöschen, den Verstorbenen nämlich; und mir wird als Schuld gerechnet, ich hätte noch einen Sohn Eisik, der sich dieses Jahr zum Militär stellen müßte. Eine Bombe war das. Was ist das für ein Unglück auf mir? Eisik ist schon lange auf jener Welt, so spreche ich zu mir, und berede mich mit unserem Rabbiner, was man tun soll. — ,JDie Sache ist nicht gut,4* sagte er. — „Wieso?" sag' ich.— „Sie ist nicht gut," sagt er. „weil Itzig und Eisik derselbe Name?" — Sagt er: „Itzig ist Jitzchok. Jitzchok »erbet AbonncitBO IQp „Die Rabrfctit"! derselbe Name?" — Sagt er: „Itzig ist Jitzschok. Jitzschok ist Issak. Issak ist Isak und Isak ist Eisik." — Gut gedreht Kurz, was soll ich Euch sagen! — Man sucht meinen Eisik, man bringt mir die Order, er soll sich stellen zum Militär. In meiner Stube hat sich neues Gewein erhoben. Was sag' ich Gewein! Als wäre das Heiligtum zerstört! Erstens hat meine Frau, sie soll leben, sich des Verstorbenen erinnert die alte Wunde hat sich wieder aufgetan. Besser, sagte sie, er lebte und müßt« sich jetzt zum Militär stellen, als daß sein Gebein in der Erde liegt Zweitens hat sie Angst, vielleicht am Ende doch. Gott soll hüten, nicht werden soll es und nicht kommen, ist es so, wie der Rabbiner sagt, daß Itzig ist Jitzchok und Jitzchok ist Issak und Issak. ist Isak und Isak ist Eisik. und das wäre wirklich nicht gut So sagt sie, meine Frau, sie soll gesund sein, und legte die Welt ein. die Schwiegertochter fällt m Ohnmacht wie gewöhnlich. Ist es denn auszureden: ein einzigdiger Sohn, ein einundeinzigdiger, ein ganz echter, wahrhaftiger, koscherer, mit einem vollkommenen Militärbefreiungsprivileg, hat sich dreimal gestellt hat zwei weiße Billette und ist noch nicht fertig . . . Habe ich die Füße in die Hand genommen und bin nach Jehupetz gefahren, um mit einem Fichtigen Advokaten zu beraten. Meinen Sohn habe ich mitgenommen, mit ihm zu einem Professor zu gehen, um zu hören, was der Professor sagen wird, ob er tauglich ist oder nicht. Zwar weiß ich allein ganz gut, daß er nichts taugt der Hund. Das heißt taugen taugt er schon, nur zum Soldaten taugt er nicht .... Und wenn Ich werde hören, was der Advokat sagen wird, werde ich schon ruhig schlafen können, werde, nicht mehr mit der Militärgestellung zu tun haben. Aber es stellt sich heraus, die Advokaten und die Professoren wissen alle zusammen nichts. Der eine sagt so und der andere sagt so: was der eine sagt hält der andere für falsch — meschugge könnte man werden. (Schluß folgt)