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Die Wahrheit · 1927-08-19 · Heft 34 (19.8.1927) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 34 (19.8.1927)
Date
1927-08-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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setzt sind: Müller, der Juderanüller, der die Judenmission betreibt Karl Martell. Martell heißt im Altfranzösischen der Hammer. Dasselbe bedeutet schon Markus und im Hebräischen Makkabäer. Meier, Maier mit vielen Nebenformen. Entspricht dem, was man auf einem Rittergute den Inspektor oder den Amtmann zu nennen pflegt. Zu diesem Namen haben im vorigen Jahrhundert auf der Suche nach Familiennamen auch viele Juden gegriffen, wie sie auch die Namen: Bauer und Kaiser nahmen. Er empfahl sich dadurch, daß er mit einem späthebräischen, aber beliebten Vornamen Meir zusammentraf, d. i. der Leuchtende oder der Glänzende. Dreyfus bedeutet einen Trier und ist aus Trevus entstanden. Im Jahre 1555 wurden die Juden aus Trier ausgewiesen. Sie wandten sich in das benachbarte Elsaß und suchten dort eine neue Heimstätte. Sie wurden nun veranlaßt, einen Familiennamen anzugeben und da sie das gewöhnlich nicht koirntn, wurde, um die Spalte auszufüllen, auf die Einiwohnerliste kurz: Tre-vus will sagen Treviranus, vielleicht auch französisch Treves zum Rufnamen hinzugeschrieben. Daraus entstand dann in Frankreich: Trefousse und durch Volksetymologie im Elsaß: Dreyfuß. Reiser, einer der viel reist wie der Storch. Der Name in älterer Sprache auch gleichbedeutend mit Reisiger ist jüdisch. Namen von Hausschildern. Rothschild, im Jahre 1743 wurde Meyer Amschel Rothschild in der Judengasse, der jetzigen Börnestraße, zu Frankfurt am Main geboren. Es hatte über seiner Tür ein rotes Schild. (Schluß folgt.) Glossen. Frau Dr. Eugenie Schwarzwald hat am 11. August vor Knaben und Mädchen eine Festrede zum Lobe der Republik gehalten, die auch in der „Vossischen Zeitung" abgedruckt wurde. Es ist wirklich nichts auszusetzen an dem, was die Rednerin zum Lob der Republik ausgeführt hat, und nicht nur verständige Kinder, sondern auch deren Eltern mögen freudig zustimmen, wenn Frau Dr. Schwarzwald begeistert ausruft: „Das erste Wort der wahren Republik heißt: Was du nicht willst, daß man dir tu, das füg auch keinem anderen zu." Aber seltsam berührt es, wenn Frau Dr. Schwarzwald diesen Satz, der, wie sie richtig bemerkt, die Grundlage aller Zivilisation bildet und von dem sie ferner mit Recht annimmt, daß er auch allen ihren jugendlichen Zuhörern bereits bekannt sei, in einer Weise glossiert, als ob sie nicht wüßte, von wem eigentlich dieser gloriose, menschheitsbeglückende Gedanke zum erstenmal ausgesprochen wurde. Ja, noch mehr, Frau Drr Schwarzwald begnügt sich nicht, diesen Satz, der so trefflich seinen Platz in jeder Festrede zu Ehren der deutschen Republik finden dürfte, in deutscher Sprache zu zitieren, sie wiederholt ihn dann mit einer auffallenden Geflissenheit in französischer Sprache. Muß da nicht jeder unkritische Hörer und Leser der Frau Dr. Schwarzwald, die nicht nur durch verdienstvolles gemeinnütziges Wirken, sondern auch durch eine vielseitige Bildung ausgezeichnet ist, glauben, die Dame sei überzeugt, der Satz: „Ne fais pas ä autrui ce que tu ne voudrais pas qu'on te fasse" stamme von einem der großen Franzosen, die für das Prinzip der Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit kämpften. Wäre es denn sonst nicht komisch, daß sie just in französischer Sprache den erhabenen Grundsatz wiederholt, den Hillel, der große Lehrer des Talmuds, der fast ein Jahrhundert vor unserer bürgerlichen Zeitrechnung geboren wurde, zuerst verkündete? Hillel hat wirklich nicht französisch gesprochen. Sollte es möglich sein, daß Frau Dr. Schwarzwald selbst in ihren Kinderjahren nie von diesem großen Hillel gehört hätte? Das war ja der Mann mit der sprichwörtlich gewordenen Geduld, der dem Heiden auf das Verlangen, über den Inhalt der ganzen Thora sozusagen im Handumdrehen, in der kurzen Zeit, in der er auf einem Fuße stehen könne, belehrt zu werden, die Antwort gab: „Was dir unlieb ist, füge deinem Nebenmenschen nicht zu; das ist das ganze Gesetz, alles andere seine Erklärung. Gehe und lerne!" Das ist übrigens ein beherzigenswerter Rat auch heute noch und nicht nur für lernbegierige Heiden, sondern auch für belehrbare Juden und Christen. Nun, den sanftmütigen Hillel hätte sicherlich selbst bei Lebzeiten der Versuch, ihm die Priorität seines idealen Grundsatzes zu nehmen, kühl gelassen. Ihn hätte schon der Gedanke beglückt, daß seine Lehre in den spätesten Zeiten Verkünder finden würde, ohne daß sein Name dabei genannt wird. Nicht so gleichgültig dürfte es aber manche Eltern lassen, deren Kinder sich in dem Auditorium der Frau Dr. Schwarzwald befanden, wenn sie einen Passus der Festrede hören, der bei dieser Gelegenheit ohne jede merkbare äußere Nötigung sich aus einem Lob der Republik zu einem Lob des Christentums, und zwar auf Kosten des — Judentums entwickelte. Frau Dr. Schwarzwald machte vielleicht gerade nach dem Beispiele Hilleis, den Versuch auch den „innersten Kern des Christentums" in einem kurzen Satz zusammenzufassen. Sie sagte: „Ein richtiger Mensch, den geht es sehr an, daß auch die anderen, gleichgültig, ob mit oder ohne ihr Verschulden, nicht fallen. Ist er aber gar glücklich, so hat er das Bedürfnis, alles um sich her wenigstens neidlos zu sehen, das ist der innerste Kern des Christentums, welcher als notwendige Ergänzung zu der Gerechtigkeit des alten Dekalogs hinzu getreten ist". Ich erinnere mich, daß ich schon vor einigen Jahren an dieser Stelle eine ähnliche Behauptung der Frau Dr. Schwarzwald in zarter Weise korrigierte, aber ich darf mir nicht schmeicheln, daß auch sie sich daran erinnert. Der alte Dekalog, der bekanntlich auch das Gebot der Nächstenliebe enthält, war auf diese „notwendige Ergänzung der Gerechtigkeit" wirklich nicht angewiesen. Wenn Frau Doktor Schwarzwald ihre vergleichenden Religionsstudien vor einer jugendlichen Hörerschaft verwertet, in der auch jüdische Kinder vertreten sind, sollte sie JAC. MAYER Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Zentrale: Wien II., GlOCkengaSSe 24 Tel. 48-4-79 för Kultusbeamte und Vereinsfunktionäre gegen Legitimation 10% NachlaB

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