Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 34 (19.8.1927)
- Date
- 1927-08-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT BBBBBBBB Seite 11 deutliche Sprache gegen die verlogene Hetze der uns erhalten gebliebenen Hitler und Ludendorff, als daß man noch ein Wort über diese schmachvolle Sorte Journalismus zu verschwenden braucht. Die Herren kennzeichnen sich am besten selbst mit der Unterschrift, die sie für das Bild gewählt haben. „Denn Patroklus liegt begraben und Thersites kommt zurück." Die Kölner Friedhofschändung. Wir berichteten in unserer letzten Nummer von den Grabschändungen auf dem Friedhof der orthodoxen Kölner jüdischen Gemeinde. Die Verwüstungen stellen sich als weit schwerer heraus, als nach den ersten Mitteilungen anzunehmen war. Die Täter haben sämtliche Grabsteine umgestürzt und einen großen Teil derselben zertrümmert. Der Friedhof macht einen geradezu niederschmetternden Eindruck. Der mit der Untersuchung betraute Kriminalkommissär erklärte, daß er etwas derartiges an Zerstörungswut in seiner langjährigen Praxis nicht erlebt habe .Es ist dies seit etwa zweieinhalb Jahren die 39. Schändung von jüdischen Grabstätten! Der Kölner Kriminalpolizei ist es nun gelungen, auf die Spur der Täter zu kommen, die vor einigen Tagen den orthodoxen jüdischen Friedhof in Köln zerstört, 71 Grabsteine umgeworfen und zum Teil zertrümmert, sowie die Grabstätten geschändet hatten. Die Annahme, daß es sich um völkische Kreise handelt, hat sich vollauf bestätigt. Die Polizei hat bisher sechs Verhaftungen vorgenommen, deren Namen vorläufig verschwiegen werden. Die Verhafteten, unter denen sich der Haupträdelsführer befindet, sind alle Mitglieder der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei. Die Kölner Nationalsozialistische Organisation versucht, sich durch d>e Behauptung aus der Affäre zu ziehen, daß einer der Täter vor einiger Zeit aus ihrer Gruppe ausgeschlossen wurde und. um an den Nationalsozialisten Rache zu üben, andere Nationalsozialisten zur Tat angestiftet hat. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen; es stehen, wie es heißt, weitere Verhaftungen bevor. Besudelung der .Synagoge in Hannover. Vor kurzem habein Hakenkreuz!er die Synagoge in Hannover durch Inschriften „Schlagt die Juden tot", sowie durch große Hakenkreuze besudelt. Die Kriminalpolizei hat auf die Ergreifung der Täter eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt. Die* Farbspuren führen in das Hauptquartier der Nationalsozialisten. Die Folgen des Erdbebens in Jerusalem. Unter der Judenschaft Jerusalems herrscht schärfste Unzufriedenheit darüber, daß die Regierung auf die Bitte der jüdischen Gemeinde um Beistellung einer Summe zur Abhilfe der dringendsten Not der jüdischen Einwohner der durch das Erdbeben stark mitgenommenen Altstadt von Jerusalem die lächerlich geringe Summe von 30 Pfund angeboten hat. Dabei sind mehr als hundert jüdische Familien Jerusalems durch die Erdbeben-Katastrophe in tiefste Not geraten. In der letzten Sitzung des Jerusalemer Stadtrates wurde mitgeteilt, daß 20 Architekten mit der Untersuchung der beschädigten Häuser beschäftigt sind. 175 Häuser der Altstadt sind in einem eins tu r z g e f äh r 1 f c h e n Zustande und müssen sofort repariert, zum Teil abgetragen werden. In Bethlehem müssen 150 Häuser abgetragen und 180 repariert werden, in Bethjallah 30 Häuser abgetragen und 160 repariert werden. Familienforschung. Im Hefte Nr. 10 der Zeitschrift „Jüdische Familienforschung" (Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Familienforschung. Berlin) findet sich im Suchblatte folgende interessante Notiz: Frage Nr. 64. Rev. E. Bull, Methodistenprediger in New York, der als Missionär nach den Loo Choo Islands geht will die Biographie seines Vorgängers, eines Dr, Bettelheim aus Preßburg schreiben und bittet um biographische Daten. Dr. M. Grunwald, Wien. Giftige Pilze — eine Pogromgefahr. In der Lemberger Vorstadt Klepachow erkrankten etwa 30 Personen nach dem Genuß von giftigen Pilzen schwer. Agitatoren nutzten die Tatsache zu