Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 35 (26.8.1927)
- Date
- 1927-08-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Öffi WAHRHEIT fiiiiiioiiiiiMiiMniili M Seit* 3 Fingern abgezählt werden könnte. So zum Beispiel haben die sozialistischen Zionisten (P o a 1 e Z i o n) insgesamt in den 21 Wiener Gemeindebezirken 43 Stimmen aufgebracht! Wenn auch der Ausgang der Delegiertenwahlen in Oesterreich durchaus kein getreues Bild des österreichischen Zionismus bietet (es soll angeblich 4217 Schekelzahler unter den 300.000 österreichischen Juden geben und von diesen 4217 Wahlberechtigten haben im ganzen 1463, also 34 Prozent, gewählt), die Frage muß aufgeworfen werden: Wohin geht - der österreichische Zionismus, wohin hat ihn seine „Landespolitik" geführt? Aber nicht nur diese Frage, sondern die viel umfassendere und entscheidendere Frage, wohin der Zionismus überhaupt gehen will, welchen Weg er einzuschlagen gedenkt, wird auf dem 15. Zionistenkongreß zur Diskussion stehen. Wollen die Zionisten die Versöhnung, das Zusammenarbeiten, den Aufbau und den Fortschritt, dann werden sie in vielen nichtzionistischen und auch n i c h t j ü d ischen Kreisen Unterstützung und Förderung finden, wollen sie aber den Kampf, dann werden sie erkennen, daß tausende und abertausende Glaubensbrüder bereit sind, blutenden Herzens zwar, aber im Gefühle ihrer jüdischen Pflicht zu kämpfen gegen die Politisierung und Nationalisierung des Höchsten und Heiligsten, was sie besitzen, des Glaubens ihrer Väter! ten tür „Die Waiir!l(f J) Bezugsbedingungen: Halbjährig: für Oesterreich S 8.50, Ungarn Pengö 8-50, Deutschland üoldm. 7.—, Tschechoslowakei?K 60—, Polen ZI. 11.—, Schweiz Fr. 7.—, Amerika lVa Doli., Italien Lire 40.—.EnglandSchilling — 15.—, Rumänien Lei 300— .Jugoslawien Dinar 100.— ■ ein flüchtiger Blick läßt das Verbotene erkennen. Anders liegt die Sache beim Schwein. Es hat die gespaltenen Klauen, zeigt dem Auge das Bild des Erlaubten, während es durch die Tatsache, daß es kein Wiederkäuer ist, in Wirklichkeit verboten ist. Rom hat Judäa gereizt, geärgert, gequält. Der offene Kampf war nicri das Schlimmste, sondern Roms Denuntianten- und SpitzeHsystem, mit dem es von außen „koscher" erschien in Wahrheit mehr als „trephe", ein Abscheu war. Deshalb hat das gequälte Volk sehrem tiefen Groll in einem Vergleiche Luft gemacht, der nfcht die Sittenlosigkeit, dien Unflat entarteter Lüste, auch nicht die Gefräßigkeit und Unersättlichkeit, sondern das „koscher Chaserfüssel" kennzeichnet Damit hat Roms Politik, Diplomatie und geistige Einstellung ein ewiges Denkmal erhalten, zu dem aber auch spätere Zeiten, einer Selbsterkenntnis bedürftig, aufschauen dürfen. Menschen, Verhältnisse, Zustände und Gelegenheiten passen noch immer in den Vergleich vom „koscher Chaserfüssel" hinein. Auf den ersten Blick geben sie sich als gut, geeignet, erlaubt und gesetzmäßig, um sich hintennach als deren Gegenteil herauszustellen Geht man Leben und Schicksale der Menschen durch, so wird man die traurige Rolle, die das „koscher Chaserfüssel" gespielt hat, sehr leicht finden und den bittern Groll, den unsagbaren Abscheu, den die Betroffenen und Betrogenen gegen den Verführer hegen, wohl begreifen. Ist das „Schwein'" das Geschöpf, das das Erlaubte zeigt und das Verbotene bedeutet, ist es das Bild für ein Regime) eine Herrschaft, vielleicht auch ein ganzes Gesellschaftssystem, so wird der Haß und Abscheu, der es begleitet, klar,, wird es mehr als ein verbotenes Tier, wird