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Die Wahrheit · 1927-09-02 · Heft 36 (2.9.1927) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 36 (2.9.1927)
Date
1927-09-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Wir giaubeji zwar nicht, daß der originelle Vorschlag, der mit dem ..national hörne in Palestine" Emst macht, schon bei dem diesmaligen ZiQJMStenköngreß starken Anklang finden wird, aber es könnte sein, daß die Logik der Tatsachen zur Annahme ähnlicher Vorschläge später zwingen wird. Warten wjr zunächst ab, welche weitere Entwicklung die ökonomische Krisis nehmen und wie die Zusammenarbeit der Zionisten mit den amerikanischen Philantropen sich bewähren wird. * * * Die Kongreß wählen. In Deutschland haben die Wahlen zum Kongreß bemerkenswerte Ergebnisse gehabt Die Liste Kurt Blum^nfeld, die' als die der Weizmann- Partei („Regierungspartei" scherzhaft genannt) zu gelten hat und den Namen „Linkes Zentrum" führt, erhielt 2313 Stimmen und 4 Mandate, der Misrachiy der wohl auch zu Weizmann halten wird. 2076 Stimmen und auch 4 Mandate. Die Poale Zion, unter Führung Alfred Bergers. die den Standpunkt des arbeitenden, sozialistischen Palästinas unterstützen, 1540 Stimmen und 3 Mandate, die radikalen Zionisten, die eine Gruppe deT Opposition darstellen, 465 Stämmen und 1 Mandat, und die schärfste Opposition, die Zionisten-Revisionisten, konnten es mit 302 Stimmen zu keinem Mandate bringen. Im Jahre 1925 erhielten die Radikalen 854 Stimmen und kein Mandat, während die List)e Blumfcnfeld-RosienbliHh damals 5026 Stimmen und 9 Mandate gewann. Der gesetzestreue Zionismus, im Misrachi verkörpert, der 1925 nach anderem Verfahren. Delegierte entsandte, hat somit eine unerwartete Stärke in Deutschland erwiesen, und auch die Poale- Zkmisten haben, sich mit großem Erfolg geschlagen. Diese Ergebnisse, die schweren Verluste der offiziellen Blümenf eldschen Richtung, wollen bei der weiteren Gestaltung des inöerjüdischen deutschen Lebens ernstlich beachtet werden. Nim aber etwas Ueberraschendes: 1925 gibt die zionistische Organisation die Zahl der Schekelzahler mit 24968 an. Von diesen 24t968 " fceglaafeigteH Zionisten .sind -im ganzen jetzt 6696 Stimmen abgegeben worden, für eine Wahlhandlung, die für <üe Zionisten von entscheidender Bedeutung ist Ist eine in der „Jüdischen Rundschau" auls Breslau veröffentlichte Zuschrift.. wahrheitsgetreu, so hätten sogar (denn wer den Schekel zahlte, konnte wählen) einzelne. Nichjtzionisten und — kaum möglich! — Antizionisten gewählt, um bestimmten Richtungen gefällig zu sein. Wie dem auch sein mag: Daß von 24.968 Schekeizahlern selbst nur 6696 zur Wahlurne schreiten, ist ein bedenkliches Zeichen, . wie gering in der Mehrzahl der deutschen Zionisten wahrhafte Begeisterung lebt und wie die Stoßkraft , des Zionismus bereits geschwächt ist. Dr. A. W. * ., * ■ - -.......... *...... lieber die österreichischen Wahlen schreibt Dr. . Hugo Spie g l er. in der _ , jüdisch-liberalen Zeitung": Am schlechtesten hat der Zionismus in dem Lande abgeschnitten, wo er (entstanden ist: in 0 e s t e r- <r e i c h. Schon das Resultat der letzten Wiener P a fl a m e n t s--w-a-h: 1-ie n hat . dien. Zatsaminenbruch des jüdischen Nationalismus gezeigt Doch konnte man damals an ein bloßes V'er-; s age n deT „Lande s po 1 i ti k" glauben und es fehlte nicht an Stimmen, die sich von dem äußeren Debakel eine erhöhte Intensität der inner zionistischen Bewegung (versprachen. NuH haben che Kongreßwahlen einen Maßstab -für difcse Intensität geliefert und er ist b e s c h ä nren d er ausgefallen, als man je gedacht hätte: In der Stadt Theodor Herzls würden im Ganzen 1781 Stimmen abgegeben . . . Angesichts der geradezu katastrophalen Sprache dieser lächerlichen Zahl ist die rräktionsmäßige Verteilung der Stimmen wohl nur von untergeordneter Bedeutung. Sowohldie „radikale" als auch dü Weizraann-Rfchtung erhielt je ein Mandat Dabei haben die .'