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Die Wahrheit · 1927-09-02 · Heft 36 (2.9.1927) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 36 (2.9.1927)
Date
1927-09-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT aili.liüililüülCüiihiniiimi,!, ii:;1; seit* 3 treffen. Im Gegenteil, die österreichischen Juden werden sich mit allen Kräften gegen solche Bestrebungen zur Wehr setzen, sie noch entschiedener ablehnen, als es schon der Nationalitätenkongreß getan hat, selbst wenn sie noch so „illustre" Interpreten finden. Das mögen sich die Herren ein für allemal gesagt sein lassen. _____Dr. Hugo Spiegier. Zum 15. Zionistenkongreß'. Der Zionistenkongreß, der dieser Tage an seiner Geburtsstätte in Basel zusammentrat, wird die Führer und Träger der Bewegung in einer von schweren Sorgen um die Zukunft umwölkten Atmosphäre finden. Es zeigt sich mehr und mehr, daß der Plan, ein ganzes Land, das Jahrtausende sozusagen wüst und leer seiner Wiederauferstehung harrte, mit einer Bevölkerung von Hunderttausenden zu besiedeln, die Kräfte jedweder freien Organisation übersteigt. Nur eine moderne Großmacht, wie etwa England selber, wäre zur Lösung dieser Aufgabe auf natürlichem Wege imstande. Die kaum mehr erträgliche wirtschaftliche Not, in die viele Tausende der heute im Lande wohntemden Juden geraten sind, hat schließlich, wie im Leitartikel unserer letzten Nummer berichtet, Prof. Weizmann zu dem bekannten Abkommen über den Eintritt der amerikanischen Notabein in die Jewish Agency veranlaßt, obgleich ihm aus der Mitte der Organisation selber wegen der dadurch bedingten Verwässerung der politisch-nationalen Idee die schärfsten Vorwürfe und die stärkste Opposition gemacht werden. Diese Heranziehung der amerikanischen Geldgrößen um den Preis einer minder lauten Betonung des jüdischen Nationalismus ist schließlich der letzte Rettungsanker, nach dem die Bewegung greifen muß, so lange nicht England selber es als seine Aufgabe betrachtet, die Besiedlung Palästinas in die Hand zu nehmen. Unter diesen Umständen verdient ein Vorschlag Beachtung, den das führende zionistische Blatt Englands, der „Jewish Chronicle", der allerdings auf einen äußerst radikalen nationalistischen Standpunkt steht, vor einigen Wochen der Oeff entlichkeit unterbreitet hat. Das Blatt geht ebenfalls von der Tatsache aus, daß die Kräfte der Zionistischen Organisation niemals ausreichen werden, um den kolonisatorischen Aufgaben, die sie sich gesteckt hat. zu genügen, daß auf der anderen Seite die Zusammenarbeit mit den Amerikanern das eigentliche Ideal des Zionismus, di'e Errichtung einer jüdisch - n a t i onalen Heimstätte, gefährde. Aus diesem Grunde schlägt „Jewish Chronicle" vor, Erez Jisroel gewissermaßen in Zonen zu teilen und die eigentliche Tätigkeit der Zionistischen Organisation auf Verlangen Sie überall I Original- Badgasteiner Therm slwasser Avil Direktion Badgastein; Depot Wien: Lastenstraße Nr. 170 Fernsprecher 138 Drahtanschrift: Thermag I., Helferstorferstraße Nr. 9 Fernsprecher 62-0-42 Drahtanschrift: Thermag Wien L der Name sprüht fflr sidi» ein relativ kleines Areal innerhalb Palästinas zu beschränken. Dieses Areal sollte dann nach rein jüdisch-nationalen Gesichtspunkten aufgebaut und seine Größe würde je nach den Mitteln, auf welche die Zionistische Organisation rechnen kann, bestimmt werden. Außerhalb dieser nationalen Heimstätte könnten nicht nur die Araber ihre eigenen