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Die Wahrheit · 1927-08-19 · Heft 34 (19.8.1927) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 34 (19.8.1927)
Date
1927-08-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 MÜS Bimmmnnnnuimmmmni iMiiiiinfiiinniiii die Wahrheit Der Jenenser Zoologe Prof. Plate, der Nachfolger von Ernst H ä c k e 1 ist ein radikaler Antisemit. Er selbst hat sich in den deutschvölkischen Monatsheften seinerzeit als ..Idealisten, freidenkenden Christen, Deutschvölkischen und Antisemiten" bezeichnet. Wie und in welcher Weise er diesen seinen Idealismus betätigt, möge folgender Vorfall zeigen: In seinem Kolleg „Allgemeine Zoologie und Wirtschaftslehre, einschließlich der politischen Folgen" (!) bezeichnete er die Juden als Träger der sexuellen Unmoral, als zur Homosexualität neigend usw. In den letzten Tagen aber leistete sich dieser „Gelehrte" ein Stück, das beweist, wie auch das Katheder nicht vor den „geistigen" Ausschreitungen des Radau-Antisemitismus sicher ist. Herr Plate sprach über Vererbung von Eigenschaften und beliebte die Mischehen zwischen Juden und Nichtjuden als Beispiel zu nehmen. Aus einer Gemeinschaft zwischen Arier und einer Jüdin entsprossen Kinder, bei denen das arische Element durchaus überwiege (welch Glück!). Aber bei den Kindeskindern, da — wörtlich: — „sehen Sie wieder den kleinen Cohn!" Diese Kabinettsleistung deutscher „Wissenschaft" erregte stürmischen Beifall bei den Hörern Plates, und das Trampeln der bekanntlich von vielen Studenten zum Applaus benutzten Schuhsohlen wollte kein Ende nehmen. Ein Gesinnungsgenosse des Zoologen Plate ist der Tübinger Historiker Johannes H a 11 e r. Er sprach kürzlich im Kolleg über die Frage, ob die Massen die ausschlaggebende Polle in der Geschichte spielen oder die großen Einzelpersönlichkeiten, und sagte dabei wörtlich: „Den Müller und Schulze muß es natürlich schmeicheln, für wichtiger genommen zu werden, als zum Beispiel Bismarck. Und Herrn Cohn natürlich auch. HerrCohnmuß ja vorallemüberall dabei sei n." Im Auditorium regte sich einiger Beifall (Trampeln), dem jedoch eine allerdings sehr leise Mißbilligung durch Scharren folgte. (Auf diese vornehme Art geben auch bei uns Studenten ihren Beifall bzw. Mißfall kund.) Der empfindliche Herr Professor fuhr auf: „Die Freunde des Herrn Cohn scheinen ja auffallend zahlreich in diesem Kolleg zu sein. Ich habe das schon früher bemerkt. Diese Herren sollten doch lieber nach Moskau gehen; dort können sie die Auffassung zu hören bekommen, die ihnen angenehm ist. Für den Rest meiner Vorlesung bitte ich Sie, lieber zuzuhören, als Meinungen zu äußern." Diese Vorfälle, welche, wie gesagt, durchaus nicht vereinzelt stehen, könnent wohl als Beiträge zu einer „Z o o 1 ogie professoralis" aufgefaßt werden. Zur Statistik der deutschen Juden. In der „Vossischen Zeitung" beschäftigt sich der deutsche Bevölkerungspolitiker Dr. Karl Wagner in einem Artikel über die „Entwicklung des Judentums" mit den Ergebnissen der deutschen Volkszählung von 1925, insoweit sie den jüdischen Bevölkerungsteil betreffen. Wir entnehmen diesem Artikel folgende bemerkenswerte Betrachtung: Die Gesamtzahl der Israeliten ist von 535.000 auf 546.000 oder um 29.000 gestiegen. Das entspricht einer Zunahme von 5.5 Prozent, beträgt also merklich weniger als die Gesamtbevölkerungszunahme (8 Prozent). An sich ist dies nicht weiter überraschend, da die Juden infolge ihrer außerordentlich niedrigen Geburtenziffer auch früher schon hinter dem Wachstum der Gesamtbevölkerung zurückblieben. Die Zahlen zeigen aber, daß das Ausmaß der Zuwanderung von Ostjuden bisher offenbar überschätzt worden ist. Wenn auch bekannt war, daß ein Teil der ostiüdischen Einwanderer über die westlichen Grenzen Deutschlands weiter gewandert ist, so ist doch die im Endeffekt auf Rechnung der Zuwanderung zu setzende Verstärkung des jüdischen Volksteils unerwartet niedrig. Bei der Beurteilung dieser Frage wird übrigens vielfach übersehen, daß die jüdischen Zuwanderer nicht nur aus Polen, Rußland und „Ga- Iizien". sondern vor allem wohl auch aus den abgetretenen Ostprovinzen des Deutschen Reiches stammen, die, wie bereits erwähnt, auch im übrigen das Hauptkontingent der außerordentlichen Zuwanderung der Nachkriegsiahre stellten. Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung haben die Juden ihren für 1910 festgestellten Anteil von 0,9 Prozent ungefähr behauptet. To Restauration in Salzburg Hermann Kohn Wottdletrlchstraae Nr. 14 riaaige Preise! Mäßige Preise! JiiMsctkes £le$cfifi>erdel»uc#i Der Mißbrauch der „Koscher"-Bezeichnung. In den Vereinigten Staaten wurde dem Unfug, daß nicht koschere Waren oder Speisen als „koscher" bezeichnet werden, durch ein Spezialgesetz gesteuert, das jeden, welcher mit der Bezeichnung „koscher" Mißbrauch treibt, mit strengen Geld- und sogar Arreststrafen bedroht. Auch in Deutschland beginnt man wieder, dieser traurigen Erscheinung im jüdischen Leben das Augenmerk zuzuwenden, zumal man in dem neuen deutschen Lebensmittelgesetz, das im Reichsgesetzblatt vom 8. Juli 1927. Seite 134 ff. verlautbart wird, eine rechtliche Handhabe zur Verfolgung der mißbräuchlichen Verwendung der „Koscher"-Bezeichnung erblickt. Im § 4 dieses Gesetzes heißt es nämlich: „Es ist verboten, Lebensmittel unter irreführender Bezeichnung, Angabe oder Aufmachung anzubieten, zum Verkauf vorrätig zu halten, zu verkaufen oder sonst in den Verkehr zu bringen". Rechtsanwalt Dr. C h a r i g, Berlin, schreibt hierzu im Frankfurter „Jüdischen Wochenblatt": „Man wird diese Bestimmung sicherlich auf den Fall anwenden dürfen, wo z. B. Fleischwaren als „koscher" oder gar „streng koscher" öffentlich angeboten werden, ohne daß von zuständiger Stelle diesen Waren die Eigenschaft als „koscher" verliehen ist. Der Sinn des Gesetzes ist gerade der, solche Fälschungen unmöglich zu machen. Dabei sei ein Einwand zurückgewiesen: man wird vielleicht entgegenhalten, das Lebensmittelgesetz sei nur zum Schutze der menschlichen Gesundheit und nicht zur Durchführung religionsgesetzlicher Bestimmung erlassen. Dem kann aber nicht beigepflichtet werden. Das Gesetz will schlechthin jeden Schwindel mit Lebensmitteln unterbinden." Was geschieht aber in dieser Hinsicht bei uns In Oesterreich? Trotzdem von unserem Blatte schon oftmals auf krasse Mißbräuche mit der „Koscher"-Bezeichnung hingewiesen wurde, trotzdem wir immer wieder die Abstellung ienes beschämenden und tief bedauerlichen Uebelstandes gefordert haben, daß jüdische Restaurants, Speisehäuser, Selchwarenverschleiße usw. sich als „koscher" bezeichnen, ohne es zu sein, hat man sich maßgebenden Ortes" noch immer nicht veranlaßt gefühlt, sich mit dieser Frage zu beschäftigen. Wir hoffen aber, daß da«; Beispiel des amerikanischen Judentums, das die Koscher-bill durchgesetzt hat, und nunmehr des deutschen Judentums, das sich mit der Frage eingehend beschäftigt, uns endlich veranlassen wird, wenigstens darüber nachzudenken, wie und auf welche Weise der leider immer mehr und mehr vn\ sich greifend** Unfue des MiRbrauches des Wortes ..Kcscheir", dem in der Reisezeit speziell Fremde zum Opfer fallen, am besten abgestellt werden kann. i> Vi i'i •;•>>• i.i i Ii » ri'i rr•■ i > Braves, f Heutiges Haddien H aus gutem jfidiSChCn Hause, mit einfachem Kochen und Nähen neben Bedienerin gesucht. Anmeldungen unter „Antritt 1. SCplemöer" an die Administration M 1 ♦ * >»• ■ > > •■>. •■■»■ > •»• •> eröet Atoonenten für „Die Wahrheit*' Bezugsbedingungen. 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