einer Judenhetze aus, indem sie verbi eiteten, daß die Pilze in einem jüdischen Geschäft gekauft worden sind. Es entstanden Tumulte und fast wäre es zu einem Angriff auf das jüdische Viertel gekommen. Die Polizei, die eine Untersuchung anstellte, erklärte aber, daß die Pilze bei einem christlichen Händler gekauft worden sind, daß unter den Erkrankten zehn Juden sind und daß das eiste Todesopfer eine jüdische Frau ist. Allmählich beruhigte sich die aufgeregte Menge. Die Aguda und die Züricher Rechtsschutzkonferenz. ,J3er Israelit" erfährt, daß auch an das Präsidium der Weltorganisation Agudas Jisroel eine Einladung ergangen ist, sich an der am 17. August in Zürich beginnenden Konferenz zum Schutze der jüdischen Rechte zu beteiligen, und daß darüber in den letzten Wochen innerhalb der Aguda- Leitung mehrfach Erörterungen stattgefunden haben. „Der Israelit" glaubt, „daß die ungeheure Mehrheit der leitenden Persönlichkeiten der Aguda gegen die Beschickung der Konferenz ist, und daß die Organisation auch nicht zögern wird, die Gründe ihrer Ablehnung öffentlich bekanntzugeben". •. Man müßte mit Blindheit geschlagen sein", schreibt das Blatt weiter, „wollte man verkennen, daß nicht nur prinzipielle Erwägungen die Orthodoxie verhindern müssen, sich mit dem Zionismus in einer so hochaktuellen politischen Frage in ein Bündnis unter ausgesprochen nationaljüdischer Flagge liineinzubegeben, sondern daß auch praktische Erwägungen ein Zusammenwirken in diesem Falle ganz unmöglich machen . . . Wie die Dinge liegen, werden die Machthaber in den meisten östlichen Staaten für eine Berücksichtigung rein religiöser Forderungen, bei deren Vertretung jede Berufung auf Gleichberechtigung oder gar auf nationale Rechte vermieden wird, viel zugänglicher sein als gegenüber einer Ver- Quickung dieser Gewissensforderungen, mit der die Leidenschaften aufreizenden Politik der nationalen Interessenvertretung." Die Richtigkeit dieser Stellungnahme findet eine neuerliche Bestätigung in der Entscheidung der amerikanischen Regierung, in der Angelegenheit der Judenverfolgungen in Rumänien nicht zu intervenieren. Diese Absage, die wohl die gesamte Judenheit betrifft und vor allem die Lage der rumänischen Juden erschwert, ist offiziell vom Washingtoner Staatsdepartement an die Adresse des „Amerikanischjüdischen Kongresses", an die Hauptstütze der geplanten Züricher Rechtschutzkonferenz gerichtet. Dieser Mißerfolg ist kaum geeignet, für das politische System des „Amerikanischjüdischen Kongresses" zu werben. Noch deutlicher sprach der litauische Staatspräsident Smetona. Kanonikus Tumas, der den litauischen Staatspräsidenten Smetona auf seiner Reise durch das Land begleitet hat, veröffentlicht in der litauischen Presse eine Schilderung des Empfanges des Präsidenten durch die jüdische Bevölkerung. Der Präsident habe den jüdischen Abordnungen ungefähr gesagt: Auch wir wollen den Juden Freiheiten nicht vorenthalten, wir fordern aber von ihnen, daß sie die Bedürfnisse des Staates im Auge behalten und nicht einen Staat im Staate bilden. Die Juden werden gut daran tun, sich auf den litauischen Staat zu stützen, anstatt auf irgendwelche Papiere und statt uns daran zu erinnern, daß jüdische Rechte in Palästina garantiert worden sind. Ein würdiges Professoren-Trio. Wir haben uns vor kurzem mit einem unglaublichen Vorfall im Pathologischen Institut der P> e r 1 i n e r Charite beschäftigt, in dessen Mittelpunkt dessen Direktor Prof. Lubarsch und der, Leichnam des Iwan K u t i s k e r gestanden sind. Dieser Vorfall, der blitzartig die tiefe Finsternis erhellt, welche in den Gehirnen mancher Leuchten der Wissenschaft herrscht, ist leider kein Einzelfall, vielmehr ist derselbe Ausdruck einer Gesinnung, welche bekiagenswerterweise in deutschen Studenten- und Professorenkreisen herrscht. Wir wollen heute Herrn Prof. Lubarsch nur zwei seiner wackeren Kollegen an die Seite stellen. MÖBELFABRIK FERNSPRECH-NUM MER 45-1-91 PPENHEIN SIGM. WIEN, 2. BEZ., PRATERSTRASSE NR. 30 Reiche Auswahl solid Bearbeiteter Möbel zu billigsten Preisen