nationalistischen Aspirationen verwirklichen, sondern es wäre allen pro-palästinensisch, aber nicht nationalistisch gesinnten jüdischen Brüdern möglich, ihr Interesse an der Besiedlung des heiligen Landes ohne Ge wisse nv,sopf er materiell und ideell zu betätigen. Menschen, die darin wohnen sollen. Ein Krieg, der die Bäume des Landes vernichtet, gewinnt nicht, sondern verliert in Wirklichkeit das Land, das er besitzen will, weil er kaum wiedergutzumachenden Schaden stiftet. Brauchte es der Beweise, so würde die rücksichtslose Abholzung der judäischen Gebirge und des Libanon zur Zeit der Römer und Kreuzfahrer dafür genügen. Die Weisheit und Klugheit des Kriegführers darf nicht nur an den Sieg, sondern muß auch an das Leben der Menschen denken und soll weder dem Volke noch dem eigenen Heere die Mittel zum Leben entziehen. Mehr aber noch liegt in diesem Worte der Schrift. Das Judentum hat das Wort „al taschis'* aus diesem Satze aufgegriffen und zu einem Grundsatze von unvergleichlicher Schönheit gemacht: „Verdirb nichts, zerstöre nichts, was einem Zwecke dienen kann!" Es hat einen weiten Raum im Gesetze gefunden und verkündet eine Weltanschauung, die sich gegen jede unsinnige Zerstörungswut wendet. Auch Krieg und Kampf soll gerechtem Zwecke dienen, nicht aber sinnloser Zerstörer sein. Stumm und klaglos leidet der Baum, wenn man ihn seiner Früchte beraubt, ja selbst» wenn er unter den Streichen der Axt fällt — im Leben wie im Tode nützlich den Menschen. Jede Kreatur wehrt sich gegen den Tod. Auch der Wurm krümmt sich, wenn er getreten wird. Der Baum stirbt wie ein Held, ohne Klage, ohne Murren, nach dem Tode nicht weniger Segen spendend als im Leben. Er ist das Bild edelsten Gehorsams gegen seine Bestimmung. Am schönsten hat das Richterbuch in dem unsterblichen Gleichnis Jothams der Bäume stolzen Willen, Nutzen zu bringen, ausgemalt. Sie wollen Früchte tragen, dienen — nicht herrschen. Aber es gibt auch keinen schöneren Anbück als einen Baum im Schmucke reicher Fruchtfülle. Propheten und Dichter vergleichen den Gerechten mit dem fruchtbeladenen Baume, das Gesetz wird „Baum des Lebens" genannt, und segnen soll man den Schöpfer, wenn man im Nissan die blühenden Bäume schaut. Auch des Menschen Bestimmung ist, mit seinem Leben Nutzen zu stiften. Wenn die alten Weisen gerade das Wort vom Fruchtbaume, „denn von ihm nährst du dich", auf den Gesetzeskundigen anwenden, so haben sie recht. Denn von diesem sollen andere geistige Nahrung gewinnen. Dient er dem edlen Zwecke, Wahrheit und Wissen zu verbreiten, ist sein Dasein berechtigt. Aber ob Fruchtbaum oder Nutzholz — jeder gehorche dem Gebote, einem Zwecke zu dienen. Der eine mit Früchten, der andere mit dem Holze. Denn lebend spendet der Baum lebenerhaltende Nahrung, im Tode gibt er sein Holz für die Wiege wie den Sarg, der Menschen erste und letzte Ruhestätte, wenn sie noch nichts oder nichts mehr vom Kampfe des Lebens wissen. Was aber zwischen diesen beiden, der Wiege und dem Sarge liegt, ist der Baum des Lebens, der Erkenntnis des Guten und des Bösen, ist Versuchung und Sünde, Erfolg und Kraft. Ein Baum, grünend, blütengeschmückt im Frühling, Schatten spendend im Sommer, Früchte tragend im Herbste — am Ende dürr und trocken, das ist der Mensch im Leben. Hat die Axt des Fällers den starken Stamm getroffen, wohl ihm, wenn es ist zum Frieden und nicht zum Kampfe!

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