Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1927-09-26 · Heft 39-40 (26.9.1927) · page 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 39-40 (26.9.1927)
Date
1927-09-26
Page
– (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064299-3064337--15738-3088539
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

DIE WAHRHEIT Seite 27 und vermochte dennoch nicht, in der zerklüfteten Gemeinde festen Fuß auf die Datier zu fassen. Die Gemeinde als solche wies zu weit auseinandergehende Strömungen und Bestrebungen religiöser und persönlicher Art auf, als daß sie auf einen Ton gestimmt werden konnte, und schien stürmischen Zeiten entgegengehen zu wollen. Da trat von außen eine Wendung ein. Mit Erlaß vom 16. Februar 1894 bestimmte das Ministerium für Kultus und Unterricht, daß die nachbarlichen Gerichtsbezirke, namentlich Stockerau, Groß-Enzersdorf und Gänserndorf, der Kultusgemieinde Floridsdorf einzuverleiben seien. Hiedurch traten die Juden der dortselbst bereits bestandenen recht ansehnlichen drei Minjanvereine in das Geltungsgebiet der Floridsdorfer Gemeinde ein. Ein neuer Gesichtskreis wurde eröffnet, neue Programme tauchten auf und lenkten von den früheren Schlagworten ab und auch neue Männer gelangten in den Vordergrund. Ihr Führer hieß Dr. Jakob König. (Fortsetzung folgt.) Karlsbader Brief. So oft man als Jude nach Karlsbad kommt., wird man immer von neuem der Freude voll, in diesem Weltbad die unter dem Namen Israelitisches Kurhospital bekannte ausgezeichnete jüdische Woblfahrtsanstait im Vollbetrieb zu sehen. Viel Segen ist schon aus dieser Anstalt, in welcher kranke Juden Heilung und Erholung finden, in nahezu alle Weltteile ausgegangen. Minderbemittelte und mittellose jüdische KuTbedürftige werden in dieser unter der Oberaufsicht des Oberrabbiners Prof. Dr. Ignaz Ziegler geleiteten Anstalt wie Familienmitglieder behandelt und betreut. Während der fünf Kurmonate wechseln die Pfleglinge allmonatlich ab und allmonatlich verlassen an die hundert Personen dankerfüllt dieses gastliche Haus, das allen Richtungen im Judentum durch die streng rituelle Führung gerecht wird. Erbaut in den Jahren 1901 bis 1903 durch den Wiener Baurat und Architekten Wilhelm Stiassny, wurde die 60 Zimmer umfassende Anstalt am 1. Mai 1903 in feierlicher Weise eröffnet und von der Karlsbader Kultusgememde, an deren Spitze der äußerst rührige, seither leider verstorbene Kultusvorsteher Ludwig Moser stand, in Verwaltung genommen. Ludwig Moser und der noch heute verdienstvoll w rrkende Karlsbader Oberrabbiner Prof. Dr. Ignaz Z i e g 1 e r haben von allem Anbeginn an dafür gesorgt, daß das „Israelitische Kurhospital" den minderbemittelten und mittellosen jüdischen Kurbedürftigen ein mit Liebe und Sorgfalt verwaltetes Hehn, eine wahre Erholungs- und Pflegestätte sei. Diese Tradition wurde während der ganzen 24 Jahre seines Bestandes im Kurhospital hochgehalten und ist auch nach dem Lhnsturz das Leitmotiv des Kuratoriums geblieben. Denn der Schöpfer des Hauses, Oberrabbiner Dr. Ziegler, ist zur aufrichtigen Freude aller, die ihn kennen, auch heute noch dessen Schutzengel und an der Spitze des segensreich wirkenden Kuratoriums steht derzeit der Sohn des allzu früh verstorbenen Mitbegründers der Anstalt, der Badearzt Kultuspräsident Dr. Karl Moser, unterstützt von dem. aus den Herren Josef Heinsfurth, Dr. Leopold Führenberg, Dir. Theodor Steiner, Adolf G o 1 d b e r g, Alfred K o h n, Rudolf M o sauer und Robert Schenk bestehenden Vorstandskollegium. Ihm zur Seite steht der unermüdliche Sekretär Herr Berthold Weißmandl. Der ausgezeichnete Ruf des Karlsbader jüdischen Hospizes" wurde durch die ungezählten dankbaren Pfleglinge, welche die Gastfreundschaft des Kuratoriums genossen, aber auch durch die zahllosen jüdischen Kurgäste, die