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Die Wahrheit · 1927-08-19 · Heft 34 (19.8.1927) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 34 (19.8.1927)
Date
1927-08-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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$1 & 5 '"fei ff < m \ k M?i Ih i ri» ■ f * * 1 1t 1t fei Seite 6 verfaßten Gebete im Gebrauche sind. Einen nicht unwesentlichen Anteil hat sie an der Gründung des von ihrem am 27. Jänner 1857 verstorbenen Bruder Hyman gestifteten „Gratz-College" in Philadelphia, das der Verbreitung der jüdischen Wissenschaft gewidmet ist. Rebekka Gratz ist, als das Urbild der Rebekka im im Jahre 1869 in dem hohen Alter von achtundaohtzig Jahren von hinnen. Sie lebt fort in den Monumenten, die sie in jenen Wohltätigkeitsanstalten sich selbst errichtet hat. Rebekka Gratz ist, als das Urbild der Rebekka im „Ivanhoe", durch Marschners Oper „Templer und Jüdin" auch zur dramatischen Figur geworden. (Fortsetzung folgt.) Personennamen der deutschen Juden. Von Regierungsrat Dr. Emil Weinberg. Die Personennamen sind Wörter, die wohl jeden Menschen mitunter zum Nachdenken anregen. Sie geben Anlaß zur Frage: Bedeuten sie etwas, was bedeuten sie, aus welcher Sprache stammen sie, ändern sie sich usw.? In der bekannten Sammlung Göschen ist unter Nr. 422 ein Rändchen unter der Aufschrift: Die deutschen Personennamen, ihre Entstehung und ihre Bedeutung., von Dr. Rudolf Kleinpaul in Leipzig erschienen. Dieses im Jahre 1909 herausgegebene Büchlein ist überaus fesselnd geschrieben. Es ist eine wahre Fundgrube für alle diesen Gegenstand betreffende Fragen. Es beschäftigt sich sowohl mit den deutschen Vorais Zunamen, es betrachtet sowohl die ältesten Zeiten als die Gegenwart und veranlaßt den Leser zur Bewunderung ob der vielen Sprachen, in denen der Verfasser Bescheid weiß und die er zu Erklärungen heranzieht. Selbstverständlich gehört auch die hebräische Sprache dazu. Aus dem Büchlein geht hervor, daß die hebräische Sprache und die in der Bibel vorkommenden Namen auf die Entstehung deutscher Namen einen großen Einfluß ausübten. Deutsche Wörter hinwiederum, die einen Anklang an hebräische Wörter hatten, wirkten umgestaltend auf hebräische Namen. Es ist dies eine Erscheinung, die bei dem jahrhundertlangen Zusammenhang der Juden mit den Deutschen eigentlich eine selbstverständliche ist Diesen Teil der Schrift wollen wir stellenweise — wenn auch ohne jeden engeren Zusammenhang — wiedergeben. Der letzte Teil des Büchleins beschäftigt sich mit Familiennamen. Ein Abschnitt hiervon heißt: Neue Namensschöpfung: Judennamen. Diesen Abschnitt wollen wir ungekürzt aus folgenden Gründen bringen. Der Verfasser äußerst sich selbst zwar in keiner Weise zur Judenfrage. Auf seine rein deutsche Abstammung läßt folgende Stelle schließen: Die Wünsche der fieldenzeit Tapfere Degen: „Das war die Hauptsorge unserer wackeren Vorfahren, daß die jungen Leute einmal gute Soldaten, kühne Degen, herrliche Helden werden möchten. Daher das fortwährende Säbelrasseln und Schwerter- Wirren., das Schlachtengetümmel und Pferdegetrappel in den heidnischen Taufnamen. Der kriegerische Geist ist uns angeboren," Trotz dieses Nationalstolzes nimmt Kleinpaul in dem Abschnitt „Judennamen" in einer Weise Stellung zu dem Schicksal der Juden, aus dem unbewußt das tiefste Mitgefühl über die Leiden. Verhöhnungen und Herabsetzungen der jüdischen Mitmenschen, wie sie anläßlich der Namensgebung der Juden stattfanden, spricht. Diese Schreibweise ist eines Gelehrten würdig und verdient hervorgehoben zu werden. Es ist leicht möglich, daß einer oder der andere Leser einzelnen von Kleinpaul gegebenen Erklärungen nicht zustimmt. Sind doch bei sprachlichen Ableitungen oft eine Reihe von Erklärungen für eine Erscheinung möglich! Es ist auch gar nicht beabsichtigt, eine Kritik der einzelnen Erklärungen zu veranlassen, sondern wir . wollen damit nur auf dieses lehrreiche sprachliche Gebiet aufmerksam machen.. So führt Kleinpaul unter anderem an: Moritz der Schwarze wie Bianca die Weiße. Moritz jüdisch für Moses. (Moritz Lazarus, das Moritzche.) Esau. der Haarmensch, schon bei der Geburt. (1. Buch Mose 25, 25). Alexander: