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Die Wahrheit · 1927-09-02 · Heft 36 (2.9.1927) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 36 (2.9.1927)
Date
1927-09-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 11 1890 ward ich nach allem Sturm Horg'richt aufs neu als Rathausthurm. Dem Aufrecht' schenkt Korneuburg Ehr, Wer schwenkt und schwankt, des« kein Begehr. Der Turm hat recht, die Korneuburger Juden des 14. Jahrhunderts, die ein Schwenken und Schwanken nicht kannten, stehen turmhoch über denen des neunzehnten Jahrhunderts. Diesen, den schwächlichen Epigonen, die ihre Söhne und Töchter ruhig den Zielen der Taufe und Mischehe zusteuern sehen, genügt das kleine, noch halb nach traditioneller Art eingerichtete Lokal, das zwar einen Almemor in der Mitte, aber kein eigenes Pult für den Vorbeter aufweist. Und wenn auch betont werden muß, daß in diesem Bethause an der. wenigen Tagen, an denen es überhaupt Besuch erhält, vi.i Geld für jüdische Zwecke, für den Nationalfonds usw. gespendet wird, ist es doch traurig, daß der Vorbeter keine rechte Gelegenheit mehr hat, auch seine Funktion als Schächter auszuüben. Das Betlokal ist der Gemeinde von dem Hauseigentümer gekündigt worden und es rächt sich jetzt, daß nicht vor dem Kriege für .einen Synagogenbau gesorgt wurde. Aber gerade dieser Mangel legt den schönen Gedanken nahe, die Roßmühle zu adaptieren und wieder ihrer ursprünglichen Verwendung als Synagoge zuzuführen. Die Herstellungsarbeiten würden bei dem unversehrt gebliebenen Grundcharakter des Gebäudes keine so großen Geldmittel erfordern und es käme nur darauf an, das Geld für die Auslösung der in fremden Händen befindlichen Gefangenen aufzubringen und wir hätten ein schönes Werk jüdischen Denkmalschutzes vollbracht, das wir mit Stolz unseren Kindern aus Wien und ganz Niederösterreich in eigenen Studien- und Pilgerfahrten zeigen könnten. In dem jetzigen Bethause von Korneuburg gibt es sieben Schofarhörner; mögen die Klänge dieser Hörner die Schwankenden nicht nur in Korneuburg, sondern im ganze Lande ermuntern, das Erbe ihrer Väter zu erwerben, um es wieder zu besitzen! L. Moses. Zu laschono gratulieren Sie ailen Ihien Vei wandten. Freunden, Bekannten, Kunden und Gasten in der Neujahrstestnummei der 99 61 Sie ersparen damit Mühe. Porto und Zeitaufwand! Da im vorigen Jahre infolge verspäteten Einlangens viele Aufträge keinen Raum mehr finden konnten, bitten wir, uns die geschätzten Aufträge schon jetzt zu erteilen. Muster : Anläßlich des Rosch-Haschonoh-Festes entbieten hiermit ihren Verwandten und Freunden die herzlichsten Gluckwunsche (Einfaches Feld) /&«l€flll»ertf linear XVIII., Ladenburgsasse 26 Ausschneiden! Bestellschein ■ An die Administration „DIE WAHRHEIT", Wien II., ■ Heinestraße 13 m ■ Ich bestelle hiermit einen Rosch-Haschonoh-Glück- ■ wünsch a) Einfaches Feld zum Preise von S 6"— Jj b) Doppelfeld zum Preise von S 12 — ■ ■ Name: |j Genaue Adresse: a B BS n B m B H B B iBflBBBBBflBBBBBBBBBBBBBBfflflfiBBflBSBBBBBBBBBl %(WaftKtkcMcm vem Tage Ein „Massenaufmarsch". Vor kurzem fand in Nürnberg der Parteitag der reichsdeutschen Nationalsozialisten statt. Bemerkenswert ist, daß in den verschiedensten völkischen Blättern überaus widersprechende Berichte erschienen sind. Die bei den Hitlerblättern beliebte maßlose Uebertreibungssucht ist da wieder einmal in Reinkultur zu beobachten. Der „Völkische Beobachter" zählte 50.000 und die Wiener „Deutschösterreichische Tageszeitung'' gar über 100.000 Teilnehmer. Was ist nun richtig? Nach authentischen Berichten ergab der Aufmarsch eine Teilnehmerzahl