alljährlich üfotefier und (Restomatem Josef Guttk und Swau l Wien II., Hollandstraße 14 nach Karlsbad strömen und Einblick in das Leben dieser Anstalt gewannen, in alle Welt hinausgetragen. Den Anlaß, abermals ihrer anerkennend zu gedenken, bietet der Umstand, daß sich das jüdische Kurhospital in dieser Saison dank der unermüdlichen Werbekraft des Oberrabbiners Dr. Ziegler in einer renovierten wirklich neuen und den modernsten hygienischen und medizinischen Anforderungen entsprechend eingerichteten Form wie ein modernes Sanatorium präsentiert. Von seinen 60 Zimmern sind derzeit 52 eingerichtet. Die Zimmer sind luftig, peinlich sauber, sehr schön und nett eingerichtet. In jedem Zimmer gibt es elektrisches Licht und Parkettlinoleum. Drei R?dezimmer stehen den rv»^r.h>iprM '■es Hauses zur Verfügung, während der zur Anstalt gehörende Moorpark mit seinen Liegestühlen einen idyllischen Ruheort bietet. Herrlich ist der riesige Speisesaal, in dem an kleinen Tischen 125 Personen zu gleicher Zeit ihre gute Mahlzeit einnehmen können. Die Küche, die mit ihrer Einrichturc und Führung als Muster für ähnliche Anstaltsküchen dienen kann, wird nach rituellen Grundsätzen geführt, s^ daß ieder hu\e, welcher religiösen Richtung er auch angehören mag, ohne Bedenken r»n den Segnungen des Hosni/os te'lnpbmen k->nn. Zwei von einander völlig abgesonderte Herde dienen zur Bereiten? von Fleisch-, beziehungsweise Milchspeisen und dieselbe Rücksicht auf die jüdischen Vorschriften wurde auch bei der Teilung der Spülräume genommen. Bei dem besten Willen des Kuratoriums könnte jedoch die Anstalt nicht das angenehme Heim bieten, wenn das Aerzte-, Pflege- und Verwaltungspersonal, mit dem ja die Insassen in direkte Berührung kommen, nicht auf der Höhe seiner Aufgaben stünde. Zum Glück ist die innere Verwaltung vollkommen den edlen Intentionen der Schöpfer und Kuratoren des Hauses entsprechend. Primarius Dr. Oskar Posner; dem ein mit den modernsten Behelfen ausgestattetes Ordinationszimmer und ein gleichfalls gut bestelltes Laboratorium zur Verfügung stehen, ist nicht nur ein guter Arzt, sondprn auch ein guter, liebenswürdiger Mensch. Er hält täglich Visite und genießt das uneingeschränkte Vertrauen aller Insassen. Die Verwaltung des Hauses liegt in den bewährten Händen des Verwalters Robert W o t z i l k a. während Frau Ida W o t z i 1 k a die Küche leitet. Das Ehepaar W o t z i 1 k a zeichnet sich nicht nur durch große Sachkenntnis, sondern, was ebenso wichtig ist, durch Takt, menschliches Fühlen und Verstehen aus. Eine tüchtige Krankenschwester und Hilfspersonal stehen dem Chefarzt und dem Verwalter zur Seite. Aber noch immer gibt es in dem geräumigen vierstöckigen Gebäude acht leere, uneingerichtete Zimmer. Es geht deshalb an die gesamte jüdische Oeffentlichkeit die dringende und inständige Bitte, durch Stiftung von Bettstätten oder anderweitigen Zuwendungen dem Kuratorium die Möglichkeit zu schaffen, auch die restlichen leerstehenden Zimmer mit einer Einrichtung zu versehen. Dann könnten noch weitere kurbedürftige Glaubensbrüder an dieser Stätte des Segens und der Menschenliebe Genesung und Erholung finden. Erhebend ist der Gottesdienst in der großen Synagoge (Parkstraße), der am Freitag abends und Sabbath stets von Andächtigen gefüllt ist. Oberrabbiner Dr. Ziegler fesselt die Zuhörer immer von neuem durch seine geistreichen Kanzelreden und Oberkantor M. Perlmann mit seiner herrlichen Tenorstrmme, unterstützt von dem gut geschulten Chor unter der Leitung des Dirigenten Weißmandl, entzückt als Chasan und Sänger die Andächtigen. Max Schwager. entbieten ihren geschätzten Gästen und \ lieben Freunden die herzlichsten \ Glückwünsche zum Jahreswechsel \ m ■■«■»•■■•■••ata*a««Bt«|a«PS««»paaaf

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.