Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1927-09-09 · Heft 37 (9.9.1927) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 37 (9.9.1927)
Date
1927-09-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064299-3064335--15688-3088487
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ötß Wahrheit iiiiiiuniiiioiii Ii Seite 11 VewöffenttitSkuniben der /Union deutsctkösteneidhisdhew Juden 3ftcn IX. föerggosse % 9«MfolMurJtaMseu- Jtfonto Jlv. tM* ITel. 10-2-7T „Schärfster Kampf wider den Volksfeind!" Da zu Beginn d. J. die christlichsoziale Partei den Punkt 8 ihres Parteiprogramms dem „zersetzenden jüdischen Einfluß auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiete" gewidmet hatte, konnte die e v a ngelische Kirche nicht zurückbleiben. Es ist verwunderlich genug, daß sie, deren antisemitische Tendenzen nicht ganz unbekannt waren, so spät erst mit einer ähnlichen Enuntiation herauskommt, die beweisen soll, daß sie nicht weniger judenfeindlich ist als ihre Brüder von der christlichsozialen Kuleur. Der evangelische Bund für Oesterreich hat deshalb auf einer Tagung, die Mitte August in Spittal an der Drau und in Seeboden am Millstättersee standfand, eine Entschließung angenommen, in der er „mit tiefer Besorgnis die Gefahr des immer mehr überhandnehmenden Judentums erkennt, eine Gefahr, die nicht allein die wirtschaftlichen Belange desdeutschen Volkes schwer beeinträchtigt, sondern besonders auch auf geistigem und kulturellem Gebiete äußerst bedrohlich wird. Die Hauptversammlung fordert darum alle Mitglieder des Bundes zum schärfsten Kampfe wider diesen Volksfeind auf. Insbesondere istgegendieWahl getaufter Juden in die evangelischen Gemeindekörperschaften entschieden Stellung zu nehmen." Zunächst ist zu dieser Entschließung zu bemerken, daß wir ihren Verfassern nur dankbar sein können, wenn sie „gegen die Wahl getaufter Juden in die evangelischen Gemeindekörperschaften'4 sind, aber wie verhält sich diese gegnerische Stellungnahme zu der Tatsache, daß gerade evangelische Kreise ganz besonders auf den Proselytenfang bei den Juden erpicht sind? Hier klafft ein Widerspruch, der mit Rassenprinzipien allem kaum zu erklären sein wird. Darüber hinaus müssen wir österreichischen Juden den schärfsten Protest dagegen erheben, wenn die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft unseres Staates ihre Angehörigen in unverantwortlicher Art und Weise gegen eine andere Glaubensgemeinschaft aufhetzt, die vom Staate gesetzlich anerkannt ist. Wir müssen mit Entscheidenheit dagegen protestieren, wenn mit demagogischen Schlagworten, wie „Gefahr des immer mehr überhandnehmenden Judentums" etc., die als unbewiesene und deshalb auch unbeweisbare Behauptungen jeglicher tatsächlichen Berechtigung entbehren, absichtlich falsche Vorstellungen und feindliche Gefühle erweckt werden. Der evangelische Bund für Oesterreich ist ein Teil der evangelischen Kirchenorganisation; wie stellt sich diese zu dem „Kampf wider den Volksfeind?" Sie hat das Wort. O H. Drei tote Juden. In meinem Artikel „Die Wiener Revolution — eine Judenmache" (siehe „Veröffentlichungen der Union deutschösterre ichischer Jude n" in Nr. 35 der „Wahrheit" vom 26. v. M.) hatte ich erwähnt, daß von den völkischen Blättern sogar die Tatsache geleugnet wurde, daß auch Juden unter den Opfern der Revolte waren, und als Beweis hierfür eine Notiz der „N y m p h e n b u r g; e r Zeitung" zitiert iDie Schamlosigkeit einer solchen Ableugnung konnte doch nicht ruhig hingenommen werden, und deshalb hat die Wiener Israelitische Kultusgemeinde auf Veranlassung der „Union deutschösterreichischer Jud en" und durch Vermittlung des Landesverbandes Bayern des Centrai-Vereines c&eut schier Staatsbürger jüdischen Glaubens, München, dem genannten Blatte folgende Berichtigung zugehen lassen, die von diesem auch aufgenommenen werden mußte. Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Wien, am 15. August 1927. An die Schriftleitung der „Nymphenburger Zeitung" Nymphenburg In der Ausgabe ihrer Zeitschrift vom 24. Juli 1927 ist unter der Ueberschrift „Frage und Antwort" folgende Veröffentlichung enthalten: „In Wien hat der rote Terror 150 Menschen das Leben gekostet und über tausend Menschen wurden verwundet. Befindet sich darunter ein Jud«? Nein! Wäre einem Juden etwas passiert, so wäre die ganze Welt voll von dem Gezeter der Jidden über ein Pogrom." Diese Veröffentlichung ist am 11. August 1. J. der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien zur Kenntnis gelangt. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien als die gesetzliche Vertretung der Einwohner Wiens israelitischen Glaubens richtet an Sie das Ersuchen, gemäß den Bestimmungen des Preßgesetzes folgende Berichtigung zu veröffentlichen: „Es ist nicht richtig, daß unter den Opfern der Ereignisse des 15. und 16. Juli 1927 in Wien ein Jude sich nicht befindet. Vielmehr ist richtig, daß unter den Opfern der Ereignisse des 15. und 16. Juli 1927 in Wien auch Juden, insbesondere — laut amtlicher Feststellung der Friedofverwaltung der Wiener israelitischen Kultusgemeinde — drei jüdische Tote sich befinden. Reg.-Rat Dr. E. Adle r, Prof. Dr. A. Pick, Amtsdirektor. Präsident. Dem Zwange, ihre Lügenmeldung richtig zu stellen, zwar gehorchend, konnte sich die „Nymphenburger Zeitung'' nicht enthalten, folgende „Glosse" dem Schretoen der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde anzufügen: Also drei jüdische Tote hat es bei den Unruhen in Wien, die eine Folge der jüdischen Weltpolitik sind, gegeben. Drei tote Juden. Bei dem großen Prozentsatz, den die jüdische Bevölkerung in Wien einnimmt, sind drei Tote wenig. Die Deutschen haben hunderte von Toten und Verwundeten gehabt, und es würde uns interessieren, warum die Wiener Kultusgemeinde die Zahl der jüdischen Verletzten nicht angibt. Und noch etwas, ihr Herren: Auf welcher Seite sind die drei Juden gestanden?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.