verfehmt, und seine Aufzucht mit Fluch belegt, denn nicht nur die Religion, das ganze Menschenherz, jeder ehrliche Sinn muß verabscheuen das Getriebe der bittersten, folgenschwersten und unglückseligsten Lebenslügen, die nichts so treifend und eindeutig bezeichnet als das Wort: „Koscher Chaserfüssel!" Patriotismus der luden. Ein Wort zu den ungarischen Judenrazzien. . . . „Mein Vater war ein slowakischer Bauer, meine Mutter eine Dienstmagd. Sie mußte lange Zeit durch ihrer Hände Arbeit Brot verdienen: für sich und für mich, häufig sogar für meinen Vater, der nicht immer bei den Landwirten tfeT Gegend Beschäftigung fand. Im Hause einer jüdischen Witwe ward jedoch meiner Mutter die gütigste Unterstützung zuteil, und auch mir wurden durch die Hilfe dieser Witwe die ersten Möglichkeiten zum Studium geboten. Nie und nimmer werde ich diesen Edelmut vergessen, und wer, wie ich, das jüdische Familienleben gesehen hat, der kann nicht in die jetzt laut werdenden antisemitischen Hetzrufe einstimmen. Nichts törichter, als das Gros der Juden, deren Frömmigkeit oft geradezu in Bigotterie ausartet, für die antikirchliche Strömung in Ungarn verantwortlich machen zu wollen." „...Ich achte d i e J u d e n, denn ich kenne ihren Fleiß, ihren Familiensinn und ihren Patriotismus. Den Antisemitismus verurteile ich, die unter dem Deckmantel dies Christentums begangenen Verbrechen verabscheue ich. Alles, was ich tun kann, wird geschehen, um ehrliche und unschuldige Mitmenschen gegen terroristische Racheakte zu schützen. Für die Fehler und Sünden einzelner darf man nicht eine Konfession verantwortlich machen wollen, die dem Lande gute und tüchtige Bürger gab. Der wahre Christ kennt keinen Religionshaß, er kennt nur Religionsliebe, die alle Menschen umfängt, die guten Willens sind . . Diese goldenen Worte sprach bei verschiedenen Gelegenheiten kein geringerer als Johann CsernocIi, der vor kurzem verstorbene Fürstprim a s, das Haupt der katholischen Kirche in Ungarn, und es ist von Bedeutung, daß diese Worte in Ungarn gesprochen wurden, weil Ungarn unmittelbar nach dem Kriege zu einem Herd des blutigsten Antisemitismus in Europa geworden war und neuerdings wieder einen antisemitischen Rückfall bekundet. Die Worte Csernochs über die Juden muten nicht an wie vor dem Spiegel der Weltgeschichte frisierte Aussprüche großer Männer, die sich ein Alibi schaffen wollen, um ihre im Leben betätigte schäbige Gesinnung zu verbergen. Csernoch sprach, wie er dachte, er sprach aus der persönlichen Erfahrung, die doch immer die Goldgrube der Erkenntnis ist. So mancher, der klein war und später im Leben es zu etwas gebracht hat, verschweigt seinen niedrigen Ursprung. Er schämt sich seiner armen Eltern, und es gibt Emporgekommene, denen Schmeichler einen adeligen Stammbaum andichten. Aber wahrhaft große Männer verschmähen derartige Lügen . . . Als ein Heraldiker in Paris nachwies, Kaiser Napoleon I. stamme aus einem italienischen Fürstenhause, winkte dieser dem byzantinischen Eifer des Pseudo-Wissenschaftlers ab, indem er sagte: „Mein Adel beginnt von Valmy*)". Der Fürstprimas von Ungarn erzählt, er sei der Sohn eines slowakischen Bauern und einer Dienstmagd, er habe in seiner Jugend viel Not gelitten und gerade im Hause einer jüdischen Witwe sei seiner Mutter und ihm Hilfe geboten worden. Wer so spricht, sagt die Wahrheit. In diesem Bekenntnis zeigt sich die Erkenntnis eines bedeutenden Menschen, und auf *) Eine der ersten siegreichen Schlachten des Kaisers. Anm. d. Red