„Radikalen" noch etwas mehr Stimmen aufgebracht als die Partei des Obmannes der Weltorganisation. Ob sie aber dieses Sieges "froh Werden; darf füglich bezweifelt - werden. Ist es doch, da süe die zionistische Presse in -Oesterreich -beherrschen, — nämlich durch die „Wiener Morgenzeitung", das einzige zionistische Tagblatt in Mitteleuropa — als ihr „Verdienst" anzusehen, wie „populär" die Bewegung seit den Taigen Herzls in der Stadt, in der er gelebt hat, geworden ist . . , Sie schieben die Schuld freilich auf die „herrschende" Richtung im-Zionismus, deren Debakel ja Weizmann selbst zugegeben hat Die Wahlziffern dieses.. Kongresses verraten einen refgehenden P e s s i m i s m'ü s im ganzen Zionästenlager, vorausgesetzt, daß man vott einem solchen überhaupt noch sprechen kann. Das Lager ist noch da — aber wo sind die Zionisten? Friedhofsschändang. Ein Mahnruf von Herbert E ü 1 e hb e r g. Einmal ganz abgesehen von der unraensch- 1 i c h e n R o h h e i t, die darin liegt, sich an Gräbern, zu vergreifen, Schandtaten, die wir jetzt fortwäh-;.. rend aus den Berichten unserer Zeitungen über die Verwüstung jüdischer Friedhöfe vernehmen müssen, bedeutet eine solche Zerstörungswut, auch ftiit; den Augen eines Künstlers betrachtet, e in e N fe de rt r a c h t. Ich kenne persönlich viele jüdische Friedhöfe, die es an Schönheit mit dem berühmten von R u i s d a e 1 gemalten — das herrliche Bild hängt; in der Dresdener Galerie — aufnehmen könnten. Zwischen Rhein und Ruhr, wo, will ich lieber gar nicht verraten, liegt im Wald ein solch verlassener, aufgegebener Judenfriedhof, dessen schwermütiger Zauber einen, jeden Wanderer ergreifen " muß. „Und wenn einer ein Grab von Eueh sieht gen Osten in weiten Landen, wird er seufzen und seine Seele wird stille werden wie beim Anschauen eines verf 1 ogenen Vogels." Auch bei meiner Vaterstadt Köln gab es früher einen solch abgelegenen alten romantischen Judenfriedhof vor den Toren, zu dem.wir als Kinder gern hinauspilgerten, um zwischen seinen schönen, teils schon, versunkenen Steinen umherzuwandeln und die uns unverständlichen krausen hebräischen Inschriften zu betrachten. Heute wird dieser kleine Begräbnisgärten in Köln nicht mehr benutzt und hat als Friedhof längst einer großen, neuen Anlage weichen müssen. Aber noch heißt das Wirtshaus, das an der Stelle dieses alten Friedhofes vor den früheren Festungswerken steht, in kölnischer Mundart: „A m d u d e Jüd". („Beim toten Juden".) Und es soll dort an Sonntagen jetzt heiter getanzt und gelacht werden. Aber das ist nicht schlimm. Denn der Lebende muß ja vergessen. Und in Köln denkt kein Mensch, wenn. er den Namen dieses Gasthauses ausspricht, sich irgend etwas Judenfeindliches dabei.';- Welch eine Rohheit des Herzens aber offenbart es, wenn Leute ihren Haß und Zorn an den Gräbern der Toten auslassen! Welch eine Rohheit und zu- A gleich welch eine' F e i g h e i t! Denn was ist billiger.. und erbärmlicher, als nachts in der Dunkelheit unbewachte Grabsteine umzustürzen öder zu verunreinigen? Schämt man sich als Deutscher nicht bis in den Grund seiner Seele für seine Volksgenossen, wenn man von solchen Untaten liest, die an jüdischen Gräbern begangen : werden? Selbst ein so glaubenseifriger Herr wie Kaiser Karl der Fünfte sprach mitten in den wildesten Kämpfen gegen den Protestantismus, diese neue Irrlehre in seinen Augen, als man ihn am Grabe Luthers aufforderte, die Gebeine dieses Erzfeindes und Ketzers in die Elbe werfen zu lassen: „Das sei ferne von m i r. I c h f ü h re keinen K r iegmi t d e n T ök-- te n, ich f ü h r e nur.Kri e g m i t d e n L e.b e ri- :' den." .....■■■■ - ■ ■ ■■.....: '. ..'."/.}■.; Jeder völkische Wahnsinn wäre als eine Krankrheit zu entschuldigen. Dieser, der sich an jdeni Grjüf-.' ten der Toten vergreift, ist es nie -und nimmer. Ich bin [überzeugt, daß die Völkischen;bei uns in ihrer großen . MelirheU; solche'Freyeltä^ 'durchaus ver-1' werfen werden! Darum richte ich meinen Mahnruf

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