von S000 bis 10.000 meistens jugendlichen Zugteilnehmern, abgesehen von den Zusehern, die man als Parteitagsteilnehmer naturgemäß nicht rechnen kann. Aus diesem Beispiel ersehen wir, wie unzuverlässig und gefärbt die Berichte der Antisemitenblätter sind, selbst wenn es sich nicht um eine jüdische, sondern nur um eine interne Parteisache handelt; es ist aber immerhin lustig, wenn Organe der Hitlerbewegung, welche die Kundgebung veranstaltet hat, in ihren Berichten derartige Differenzen bringen und so einander selbst Lügen strafen. Als Redner traten bei der Tagung Landtagsabgeor er.\eter Julius Streicher und Reichstagsabgeordneter Dr. F r i c k auf. Hitler verlas eine „Botschaft an das erwachende Deutschland", worin es heißt: „Indem wir den Blick zuriieklenken auf die wechselvollen Schicksale unseres Volkes, vermögen wir nie daran zu glauben, daß das Muttervolk der europäischen Kultur, ja der weißen Zivilisation überhaupt (!!), nach einer Geschichte von fast zweitausend Jahren dem Untergange bestimmt sein soll nur (!) durch die Existenz einer Organisation jüdisch-internationaler Verbrecher, ohne eigene Schuld. Diesem inneren Feinde in all seinen Formen sagen wir den Kampf an, von Trotz erfüllt bis zum letzten, und sind dabei nur von zwei Gefühlen beherrscht: Haß und tausendmal Haß gegen die Feinde unseres Volkes und Vaterlandes." Antisemitismus in England? Jüngst wurde in England ein neuer antisemitischer Geheimorden gegründet, der den Namen „W eiße Ritter Englands" führt. Aufnahme finden nur Personen, die nachweisen können, daß ihre Eltern und Ureltern der britischen Nation entstammen und Christen waren. In den Glaubensartikeln des Ordens heißt es, daß die Juden eine Gefahr für Christentum und Zivilisation bilden. Die Mitglieder des Ordens sollen schon durch ihre äußere Tracht als solche kenntlich sein. — Lucien Wolf, der Sekretär des Joint Foreign Committee, erklärt in der ,.W estminster Gazett e", man möge den neuen Orden nicht ernst nehmen; es gäbe keinen wirklichen Antisemitismus in England. Die Herren des neuen Ordens gefallen sich in einer Spielerei und verdienen wegen der Wahl derselben die Verachtung aller Menschen von Takt. Mögen die „Weißen Ritter" das Judentum als Gefahr ansehen — das englische Judentum sieht diese törichten Menschen jedenfalls nicht als gefährlich an. — Auch die übrige englische Presse verfehlte nicht, zum Ausdruck zu bringen, daß solche Gründungen der britischen Nation keine Ehre bringen werden. Aus den Kreisen der „Weißen Ritter" gingen daraufhin unter anderen der „Westminster Gazette" und dem „Daily Herald" Drohbriefe zu. Verdienste um die Republik Oesterreich. Der Obmann des Deutschen Turnerbundes Hofrat Claudius Kupka hat „in Anerkennung der um die Entwicklung des Turnwesens in Oesterreich erworbenen Verdienste" das goldene Ehrenzeichen mit Nachsicht der Taxen erhalten. — Hofrat Kupka ist der Führer der Hakenkreuzbrbewegung in den Bergen und leitet den antisemitischen „Deutschen Turnerbund'1. Er ist der Verfasser des von uns seinerzeit glossierten Aufrufes an die deutschen Turner, sich den Empfangsfeierlichkeiten für Chamberlin und Lev:ne in Wien fernzuhalten. Dieses Zirkular ist in der Weltpresse mit der gebührenden Heiterkeit behandelt worden. Vielleicht ist dies der Anlaß, das goldene Ehrenzeichen „mit Nachsicht — der Taxen" zu verleihen. Sturmzeichen. In den letzten Tagen erhielten HO jüdische Lehrer in Palästina von der zionistischen Leitung die offizielle Mitteilung, daß infolge von Budgetschwierigkeiten vorläufig von

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