einer, der sich der Haut wehrt, wie ein guter Fechter oder Schirmer. Dieser Name ist durch Alexander den Großen sehr populär geworden, sogar bei den Juden, die jahrhundertelang unter griechischer Herrschaft standen. Er war schon bei den Makkabäern häufig. DIE WAHRHEIT Taube, Täubchen. Beliebte, bereits im Hoheliede gebrauchte Kosenamen, aber auch wirkliche, nicht erst mit dem Christentumie ins Land gekommene Taufnamen. Columbus war ein alter Eigenname wie das tschechische Holub und das hebräische Jonas, vielleicht ein alter Fetischname, denn die Taube ist heilig. Sie heißt im Assyrischen die Hochgelobte (Schemiram). Emma, Imma, alter Name, der bereits einer Tochter Karls des Großen gegeben wird. Er bedeutet wie Melitta, Debora und Abeille die Biene. Die Blumennamen, die etwas Tändelndes. Erotisches an sxh haben, sind bei uns nicht heimatberechtigt, sondern fast durchgängig welsche Ware. Jüdinnen hießen manchmal Blümchen. Wir sagen Flora. Margarete stammt aus dem Persischen und bedeutet ursprünglich Perle, eine Bedeutung, die sich das ganze Mittelalter erhalten hat. Perle ist ein jüdischer Name. Veilchen, Feigel, ist jüdisch. Susanne, die Heldin der jüdischen Erzählung bedeutet Lilie. (Hebräisch schuschan.) Den Uebergang zu den himmlischen Frauen bildet der persische Name Esther, der in Susa der Jüdin Hadassa gegeben wird. Hadassa bedeutet Myrtenzweig, Esther bedeutet Stern wie Stella. Aurora, die Morgenröte. In Italien heißen Jüdinnen bisweilen Sol, die Sonne. Simson, eine Verkleinerungsform wie französisch soleil soviel wie Sönnchen, (hebräisch schemesch). Ulimann, zusammengezogen aus Uodal-man Lehnmann. Friedrich. Friedenskönig, entsprechend dem Friedefürst. c\m Sar-Schalom des Propheten Jesaias (9.6). Der Name Leo, die alte Form des Wortes Löwe, ist ein Fremdling auf deutschem Boden und ist von Rom und Konstantinopel, wo ihm die Päpste und die oströmischen Kaiser anzunehmen pflegten, zu uns gekommen. Später haben die Juden zur Verbreitung des Namens beigetragen. Der Adler horstet in Deutschland, hat daher auch einen ruten deutschen Namen, nämlich den Namen Ar. Daneben bestand in Niederdeutschland noch eine Nebenform, die Form Arn. Diese Form hat den Juden Veranlassung gegeben, den Namen Aron hineinzumischen. Christennamen: Neumann. Als sich David Mendel am?5 Februar 1806 zu Hamburg taufen ließ, nahm er den Namen Neander oder Neumann an, unter dem er berühmt geworden ist, er war ein neuer Mensch und ein Wiedergeborener. Lehrs. Die jüdischen Konvertierten heißen Lehrs, weil sie die Kinderlehre oder den Konfirmandenunterricht genossen haben. Anselm, wörtlich: Asenhelm oder Gottes Helm, also e<ner, der unter dem Schirm des Höchsten sitzet Anselm wurde von den Juden für Amschel eingesetzt. Der Stifter des Hauses Rotschild heißt eigentlich Amschel (Absalom). Emanuel, Manuel, jüdisch Mendel. Der Vater des Dichters fieibel war ein Lübecker Geistlicher. Dieser hatte an dem Tage der Geburt seines Sohnes (18. Oktober 1815) die Fahnen d^r hanseatischen Legion zu weihen, auf denen die Worte ..Gott mit uns" gestickt waren. Diese lauten im Hebräischen: T?i'manu-el. Der Pastor wählte diese bei der Taufe seines Söhnchens. Lazarus, der hebräische Name Elieser, EleasaT latinisiert: soviel wie Gott ist mein Heil. (Eser). Obadja. was die Septuaginta in der Form Abdias wiederg'bt Das hebräische Wort für Knecht ist ebed. es entspricht dem arabischen abd. Damit sind unzählige arabische durchvegs auf dasselbe hinauslaufende Namen gebildet (Abdallah, Abdelkaderu s. w.) Elisabeth, 'hebräis^ Elifecheba. Gottesanbeterin. Abgekürzt: Elise, mit deutscher Betonung Else. Vaternamen: Sohn. Das Wort wird dem Namen des Vaters in der neuhochdeutschen Schreibung angehängt. Gehl de dieser Art finden sich namentlich bei den Juden, die sich ^rst im 18. Jahrhundert bequemten, ihr ben zu übersetzen und für Ben zu übersetzen und für Ben-ary Levysohn, für Bend"vid Davidsohn, für Ben-fey Herloßsohn zu sagen. Moses Alendelssohn war der Sohn Mendels, eines armen Dessauer Volksschullehrers. Familiennamen, bei denen ehre Charakteristik üblich und notwendig ist, weil sie der Verwechslung besonders ausge-

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